Ein Dorf mit Mühlentradition im
südöstlichen Lippe
Nur
etwa 4 km unterhalb ihrer Quelle hat die Werre – früher Werne genannt –
seit alters her zwei Mühlen getrieben und wurde damit zur Lebensader eines
kleinen Dorfes, das sich Wilberg nennt und bereits auf den frühesten Lippischen
Landkarten des18. Jahrhunderts zu finden ist, selbst dann, wenn das größere
Bauerndorf und heutige Staatsbad Meinberg nicht verzeichnet ist. Seit ca.1392
sind Ort und Name schriftlich verbürgt, aber schon in der Eisenzeit, vielleicht
um den Beginn unserer christlichen Zeitrechnung, war dieses Terrain im oberen
Werretal des südöstlichen Lippe und unweit des Teutoburger Waldes besiedelt,
wie die Archäologie im Frühjahr 1993 bewiesen hat.
Um das Jahr 1100 besaß das Weserkloster Corvey zwei Höfe an der oberen Werre.
Den Grundbesitz hatten die Corveyer Mönche unter der Bezeichnung „Meynburghun“
bereits über 100 Jahre zuvor von sächsischen Edlen erhalten. Als etwa um 1110
vom Corveyer Abt mehrere „Ministeriale“ (Beamte) eingesetzt und
traditionsgemäß mit einem Hof belehnt wurden, befand sich unter ihnen ein Herr
namens „Wilburg“. Die Erfahrung lehrt, dass der Name des Lehnsherren häufig
auf den des Hofes überging. Es liegt also nahe, dass sich auf diese Weise neben
dem Haupthof, der „Kurie Meinburg“, mit dem zweiten Hof und seiner gesamten
Flur der Name „Wilburg“ im oberen „Wernetal“ etablierte. Benannt mit den
drei Buchstaben W-i-l erstreckt sich ein altes sauberes Städtchen auf einem
Berggrad der rätischen Schweiz. Nördlich und südlich dieses Ortes gab es im
Mittelalter zwei Burgen „derer von Wilberg“, eines bereits im 13.
Jahrhundert erloschenen Geschlechts. Es ist denkbar, dass der Name aus dem
Alemannischen Sprachraum mit der Christianisierung im 8. oder 9. Jahrhundert
nach Norddeutschland und damit ins „Sächsische“ gelangte. Wie auch immer,
ob nun mit dem gleichbedeutenden Affixoid „burg“ oder „berg“, seither
sind Meinberg und Wilberg über Jahrhunderte dörfliche Nachbarn mit gemeinsamer
Verwaltung geblieben bis sie 1970 in die Großgemeinde Horn-Bad-Meinberg
aufgingen. Diese spannenden Entdeckungen haben uns im Dorf zusammengeführt, unsere
Herkunft und unsere Umwelt haben wir mit neuem Bewusstsein wahrgenommen. Wir
haben nicht nur einen Gedenkstein errichtet, sondern auch einen kleinen
Dorfplatz angelegt als Treffpunkt für alle Bewohner und Nachbarn und dazu einen
Heimatverein gegründet, der dem Lippischen Heimatbund angeschlossen ist. In aufgeschlossener Hinwendung und verständnisvollem Umgang mit der
Geschichte unserer Region und des heimatlichen Ortes – der zwar nicht die Welt
bewegte, aber von ihr bewegt wurde - bemühen wir uns, diese Bewegungen
nachzuvollziehen, ihre Spuren zu sichern und vor Verunstaltung oder Zerstörung
zu bewahren. Unsere Vereinigung will die historische, die geografische, die
kulturelle und naturwissenschaftliche Heimatkunde wecken und vertiefen, das
Verständnis für altes Brauchtum und die Volkskunst sowie für die heimische
landwirtschaftliche und handwerkliche Kultur fördern, dazu die ortsübliche
Mundart und das heimatliche Schrifttum lebendig erhalten, die natürliche
landschaftliche Schönheit unseres Dorfes, ihre Fauna und Flora schützen und
betreuen. Eine Aufgabe insgesamt, die auch das Sozialverhalten positiv
beeinflusst und das freundschaftliche Miteinander im Dorf fördert, wozu wir neu
hinzugezogene und integrationswillige Bürger herzlich willkommen heißen.
Schließlich sind wir neuen, schöpferisch wertvollen Impulsen gegenüber stets
zugänglich. Seither treffen wir uns wieder nach alter Sitte zur alljährlichen
Maifeier und zum Ernte-dankfest oder veranstalten informative Wanderungen in die
Umgebung. Allmonatlich finden sich im alteingesessenen Dorfgasthaus die
Interessenten des plattdeutschen Arbeitskreises ein, und nicht wenige
freiwillige Helfer stellen sich zur Verfügung für die Aktion „sauberes
Dorf“. Also – besuchen Sie unser in Grün gebettetes Mühlendorf am Hang der
Werre!
wzw
Möchten Sie mehr wissen? Haben sie Ideen oder Beiträge vorzuschlagen? Dann
wenden Sie sich an
die Geschäftsstelle / der Vorsitzende,
Maßbruchweg 17, 32805 Horn-Bad Meinberg.