Fotos Wilberg

Zur Erinnerung an das sechshundertjährige "Bestehen" der Ortschaft Wilberg nach dem bisher ältesten schriftlichen Nachweis um 1392 stellte die Bewohnerschaft in Eigeninitiative einen Gedenkstein an exponierter Stelle auf und gründete gleichzeitig den Heimatverein Wilberg. Was früher die "Dorflinde" war, ist ihnen heute "der Stein", nämlich Treffpunkt zum abendlichen klönen und feiern.



 
 

Die Trachtengruppe


Die Niedermühle zu Wilberg, idyllisch am westlichen Ortsausgang gelegen, hat als Hoch-gräfliche Regalie im Jahr 1698 ihren Betrieb aufgenommen. Bauern aus Wilberg, Schönemark und Schmedissen waren gehalten, in dieser Mühle mahlen zu lassen: Eine Maßnahme zur Existenzsicherung, wie sie damals üblich war da man von „freier Markwirtschaft“ noch nichts wusste. Sie wurde über mehrere Erbpächter weitergereicht, bis ab 1782 Müller Böke und seine Nachfahren für fast ein Jahrhundert Wilberger Niedermüller blieben. Bevor Böke sie an Müller Günther aus Hiddesen abtrat, hatte er noch ein mit Wasserkraft betriebenes Sägewerk anbauen lassen. Das alte Mühlengebäude wurde 1914 durch einen Neubau ersetzt, der in seinem Grundriss noch dem Vorgängerbau entspricht. Wertvolle Dokumente aus seiner Geschichte birgt die Mühle noch heute, darunter solche aus Paulinischer Zeit mit Siegel und Signatur der Fürstin, dazu zwei Tagebücher, deren erste Eintragung noch aus dem Jahr 1782 datiert. Das Mahlwerk steht zwar heute still, ist aber weiterhin betriebsbereit und gelegentlich dringt das Geräusch von Sägen immer noch bis ins Dorf hinein.


Eines der sehr selten noch erhaltenen Horizontalgatter eines Sägewerks findet sich in der Niedermühle zu Wilberg. Mit dieser Vorrichtung wurden Baumstämme „horizontal“, also der Länge nach zu Bohlen und Balken aufgetrennt. Mit Sicherheit gibt es noch heute Fachwerk und Dachgestühl in unserer Region, das in der Niedermühle zugeschnitten wurde, dazu „Beschussbretter“ für Fußböden oder Decken. Die Anlage ist noch betriebsfähig und lebendige Anschauung für die traditionelle lippische Holzverarbeitung und damit verbundenes altes Handwerk


Über den Bau der Wilberger Obermühle sind handschriftliche Dokumente überliefert, datiert vom Jahr 1574. Danach wurde sie auf dem Hof des Alten Meyer errichtet, der um diese Zeit selbst erst knapp ein halbes Jahrhundert alt war und zeitweilig auch „Mollenhoff im Wil-berge“ genannt wurde. Diese Bezeichnung aber war tradiert aus einer Zeit, da es die Obermühle noch nicht gab. Die Wassermühle an der Werre im Wilberge blickt auf eine bewegte Geschichte zurück. Im Dreißigjährigen Krieg wurde zunächst der Mühlenteich zerstört und wenig später mit dem Altemeyer-Hof wohl auch das Mühlengebäude. Beim Wiederaufbau musste eine hölzerne Wasserrinne auf Pfählen angelegt werden. Das Schicksal der Müllerfamilie Hüppe zu Beginn des 18. Jahrhunderts bewegt dann den Chronisten und der Überfall durch Engländer im Siebenjährigen Krieg. Die Erbpächter wechselten oft und um Reparaturen musste mit den Detmolder Behörden gestritten werden. Am Weihnachtstag des Jahres 1834 schließlich brannte sie bis auf die Grundmauern nieder. In Rekordzeit wieder aufgebaut, diesmal aber jenseits der Werre und mit Wasserversorgung über einen Kanal, hatte sich Müller Ohm scheinbar finanziell überschätzt: Wegen Überschuldung „entwich“ er nach Amerika. Seither ist die Obermühle in Händen des Müllers Meier geblieben, dessen Familie nach der Privatisierung um 1930 nochmals einen Neubau folgen ließ. Bis in die Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts blieb die wohl älteste Mühle in Wilberg im Dienst, heute ruht ihr Räderwerk.
 
 

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