„AUF DEM WILBERGE”
Provenienz und
Semantik,
geographische Präsenz, Historie, Sage und Personalia
Sowohl das alte
mundartliche „uff´m Wilberge“, als auch das späterhin häufiger
angewandte „im Wilberge“ waren einst die gängigen und schriftlich
überlieferten Formeln für das Dorf Wilberg im Südosten des ehemaligen
Fürstentums Lippe, heute Kreis Lippe. Nun ist das Dorf jedoch keineswegs auf
einem Berg gelegen, wie diese Ausdrucksform suggeriert, sondern im Tal der
Werre und hatte sich im Verlauf seiner Geschichte nur sehr langsam am Hang des
Nordufers, einem Siek folgend, dann auch den ehemaligen Hudekamp „Maßbruch“ der
Bauerschaft Schönemark vereinnahmend, als Streusiedlung entwickelt. „Auf
dem Wilberge“ selbst aber wurde seit Jahrhunderten nicht gesiedelt.
Erst im 20. Jahrhundert sind hier am damaligen Grünen Weg „auf dem
Berge“ nur wenige Häuser errichtet worden. Auch ist die leichthin vertretene
Ansicht, das Dorf sei nach hier vorhandenen „wilden Bergen“ benannt worden
ebenso abzuweisen wie die in fast jedem etymologischen Nachschlagewerk zu
lesende Deutung „Wil“, ahd. Wille, der einem Ortsnamen wohl schwerlich
beizulegen ist. Zu hinterfragen bleibt, ob der zweigliedrige Name eine örtliche
geographische Situation beschreibt oder als Personenname (Anthroponym) fremder
Herkunft in diese Region eingewandert ist. Nur eine umfassende Erkundung
onomastischer und historischer Hintergründe kann akzeptablere Kriterien zur
Frage nach Herkunft, Bedeutung und Verbreitung des Namens zutage fördern.
*
Wilberg in der rätischen Schweiz – historische Fakten zur Nominaldefinition
Die Gemeinde Dulliken im Kanton
Solothurn, 3 km östlich von Otten und 10 km westlich von Aarau am nördlichen
Hang des Engelberges gelegen, schließt in sich ein die Flur „auf dem
Wilberge“ mit dem heutigen Ortsteil Wil. Hier fanden sich Reste einer Siedlung
aus römischer Zeit, einer „Villa Rustica“, offenbar mit Ummauerung. Die
Villenanlage (Siedlung) auf dem Berg wurde vermutlich von den Alemannen um 260
nach christl. Zeitrechnung erobert und zerstört. Fraglos sind von den sich
zurückziehenden Römern lateinische Sprachreste vom Alemannischen aufgenommen
worden und nachvollziehbar ist deshalb, wenn die zumeist suffixoid eingesetzte
Silbe „wil(l)“ als Wortstamm von „Villa“ in zahllosen Ortsnamen der
rätisch-romanischen (alemannischen) Schweiz auftritt. Die Silbe wird auch
vorgesetzt, seltener eingeschoben, steht aber auch in einigen Fällen allein.
Leicht lässt sich „Wil“ mit „Berg“ (Burg) zum Begriff „Wilberg“
verbinden, womit sich offensichtlich die neuen alemannischen Siedler der
ehemaligen römischen „Villa auf dem Berg“ identifizierten. Zwei Stammsilben
gegenstandsbezogener unterschiedlicher Objekte und Sprachen, dar
lat.-romanische Stamm „vil“ (Landgut, Bauernsiedlung, Gebäudekomplex)
einerseits, sowie das germanisch-deutsche „berg“ als geographische Situation
andererseits funktionieren als Begriffskombination „prosprial“, sie bilden ein
„Anthroponym“ (Eigen- oder Personennamen), das erblich eingesetzt die damit
individualisierte Personengruppe als Familie oder Sippe konturiert und von
anderen, gleichartigen „Objekten“ abgrenzt. Frühe Orts- und Familiennamen sind
vielfach bereits ursprünglich identisch. Ein erster Stammesführer soll sich
Wilebert genannt haben. Die Herren „vom Wilberge“ unterwarfen
benachbarte gleichartige „Objekte“, dehnten solchermaßen ihre Herrschaft aus
und legten zur Sicherung der vereinnahmten Territorien Burgen an.
Im
Stiftsarchiv des weltberühmten Klosters St. Gallen wird eine Pergamenturkunde
aus dem Jahr 853 aufbewahrt, wonach Abt Grimald den Edlen Wolfried mit drei
„Gemarchen“ innerhalb einer der frühesten christlichen Gemeinden, Wila im Tal
der Töss gegen einen Zins von vier Denaren belehnt: Herichunmaracha (Ehrikon),
Scalchunmaracha (Schalchen) und Willipercsmaracha (Wilberg,
später fälschlich Wildberg). Auch der alemannische Begriff „Maracha“
enthält mit „margo“ eine lateinische Spur, wird althochdeutsch zu „marcha“ und
beschreibt den Grenzbereich eines Territoriums, die Gemarkung, hier die
Gemarkung Williperc bei Gündisau und Turbenthal an der
Töss. Die Stankt Gallener „Urschrift“ weist somit zweifelsfrei die Begriffskombination
„wil“ und „berg“ nach, die den später aus Unkenntnis in Sprach- und
Schriftumgang gattungsverfremdend eingeflossenen „d“ oder „t“- Einschub nicht kennt. Dagegen darf die
orthographische „ll“-Version, also „Willberg“, im Wechsel für das gleiche
Objekt ohne Abweichung vom Denotat, da ursprünglich verbürgt, für legitim
gelten. Desgleichen bleibt die Denotation auch von den Varianten „perc“, „burg“ oder „borg“ unbeeinflusst.
Im Süden und im
Südwesten des mitteleuropäischen Sprachraums
fand die erste Unterscheidung von Personengruppen und deren einzelnen
Angehörigen unter einem erblichen Namen statt, eine Methode, die den sich
verändernden kulturellen, wirtschaftlichen und sozilogischen Bedingungen
entsprach. Die Stammsilben der Topoi menschlichen Wirkens (Bauwerke) und die
einer geographischen Situation verbanden sich zum Anthroponym „Wilberg“.
Die These scheint mithin kaum abweisbar, wonach diese Begriffsbildung als
erblicher Familien- und Personenname mit den frühesten Ausbildungen von Geschlechteridentifikationen
im Raum der romanisch-alemannischen Sprachgrenze der heutigen Schweiz
ursprünglich in Gebrauch kam.[1]
Nach längerer
Informationspause, etwa zu Beginn des dreizehnten Jahrhunderts wird
dokumentiert, dass der Edle Walter I. von Wilberg, Vogt des St. Gallener
Besitzes im Marien-Kirchspiel Wila, in seinem „Dorf“ Wilberg, südwestlich der
Burg Tössegg gelegen, eine neue Burg errichtet. Nur wenige Jahrzehnte später erbaut
Rudolf von Wilberg einige Kilometer entfernt, oberhalb vom Dorf
Gündisau, eine noch prächtigere Burg. Scheinbar nutzten die von Wilberg die
kaiserlose Zeit um die Mitte des 13. Jahrhunderts und unterwarfen weitere
Siedlungen der Umgebung, unter anderen Gündisau, Ehrikon oder Schalchen bis hin
nach Irikon und machten die Bauern zu Hörigen. Die zahlreichen „Wil“-Orte in
dieser Region dürften jedoch zumeist Relikte der ehemaligen römischen
Herrschaft sein: Neschwil, Lüdetswil, Hermatswil, Machetswil, Bitterswil,
Wilen, Wilhof, usf.[2]
Bereits kurze
Zeit nach der Erbauung, um 1320, brannte die Burg der Ritter von Wilberg im
Dorf Wilberg (heute Wildberg) bei Turbenthal nieder und ein Sohn, erst
etwa acht Jahre alt, ertrank im Mühlenbach bei der Bläslimühle. Für dessen
Seelenheil unternahm Johann von Wilberg einen Pilgerritt nach Rom und
stiftete 1329 der christlichen Gemeinde zu Wil(d)berg eine neue Kirche, die
Liebfrauenkapelle. Auf den Grundmauern der zerstörten Burg soll später das
Pfarrhaus erbaut worden sein.
Die Ritter
von Wilberg saßen aber auch auf ihrer Burg Wilberg bei
Bronschhofen, einem kleinen Ort ca. 3 km nördlich der auf einem Berggrat gelegenen
Stadt Wil im Kanton St. Gallen. Eine weitere Burg Wilberg befand
sich ca. 12 km südlich von Wil zwischen den Dörfern Oberrindal und Unterrindal.
Sie wurde 1290 zerstört, wieder aufgebaut und ist später auf die von
Grießenberg und Eppenberg übergegangen. Die Burg ist heute Wüstung und bis auf
die Spuren eines Wallgrabens nahezu unkenntlich. (Grabungs- und Ruinenfeld
Burgwies?)
Der Ritter
Hans von Wilberg, Herr zu Rapperswil, auch genannt der „Tössegger“ nach seinen Besitzungen bei Gündisau, in
Wilberg und Tössegg südlich Turbenthal, vermählt mit Ursula von Rambach (gest.
1371 oder 73), Tochter des Otto von Rambach und der Elisabeth Biberli, fiel in
der Schlacht von Näfels am 9. April 1388.
Bei Näfels,
Kanton Glarus am Walensee, besiegten die Glarener mit ihren Verbündeten ein
österreichisches Reiterheer und sicherten sich damit die Zugehörigkeit zur
Eidgenossenschaft, die 1291 auf dem Rütli von den drei Ständen Uri, Unterwalden
und Schwyz zum Kampf gegen die Herren von Habsburg beschlossen wurde. Die
Gedächtniskapelle soll bereits ein Jahr darauf, 1389 errichtet worden sein, wo
noch heute jährlich eine Erinnerungsfeier, die „Näfelser Fahrt“ stattfindet.
Das
Bronschhofener Schloss Wilberg derer von Wilberg bei Wil ist der Schauplatz
folgender Sage:
S a l v e R e g i n a
Der Ritter Hans von Wilberg zog mit den
Glarenern aus in die Schlacht bei Näfels. Seine einzige Tochter Gutta litt
unter schlimmen Ahnungen und bat ihn, er solle nur diesmal dem blutigen Ringen
fern bleiben. Doch ihr Bitten war vergeblich, denn die Wilbergs kannten keine
Furcht.
Am folgenden
Abend aber, zur Zeit als Gutta zur Himmelskönigin betete, erklang die Glocke am
Burgtor von selbst, das Tor öffnete sich und herein sprengte der Ritter Hans
als ein Toter mit klaffender Wunde. Er segnete seine Tochter und verschwand wie
er gekommen war. - Mit ihm war das Geschlecht der Wilbergs erloschen.
Gutta vermachte
ihr Besitztum der Kirche zu Wil und bat, dass man jeden Abend um sechs Uhr die Glocke läute und
ein „Salve Regina“ singe, zu dem sie sich selbst einfand. Der Küster war
angewiesen, die Glocke zu läuten, bis das fromme Fräulein die Kirche betrat.
Dann schwieg das Geläut und die Andacht begann. Aber eines Abends tönte die
Glocke lange über die gewohnte Zeit hinaus, aber das Fräulein erschien nicht
und erschien auch niemals wieder. Mit dem Schlag zur sechsten Stunde war ihr
Lebensabschied sanft hereingetreten und die Salve-Glocke zu Wil ihr
Sterbeglöcklein geworden. Sie lag tot in der nun verlassenen Burg ihrer Väter
und war in die Schar der Seligen aufgenommen. Der Bericht ihrer alten Dienerin,
das Marienbild über dem Haupte der Sterbenden habe ein mildes Licht über das
brechende Auge ergossen, fand allgemein willigen Glauben. Die Burg selbst aber
wurde von den Appenzellern 1408 zerstört und vergebens sucht man heute ihre
Spuren.
Die
Bronschhofer aber maßten sich die Gegend des Schlosses nun widerrechtlich als
Allmende an, aber Abt Ulrich von St. Gallen behauptete das Land im Rechtsstreit
gegenüber den Bronschhofern und führte den Weinbau ein. Wahrscheinlich mussten
die Steine der Burg zum Gemäuer der Torkelhütten dienen. Im Jahr 1505 sah man
noch einige Trümmer „am Wege, da man gat nach Bronschhofen“, dem
jetzigen Weg durch die Rebgärten. Diese Trümmer waren einst die Burg
Wilberg. Jetzt sind
auch diese verschwunden. Aber über ihnen aber wächst ein
Wein, der Feuer und Kampflust jener Ritter geerbt zu haben scheint und den
Namen der Wilbergs alle Ehre macht.[3]
Die Sage stützt sich also durchaus auf geschichtliche Ereignisse.
Allerdings muss der Behauptung widersprochen werden, mit dem „dramaturgisch geschickt“
erzählten letzten Auftritt des Geisterritters Hans von Wilberg sei das
Geschlecht der Wilbergs erloschen. Nach genealogischen Quellen hatten Hans von
Wilberg und seine Gemahlin Ursula von Rambach, (gest. 1371 oder 1372. Von
Wilberg soll nach deren Tod um 1372 eine zweite Ehe mit Brida von Hinwil
eingegangen sein), einen Sohn, gleichfalls Hans von Wilberg genannt. Von
diesem ist überliefert, dass er 1385 eine Pilgerfahrt nach Jerusalem unternahm
und mit Amalia von Gösgen (gest. um 1436), Tochter des Johannes von Gösgen und
der Adelheid Strieber vermählt war. Hans von Wilberg starb 1406, demnach zwei
Jahre vor der sagenhaften Zerstörung ihrer Burg bei Wil. Beider Sohn Heinrich
von Wilberg wiederum ehelichte Ursula von Rigggenberg, Erbin der Herrschaft
von Brienz und Riggenberg, nördl. Interlaken, Kanton Bern. Der „Tössegger“
Heinrich von Wilberg wird 1406 als Bürger (?) von Rapperswil und 1415 desgl.
Von Aarau genannt. Hierzu zwei Regesten:
1430/1432: Akta: Im Streit der Riggenberger Herrschaftsleute
Heinrich und Ursula von Wilberg,
Brienz und Riggenberg und das Kloster Interlaken um die Handhabung der
Vogtrechte, bestätigt Bern, dass die Herrschaften ihre Amtmänner selbst wählen
dürfen. Heinrich von Wilberg stirbt 1438.
1439: Akta: Ursula von Riggenberg, Witwe des Heinrich von Wilberg,
verkauft ihren Anteil an der Herrschaft
Riggenberg um 4.600 Rheinische
Gulden dem Kloster Interlaken,
das damit in den vollen Besitz der Riggenbergschen Vogtei gelangt.
Ursula von Wilberg und Riggenberg
stirbt um 1440 und hinterlässt
eine Tochter Beatrix. Diese vermählt
sich mit Friedrich von Hinwil und beide haben eine Tochter Elisabeth. Beatrix
von Wilberg geht eine zweite Ehe ein mit Hugo von Hegi (gest. um 1450).
Aber der
Einflussbereich derer von Wilberg im hohen Mittelalter wird wesentlich im
Dreieck zwischen Winterthur, Rapperswil und Wil östlich Zürich zu suchen sein.
Bekanntlich besitzen sie ein Schloss im Dorf Wil(d)berg, sind Herren auf Burg
Tösseg (heute Ruine) bei Turbenthal, Kanton Zürich und um 1250 baut Rudolf
von Wilberg wenige Kilometer südlich zwischen den Dörfern Gündisau und
Madetswil, unweit vom Weiler Steinland auf einem bewaldeten Hügel eine neue
Burg. (s.o., beurkundet 1257). In unmittelbarer Nachbarschaft befindet sich
einer der höchsten Wasserfälle des Kantons Zürich, der Steinlandgießen. Noch in
unseren Tagen wird der ehemalige Burgberg „Schlosshügel“ genannt, von der Burg
selbst aber zeugen zwar noch zahlreiche Steine, jedoch keine kompakten
Mauerreste. Zwei auffällige Erdhügel und der ehemalige Burggraben erinnern an
vergangene Größe. Auch diese Burg der Herren von Wilberg, verwaltet von einem
adelsständigen Hofbeamten Dietmar, lebt in einer finsteren Sage fort:
M e i n r a d s R a c h e
In
der zweiten Hälfte des dreizehnten Jahrhunderts hauste auf Burg Wilberg bei
Gündisau der gewalttätige Raubritter Diethelm von Grießenberg und plünderte
seine hörigen Bauern nach Belieben aus. Nur gegenüber den Herren von Wilberg
und Schalchen, die sich friedlich verhielten, vermied er sorgsam jede
Konfrontation aus Furcht, diese könnten sich auf Seiten der Bauern gegen ihn
wenden.
Unweit des Dorfes Steinland am
Steinlandgießen wohnte derzeit ein Bauer Meinrad Bünzli und seine Familie. Im
Sommer des Jahres 1291 flüchtete dessen jün-
gere Schwester Ida in der Blüte ihrer Mädchenjahre vom
Elterlichen Hof bei Tur-benthal und verbarg sich bei ihrem Bruder Meinrad, da
ihr der Freiherr von Breitenlandenberg nachstellte. Aber auch hier wurde die
Schöne bald aufgespürt. Der rauhe Diethelm von Grießenberg überfiel Meinrads
Hof, raubte das hilflose Mädchen und überschüttete den Bauern mit Hohn und
Spott. In wildem Zorn setzte Meinrad dem Räuber nach, riss ihn vom Pferd und
beide gerieten in ein Handgemenge, währenddem es Ida gelang, zu fliehen.
Diethelm ließ von seinem Gegner ab und eilte wutentbrannt der Flüchtenden nach,
konnte aber nur noch zusehen, wie diese sich in den Gießen hinabstürzte.
Fluchend wandte er sich gegen Meinrad, doch ehe er sich´s versah, stieß ihn der
Bauer in die Tiefe, in das höllische Brautbett des Wasserfalls.
Meinrad stieg in die Schlucht hinab und fand seine Schwester tot. Nicht
weit entfernt, am Nagelfluhfelsen beim Gießen, lag auch der Ritter Diethelm mit
zerschmetterten Gliedern. Im glühenden Rachedurst entriss ihm Meinrad sein
Schwert und erschlug ihn mit der eigenen Waffe. Schmerzerfüllt trug er den
Leichnam seiner Schwester heim und machte sich sodann besorgt auf den Weg zum
Bruggetwald, wo der Einsiedler Bruder Josef lebte. Der sonst fromme Dulder aber
riet ihm, die Situation zu nutzen, das herrenlose Raubnest ohne Blutvergießen
auszunehmen und den roten Hahn aufzusetzen.
Eiligst begab sich Meinrad nach Gündisau zum riesenhaften Kriegsmann
Lorenz Gubler, der seit langem große Lust verspürte, das Raubgesindel auf der
Burg mit dem Strick zu erhöhen. Zunächst schien es ihm unglaubhaft, dass
Diethelm drunten im Tobel von Meinrad erschlagen liege. Dann aber hielten sie
Rat und riefen aus Schalchen und Gündisau wehrhafte Männer mit Sensen, Spießen,
Äxten und sonstigen Waffen zusammen und umstellten unter Führung von Bünzli und
Gubler heimlich das Eulennest.
Auf der Burg hielt man indessen Rat ob ihres zu lang ausbleibenden Herrn
und die Wehrhaften beschlossen, sich auf die Suche zu begeben. Die Brücke wurde
herabgelassen und mit Fackelschein verließen die Kriegknechte das Schloss. Ohne
Verzug stürmten darauf die Bauern hervor, überrannten die Burg und ließen sie
in Flammen aufgehen.
Ritter Diethelm soll in der Nähe begraben worden sein und da er ohne
Manneserben starb, wurde die Burg nicht wieder aufgebaut. In den Gewölben aber,
so will es die Sage wissen, haust noch heute der Ritter und bewacht seine
geraubten Schätze:
Im düsteren Gewölbe bannt ihn die Verdammungspein,
kein süßer Mondschein dringt in die dunkle
Nacht hinein,
wo der letzte Raubgenoss haust im
Gündisauer Schloss.
*
Auch in diesem Fall darf die Sage sich irren, denn das Schloss Wilberg
bei Gündisau wurde erst im alten Zürichkonflikt im Jahr 1443 zerstört. Dennoch
– ohne geschichtsphilosophischen Diskurs - auch hier muss die Sage eintreten
für das, was die Historie verschweigt. Von der Herrschaft Wilberg sinkt bereits
im Mittelalter der Name über die niedere Adelskategorie in das Bürgertum ab. Im
Jahr 1114 ist das
„Herrengeschlecht“ von
Wilberg in Muri im Aargau bezeugt, 1197 „Wilperc“ im
Engelberger Urbar, Kanton Obwalden. Aber bereits 1383 wird ein Hermann
von Wilperc als Bürger von Luzern genannt und nur wenig
später, 1390, Johannes von Wilberg als Bürgermeister und
Rat in Zürich. Im Jahr 1391 folgen Heinrich Manesse und Burckhard von
Wilberg. Um 1401 vermählt sich Hans von Meiß (gest.in Zürich
1410, Pest) mit Verena von Wilberg, Tochter des „Ratsherrn und
Seckelmeisters“ Burckhard von Wilberg in Zürich und seiner
Ehefrau Catharina Brennschinck.
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Wilberg in Baden-Württemberg
Es ist
anzunehmen, dass „Wilberg“ bereits lange vor der Jahrtausendwende
als Personen und Geschlechtername mit dem Christentum seine Wanderung nach
Norden antrat. Mit einigen Niederlassungen in germanischen Stammländern und mit
territorialem Gewinn bildeten sie – wenn auch historisch weitgehend
unbedeutende – neue Herrschaftsräume.
Ins Auge fällt zunächst die Ortschaft Wildberg in Schwaben, die
siedlungsstrategisch geschickt auf dem Höhenrücken einer Nagoldschleife
angelegt wurde. Nicht nur die Ähnlichkeit mit der Anlage von Wil in der Schweiz
ist auffällig, auch das Wappen der Stadt, ein Antiqua-W auf rotem Grund,
gleicht dem, wenn auch vor hellem Hintergrund (herald. Silber), eines farbigen
Fensters (sign. AD 1933) der Stadtkirche St. Nikolaus in Wil.
Die Burg Wilberg an der Nagold soll auf die Regierungszeit
Rudolfs I., Pfalzgraf von Tübingen zurückgehen oder - etwa um 1200 - bereits
vorhanden gewesen sein. Der Erbauer ist jedoch unbekannt Erstmals bezeugt ist sie mit einer Urkunde
aus dem Jahr 1237, wonach es einen „pincerna de wilpberg“, einen
Hofbeamten im Adelsstand (eigentlich Mundschenk) auf der Burg Wilberg gab.
Ferner wird in der gleichen Urkunde (Hauptstaatsarchiv Stuttgart) ein „Pleban
von Wildorf“ genannt. 1303 regiert auf dem Schloss „Burghard de
Wilpperg“. Die Herrschaft Wilpberg wird im Jahr 1355 unter den Brüdern
Burkhard VII. und Konrad I. geteilt, wobei „Schloss Wilpperg Burg und
Stadt“ im gemeinsamen Besitz verbleiben. Laut Urkunde vom 14. Juli 1363
verkaufen Burkhard von Hohenberg, Herr zu Wilperg, und seine Frau
Anna von Brauneck ihre Hälfte an Burg und Stadt sowie Kloster Reuthin an den Wittelsbacher
Pfalzgrafen Ruprecht I. bei Rhein. Nach beständigem Streit um Machtansprüche
und Rechte verkauft der Pfalzgraf 1440
das Besitztum Wilpperg an die Württemberger, womit der herrschaftliche Name
erlischt, für Schloss und Stadt jedoch fortbesteht.
Die orthographische Verunsicherung wird auch hier in allen erhaltenen
Urkunden deutlich. Nach „Wilpberg“ und „Wilpperg“ erscheint
dennoch neben „Wiltberg“ und „Wildberg“ immer wieder die Urform Wilberg.
Drei Epitaphien aus der Zeit des ausgehenden Mittelalters in der Martinuskirche
zu Wildberg mögen dies belegen:
1561
Bandinschrift:
GOTTES WORT BLEIBT IN EWIGKEIT BESTAHN
ANO DOMINI MDLXI AM
TAG ELISABETHAE STARB
DIE ERBAR UND
TUGENDSAME FRAU
ELISABETA KELERIN VON SCHWEBISCHE GMIND
MATHEI HELERS KELLERS ZU WILTBERG
EHELICHE HAUSFRAU
DER GOT AIN FRELLICHE UFERSTEHUNG GEB. AMEN
1573
ANNO DMINI 1573
DEN 23. TAG DES MONATS MAI UM 12 UHR VOR
MITTAG HET DER
ALMECHTIGE GOT AUS DISEM ZERGENGLICHEM
LEBEN UND JAMMERTAL ZU SEINEN GETLICHEN GNADEN SELIGLICH
ERFORDERT DEN EHRENFESTEN UND ACHTBAREN ALTEN MATHEUS
HELLER GEWESENEN KELLER ZU WILBERG DER AHLHI BEGRABEN
DEMSELBEN WELE SEIN GOTLICHE
ALMECHTIGKEIT SEIN
FREHLICHE AUFERSTEUNG MIT
ALLEN AUSERWELTEN VERLEIHEN
AMEN
1595
ANNO DOMINE 1595 DEN
25. TAG NOVEMBRIS UMB 12
UHR
VORMITTAG
HAT DER ALMECHTIGE
GOT AUS DISEM
ZERGENCKLICHEN LEBEN UND JAMMERTHAL ZU SEINEN GÖTTLICHEN
GNADEN SELIGLICHEN ERFORDERT DEN ERNHAFTEN UND
ACHTBAREN GEÖRG BEREN GEWESENEN BÜRGERMEISTER ZU
WILPERG DER ALLHIE BEGRABEN. DEN SELBEN WÖLLE SEIN
GÖTTLICH ALLMACHT EIN FRÖHLICHE UFERSTEHUNG MIT ALLEN
ANERWELTEN VERLEIHEN. AMEN.
Letztlich fährt man sich orthographisch fortan auf das stereotype „Wildberg“
ein (seit 1876 amtlich) und akzentuierte damit unsterblich die erklärende „viel
Wild in den Bergen“- oder „Wilde-Berge“-Theorie“. Das Schloss überdauert seine
bewegte Geschichte, wenn auch mit einigen Veränderungen - - bis
1945. Am 22. Februar dieses Jahres wird der unbewehrte Gebäudekomplex
grundlos von vier US-Ame-rikanischen Bombern angegriffen und zerstört. Es
beherbergte ein Müttergenesungsheim, 53 Menschen werden getötet.[4]
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Wilberg
in Unterfranken
Das Geschlecht derer von Wilberg in Unterfranken findet
sich im Jahr 1123 erstmals beurkundet, die Burg Wil(d)berg bei Sulzfeld /
Königshofen tritt 1164 als Besitztum des Mangoldus de Wilperc ins
Licht der Geschichte. (Heute Ruine).
1155, Akta: Gyso von Hildenburg übergab zum Heil seiner Seele sein Gut
in Frickenhusen mit der Advokatie und allem Zubehör, bebaut oder unbebaut durch
seine Stellvertreter Adalbert von Hildenburg und Berthold von Wilperc
der Kirche zu Wechterswinkel als ewiges Besitztum.
1233, Akta: „Graf Mangold von Wilberg“ überträgt dem 1231
gegründeten Kloster Himmelpforten zu Himmelstadt, südlich Karlstadt am Main,
einen Weinberg von 8 Morgen.
1243, Akta: „Graf Konrad von Wil(d)berg“ vermählt sich mit
Margarethe, der jüngsten Tochter des Grafen Poppo VII. von Henneberg (vordere
Rhön) und vermacht seiner Gemahlin das Städtchen Hofheim (als Morgengabe).
1246, Akta: Lugduni, November 22., Innozenz IV. gewährt dem „Grafen
Mangold von Wilperc“, Würzburger Bistums, und seinen
Söhnen Mangold und Marquard, dass sie ohne besonderen päpstlichen Befehl nicht
gebannt werden dürfen.
1246, Akta: August 19. Zu den mit Unterstützung des päpstlichen
Subdiakons „Hermann von Wilperc, Sohn des Grafen Mangold von Wilperc“
erhörten Fürbitten Weltlicher aus der Zeit bis zum Tode Heinrich Raspes zählen
die des Grafen Ulrich von Pfirt und des Grafen von Everstein und Waldeck (!) um
Aufnahme eines Paderborner Geistlichen als Stiftsherrn in Nigenkerken
(Neuenkirchen).
1298, Akta: „Graf Konrad von Wilberg“
verschenkt die Hälfte seines Schlosses Wil(d)berg dem Herren von Bundorf
(nördl. Hofheim). Nach dem Tod des Nachfolgers Konrad von Wil(d)berg im Jahr
1453 wird Hofheim Hennebergisch.
Es ist nicht ausgeschlossen, dass der Name
über das Bistum Würzburg in den nordwestdeutschen Raum einsickerte. (Vergl.
Everstein u. Waldeck, 1246). Die romanische Burg Wil(d)berg (auch Wildenberg)
derer von Wilberg bei Ulsenheim, östl. Uffenheim in Mittelfranken, eine
Hauptburg der staufischen Epoche, beherrschten einst (um 1271) u. a. die Herren
von Durne. Hier soll Wolfram von Eschenbach einen Teil seines „Parzival“-Epos
verfasst haben. Die Burg wurde im Bauernkrieg 1525 zerstört, weinige
architektonisch eindrucksvolle Reste zeugen von einstiger Größe.
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Wilberg in
der Rheinpfalz
Auch im Rhein-Moselland liegt der Ursprung derer von Wilberg (auch
Wiltburg oder Wildberg) und ihrer Stammburg im Soonwald bei Kloster Ravengiersburg
im Dunkeln. Erst 1239 siegelt Volker von Wiltberg eine Urkunde,
die dem Kloster die Freiheiten seines Klosterhofs in Enkirch sichert. Im Jahr
1241, am 23. Oktober, sind es Volker von Wilberg und sein Bruder,
Ritter (castellani) Philipp, die eine Urkunde unterzeichnen. 1333 werden die
Brüder Haugh und Johann von Wil(t)berg vom Grafen Johann III. von
Sponheim-Starkenberg mit Gütern in Enkirch belehnt. Man nimmt an, dass es sich
um die Erneuerung eines bereits bestehenden Lehens handelte. Das Lehngut zu
Enkirch wird laut Vertrag 1389 am Fest Beate Remigi unter den Brüdern Heinrich
und Johann von Wilberg geteilt.
Spätestens zur
Zeit der Reformation beginnt das Geschlecht zu verarmen. 1549 ist „Freyherr“ Heinrich
von Wil(d)berg Amtmann in Münstermaifeld und sein Bruder Nicolaus
besitzt ein „großes adliches Haus“ in Enkirch, Haugh dagegen behält Alken. Es
handel sich offenbar um drei Söhne des Hans von Wilberg, der laut
Epithaphinschrift in Enkirch 1572 stirbt, (siehe unten).
Die alte
evangelische Kirche von Enkirch (urkundl.von 908) an der Mosel nördl.
Traben-Trarbach war einst die Grablege der Herren von Wilberg,
die dort auf einigen Epithaphien ihr Wappen und Inschriften aus dem 16.
Jahrhundert hinterließen. Sie sind zum Teil in das Landesmuseum Bonn überführt
worden.
1538
ANNO MDXXXVIII DEN 16. DAG FEBRUARII IST GESTORBEN DER
ERNFEST JUNCKER HANS VON WILTBURG
HERR ZU ARENDAL
DER SEELEN GOTT GENA
1553
ANNO MDLIII AUF DEM SUNDAG OCULI ZU MITTAG IST IN GOTT
VERSCHIEDEN DIE EDLE TUGENDSAME FRAU VERONICA VON
WILDBURG GEBORENE VON PRAUBACH DER SEEL
GOT IN
EWIGKEIT GENAT
1572
ANNO DOMINI MDLXXII DEN ERSTEN DAG
DES MONATS OCTOBRIS
IST IN GOT VERSTORBEN UND ALLHIER BEGRABEN DER EDEL
UND EHRNFEST HANS VON WILBERG SEINES ALTERS
57 JAR
DESSEN SEELEN DER HERR GNADIG UND BARMHERZIG SEIN
WILL. ANNO 1679 IST DAS
EPITAPHIUM AUFGERICHT
Über der Kanzel befindet sich ein Totenschild mit Wappen und Inschrift
für
Hans,
dem Alten von Wiltburg.
Die Burg verfällt. Im Jahr 1783 heißt es in einem Kellereibuch von
Trarbach, „der Freyherr von Wiltberg zu Coblenz (!) … besitzt einen
sehr beträchtlichen Hof dahier, wozu viel Renten von Leibeigenen, Zehenden und
Güthern aus der Nachbarschaft kommen und worüber zu allen Zeiten ein eigener
Amtskeller bestellt ist.“ Im Jahr 1832 verlieren die Freiherren von
Wil(d)berg ihre restlichen Güter und werden bürgerlich. [5]
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Wilberg in Brandenburg
Wil(d)berg, Burg (Zeit unbekannt) und Dorf aus dem 14. Jahrhundert
südwestlich von Neuruppin im Temnitztal. Bis 16. Jahrhundert adlige Familie von
Wilberg. Burg Wil(d)berg archäologisch nachgewiesen seit 1874, ergraben
wurden u.a. die Grundmauern eines quadratischen Turms.
Auf
Burg Ziesar (948: „civitas ezeri“), seit 1214 Brandenburgische
Bischofsresidenz, sollen, nach Heinrich Pridik, die von Wilberg als Burgvögte gedient
haben. Adel erloschen, der Name lebt im
bürgerlichen Stand fort.
Wil(d)berg, Dorf westlich
Altentreptow, seit 1249 dokumentiert. Kein Adel nachgewiesen. Besonderheit:
Kirchturm aus dem Spätmittelalter in Fachwerk und verbrettert.
*
In der karolingischen wie auch in der
nachkarolingischen Epoche ist es also den Wilbergs gelungen, sich auf dem Weg
nach Norden bestimmte, wenn auch relativ bescheidene Ressourcen zu sichern und
bis in die Zeit des Ersten deutschen Reiches zu behaupten. Über Ministeriale
und Patrizier bis hin zu Bürgern und Großbauern setzt sich die Namenstradition
fort, bleibt jedoch konzentrisch weitgehend auf kulturelle Reliktgebiete im
westlichen Deutschland beschränkt. Mundartliche Entstellungen sind im
kulturgeographisch zerrissenen „Reich“ hinzunehmen, richten jedoch kaum Schaden
an. Zu hartnäckig hat sich die vertraute, da uralte, in der indogermanischen
Sprachtradition wurzelnden Dyade (Zweigliedrigkeit) von Personennamen nicht nur
behauptet, sondern auch als Zweit- oder Familienname etabliert und erhält, auf
Hof- und Ortsbezeichnungen übergehend, sein ursprüngliches Denotat (begriffl.
Inhalt) als Toponym zurück. Zudem lässt sich der Name zur Unterscheidung der
Geschlechter als feminines „nomen proprium“ (Eigenname) spezifizieren und
taucht als „Wilburga“, „Wilburgis“, „Wilbergis“ oder „Wilberga“ urkundlich
neben dem „nomen gentilicum“ (Zweit- oder Familienname) bereits im hohen Mittelalter
auf. Erst sehr spät, am Ende des 18. Jahrhundertes, überzeugt der Gebrauch
eines Familiennamens auch die friesischen Bewohner der Nordseeküste und endlich
erreicht „Wilberg“ auch den Süden Norwegens, wo der Name gelegentlich in
„Vilborg“ oder „Vilboerg“ übersetzt wird. Das mehrheitliche Vorkommen der
Urform „Wilberg“ daselbst bezeugt jedoch, dass er, obgleich typologisch leicht
als germanisch verortet, in Skandinavien nicht ursprüglich ist.[6]
Im mitteldeutschen Sprachraum, an der
Unterelbe und schließlich auch ostelbisch konstatiert man nur eine
dünnschichtige Streuung des Namens zwischen Thüringerwald und Ostsee, die wohl
schwerlich eine Hinterlassenschaft des frühzeitig erloschenen Wilberg -Adels
in Brandenburg darstellt. Vielmehr wird die christliche Ostkolonisation mit
ihren zahlreichen Einzelhöfen und ihrer Berührung mit der slavischen Kultur für
diese Erscheinung verantwortlich sein. Eine Slavisierung des Namens ist jedoch
kaum erkennbar, die geistigen Kräfte missionarischen Eifers setzen sich
deutschsprachig durch und die Kirche bietet ausreichend Gelegenheit, den
Kolonisten nicht nur Höfe, sondern ihren Interessen gemäße, daher höchst
notwendige Bildungsmöglichkeiten über die ehrbare Geistlichkeit zu vermitteln.
In Mittel- und Ostdeutschland sind
nachreformatorisch „Wilbergs“ auffallend häufig als Küster, Organisten,
Prediger, später auch Maler bezeugt und schließlich, „neuzeitlich“, als Lehrer,
einem derzeit noch unausgereiften „Beruf“. Hier greift nun auch das preußische
Staatswesen ein und sucht durch noch im Entwicklungsprozess befindliche
Institutionen intensiv die allgemeine Bildung zu fördern. Geeignete
Persönlichkeiten rekrutieren sich mehrheitlich aus dem oben genannten Umfeld,
oft gar aus deren Unterschichten (Küster, Kirchendechen).
Folgende Auswahl biographischer
Skizzen vermittelt beeindruckend den damit einhergehenden mühsamen sozialen
Aufstieg einiger Persönlichkeiten des Namens Wilberg sowie ihr pädagogisches
und künstlerisches Wirken.
Wilberg, die Lehrerdynastie,
Bildungsengagement
zwischen Absolutismus und Aufklärung:
Wilberg, Johann Friedrich, Reformpädagoge, geboren am 5.
November 1766 im brandenburgischen Ziesar als Sohn eines preußischen
Unterbeamten, wuchs in armen dörflichen Verhältnissen auf und seine
Schulbildung war weitgehend autodidaktisch geprägt. In der Schlacht bei Torgau
(3. 11. 1760) verwundet, konnte Vater Sebastian Wilberg (geb. 9.8.1741 in
Karow) seine vierköpfige Familie nie ausreichend versorgen, so dass Johann
Friedrich zum Großvater, dem Kantor und Küster – in welcher Eigenschaft er auch
„Schule zu halten hatte“ – Leopold Wilberg in das benachbarte Dorf Karow
gegeben wurde. Die Lebenswelt um Dorfschule und Kirche sollte seinen künftigen
Werdegang entscheidend prägen. „Der religiöse Sinn“, so schreibt er
später, „ist das eigentliche Unterscheidungsmerkmal des Menschen
(gegenüber anderen Wesen), worauf sich ein festes Gebäude der Bildung, des
Verstandes und des Wissens aufrichten lässt.“
Eine Anstellung des Vaters bei der
Bauverwaltung führt ihn 1778 mit der Familie für kurze Zeit nach Potsdam, aber
die kleine Besoldung kann die Armut kaum lindern, so dass die Mutter „mit
Spinnen des Flachses“ aushelfen muss. Die Schule in Potsdam wird von einem „schön
gebildeten Soldaten“ (!) gehalten, wobei er zwar „gar zierlich schreiben“
lernt, aber auch erfährt, dass „in der Schule der Stock der Präzeptor
klassikus, die Ruthe Kulturmaschine, und Feigen einer gewissen Art ausgetheilt
wurden, ohne dass jemand verlegen darum war“.
Mit Ausbruch des bayerischen Erbfolgekriegs 1778 wird das „Königliche
Baukomtoir“ in Potsdam aufgelöst und Sebastian Wilberg mit dem „Kriegskommissariat“
nach Sachsen verlegt. Infolge seiner alten Beinverletzungen - im Lazarett von
Torgau vergeblich behandelt - stirbt er dort, wo er vor 18 Jahren gekämpft
hatte.
Johann
Friedrichs Mutter kehrt zurück nach Potsdam, während er selbst wieder nach
Karow geschickt wird, wo derweil ein Bruder seines Vaters als Hilfslehrer
angestellt ist. Durch Bekanntschaft mit der Grundherrin Gräfin von Wartensleben
bekommt er „manches nützliche Buch in die Hand“, erhält Unterricht beim
Ortspfarrer und wird am 25. März (1781?) konfirmiert. Familienzwist treibt ihn
wieder in die Armut seiner Mutter, worauf er sich „wohl sechs Wochen über
siebzig Meilen“ auf die Suche nach einer Lehrstelle und einer neuen Bleibe
begibt. Ein Bekannter seiner Großmuter in Karow, der Seifensieder Bredow, nimmt
ihn schließlich mit nach Brandenburg und vermittelt ihn als Schneiderlehrling
bei Meister Lake. Hier gefällt ihm weniger das Schneiderhandwerk, als vielmehr
die Bekanntschaft im Hause des Meisters verkehrender Personen „gehobenen
Standes“ und die Lektüre von „Heinrich Stillings Jünglingsjahre und Wanderschaft“.
Bildungsbedarf durch die einen und Trost durch das Schicksal Johann Heinrich
Jung-Stillings, das dem seinen zu gleichen scheint, motivieren seine
Zukunftshoffnungen als Philologe oder Theologe. Aber die Saldernsche
Gelehrtenschule zu Brandenburg bleibt ihm verschlossen, auf der Lafette einer
Kanone sitzend betreibt er oft im Freien neben der Arbeitszeit Selbstbelehrung
durch Lesestoff, den er endlich aus eigenen Mitteln erwerben oder ausleihen
kann. Da ihm als Autodidakt der erträumte Zugang zur Haller Universität versagt
bleibt, erteilt er den Handwerksburschen Unterricht im Lesen und Schreiben.
In
beruflicher Angelegenheit als Schneider zum Prediger nach Krahne gesandt,
erkennt Pater Rudolph schnell das Talent des jungen Mannes und erwirkt seine
Aufnahme in die Schule des Domherrn von Rochow im benachbarten Gut Reckahn.
Hier hatte erst wenige Jahre zuvor der Agrar- und Bildungsreformer Friedrich
Eberhard von Rochow (1734-1805) auf seinem Gut mit der Entwicklung eines
geeigneten Schulsystems mit aufgefächertem Lehrprogramm für die Landjugend
begonnen, dazu ein eigenes zweiklassiges Schulhaus bauen lassen und sich u. a.
der Mitarbeit des Pädagogen Heinrich Julius Bruns versichert. Eberhard von
Rochows erfolgreiche Arbeit wurde schnell zum Vorbild für ähnliche Projekte in
Preußen.
Des
Schneiderberufs ledig, besucht Johann Friedrich Wilberg von Dezember 1788 bis
Mai 1789 die damals angesehene Schule des Herrn von Rochow und lernt besonders
die Methode des Heinrich Julius Bruns schätzen. Beide „väterlichen Freunde“
empfehlen ihn bereits im Frühjahr dem Lehrerseminar zu Berlin. Hier geht er
selbstbewusst gern seine eigenen Wege und hospitiert an verschiedenen Schulen
Berlins, was nicht immer den Vorstellungen der Seminarleitung entspricht, zumal
er sich erdreistet, das Ausbildungsverfahren zu kritisieren. Doch anstelle ihn
zu tadeln, bietet man ihm nach tagelanger, scheinbar besonders harter Prüfung
eine Lehrerstelle an: In Bialystock oder Westfalen. Ob ersterer Ort ernsthaft
in Aussicht genommen war, bleibt
dahingestellt, Wilberg entscheidet sich für Westfalen. Dort hatte ein Vetter
von Rochows, Graf von der Recke, zu Overdiek in Hamme bei Bochum eine
„Armenschule“ (kostenlose Elementarschule) nach dem Vorbild Reckahns gestiftet
und um einen Lehrer aus dem preußischen Berlin nachgesucht. Vertrag und Gehalt
eines Quartals ab 1. Oktober 1789 liegen bereits vor. Nochmals besucht Wilberg
kurzfristig die Schule zu Reckahn, nimmt Abschied von Freunden und Bekannten in
Krahne und Brandenburg, von seiner Mutter in Potsdam, die er nicht mehr wieder
sehen sollte, von den Verwandten in Karow und besteigt „in den ersten Tagen
des Dezembers abends“ in seinem Geburtsort Ziesar die Postkutsche nach
Westen.[7]
(Fortsetzung: siehe Wilberg in Westfalen)
*
Der Pädagoge, Historiker, Numismatiker, Heimatkundler und
Genealoge:
Wilberg,
Prof. Max, geb. 1869, am 8. Juni in Frankfurt an der Oder als Sohn des Pädagogen
und Schriftstellers NN Wilberg, studierte nach dem Gymnasialabschluss in
Marburg und Berlin Deutsch und Geschichte (Althistoriker) und kehrte 1902 als
„Kandidat des höheren Lehramtes“ nach Frankfurt/Oder zurück. Dem dortigen
„Königlichen Friedrichs-Gymnasium“ blieb er 31 Jahre als Studienrat
verpflichtet. Als Mitglied des „Historischen Vereins für Heimatkunde“ in
Frankfurt widmete er sich leidenschaftlich der Numismatik, der Heimatforschung
und der Genealogie. Wilberg lebte mit seiner verwitweten Mutter und heiratete
erst nach deren Tod. Aber auch seine Ehefrau verstarb früh. Wilberg ersuchte um
Aufnahme in die Freimaurerloge „Zum aufrichtigen Herzen“ und durchschritt alle
Stufen vom „Lehrling“ bis zum „zugeordneten Meister vom Stuhl“. Als Historiker
schrieb er über die Geschichte der Freimaurerei und über Numismatik oder hielt
historische und heimatkundliche Vorträge. Auch als Übersetzer altrömischer
Lustspiele war der Theaterfreund bekannt. Im Jahr 1915 wurde Max Wilberg wegen
seiner herausragenden Verdienste um die Förderung des Schulwesens der
Professorentitel „mit dem Rang der Räte 4. Klasse“ verliehen.
Bis in unsere
Zeit häufig wieder aufgelegt oder nachgedruckt wurde sein Werk
„Regenten-Tabellen“, das Max Wilberg ursprünglich nur für seinen Privatgebrauch
als Genealoge angelegt hatte. Es erschien erstmals 1906. „Dieses universelle
Quellenwerk ist bisher unübertroffen in seiner umfassenden und präzisen
Darstellung. Geographisch und chronologisch gegliedert beginnt diese einmalige
Genealogie im Jahr 3892 vor der christl. Zeitrechnung und endet mit dem Beginn
des 20. Jahrhunderts. Auch geistliche Fürstentümer werden berücksichtigt. Zu
den aufgeführten Dynastien sind auch deren Nebenlinien erfasst um einen
vollständigen Überblick zu gewährleisten.“ So und ähnlich gepriesen ist
diese bis heute singuläre Arbeit „als zuverlässiges Nachschlagewerk für
Historiker und Genealogen“ aktuell geblieben. Max Wilberg widmete
das Werk dem Fürsten Leopold IV. zu
Lippe (1905 – 1918), der ihn mit dem Orden für Kunst und
Wissenschaft „Lippische Rose im Ring“ auszeichnete. (Kursiv: Gerrit Friese).
Für
Kommentatoren und Rezensenten bleibt es indessen ungeklärt, was Professor Max Wilberg
mit dem Haus Lippe verband. Weniger rätselhaft scheint diese Frage vielleicht,
wenn man darüber in Kenntnis gesetzt wird, dass nachweislich seit dem 14.
Jahrhundert im ehemaligen Fürstentum Lippe eine Ortschaft Wilberg existiert und
eine gleichnamige Familie seit dem 16. Jahrhundert hier ansässig ist, was dem
Heimatkundler und Genealogen Max Wilberg durchaus bekannt gewesen sein dürfte.[8]
Professor Max
Wilberg schied im Jahr 1932 aus dem Schuldienst aus und starb zwei Jahre
darauf, am 14. Juni 1934 in Frankfurt/Oder. Im Nachruf schreibt die Frankfurter
Oder-Zeitung: „Sein gütiger Blick, sein fester Händedruck, der warme Ton seiner
Stimme werden den Lebenden unvergesslich sein. Er war stadtbekannt und
beliebt“.
*
Der
Reformpädagoge
Wil(d)berg, Johann Friedrich
Wilhelm, geboren am 20. Februar 1764 in
Parchen, gest. am 16. November 1835 in Parey, erhielt den ersten Unterricht
durch seinen Vater, den Kontor Johann Wil(d)berg, und den Pfarrer Daniel
Heinrich Pargold in Parchen. Ab 1776 besuchte Wilberg Schulen in Burg
(Sachsen-Anhalt) und seit 1779 in Brandenburg. Seine Rekrutierung verhinderte
die Aufnahme eines Studiums. Nicht geeignet als Soldat, war er zunächst von
1783 bis 1793 Hauslehrer bei der Familie Marschall von Bieberstein in
Magdeburg, danach bis 1835 Kantor in Parey (Elbe). Er befreite sein Lehramt von
niederen Küsterdiensten, stellte einen Hilfslehrer auf eigenen Kosten ein,
teilte die Schülerschaft ab 4. Januar 1795, also bereits zwei Jahre vor der
königlichen Verordnung, nach den Fähigkeiten der Kinder in eine erste und
zweite Klasse. Die Einführung des Buches „Der Kinderfreund“ von Friedrich
Eberhard von Rochow und anderer Schulbücher sowie des Unterrichts der Realien
in den Dorfschulen brachten ihm den Ruf eines Neuerers ein. Er entwickelte eine
eigene Unterrichtsmethodik und vermittelte diese an die Lehrer seines
Schulkreises, stiftete die Bibliothek für eine pädagogische Arbeitsgemeinschaft
und war Leiter einer der Schullehrergesellschaften des Burgschen Schulbezirks.
1810 unterbreitete er einen letztlich nicht bestätigten Vorschlag zur Ernennung
von Schulinspektoren für je 12 bis 16 Dorfschulen, die nicht den niederen
Gerichtsbehörden, sondern dem Superintendenten unterstehen sollten.[9]
*
Der
Maler historischer Landschaften:
Wilberg, Christian Johannes, geboren 1839, am 20. November
in Havelberg, Sachsen-Anhalt (in Grenznähe zu Brandenburg), erlernte zunächst
das Maler- und Tapeziererhandwerk, trat dann aber 1861 in das Atelier des
Landschaftsmalers Georg Friedrich Pape in Berlin ein. Hier ließ er sich über anderthalb
Jahre ausbilden um dann in der Werkstatt des Architektur- und
Dekorationsspezialisten Paul Gropius Perspektive und Landschaftsmalerei zu studieren.
Hier fiel auch seine besondere Begabung für Architekturdarstellungen auf. 1870
wechselte Wilberg nach Düsseldorf und vollendete seine Ausbildung bei Oswald
Achenbach. Von Ausflügen nach Norddeutschland brachte er Ölskizzen, Zeichnungen
und Aquarelle mit. Wie die meisten Künstler seiner Zeit erfüllte er sich den
Wunsch eines Italienaufenthalts und unter südlichem Licht entstanden erste
Darstellungen von Ansichten Venedigs und der Innenarchitektur des Markus-Doms
mit verblüffender Widergabe von architektonischen Details und ihres Materials,
sei es Marmor, Sandstein, Holz oder Mosaiken mit Goldbesatz. Er gelangte nach
Rom und Palermo, wo u.a. das Gemälde der „Capella Palatina“ entstand. Die
mystische Dämmerung prachtvoller Innenräume von Domen und Kirchen wusste er mit
meisterhafter Führung des durch die Fenster einfallenden Tageslichts in
überweltliche Sphären zu versetzen.
Erst nach zwei Jahren kehrte er in die Heimat zurück und wurde 1874 in Berlin
ansässig, von wo aus aber immer wieder Italienreisen unternommen wurden.
Eine Verehrerin seiner Kunst fand er in der selbst malenden
Kronprinzessin Viktoria, Gemahlin des Kronprinzen Friedrich Wilhelm von
Preußen, später Kaiser Friedrich III. Zweifellos beeinflusste Christian
Wilberg die „Künstlerin Kaiserin Friedrich“ und hielt sich oft in ihren
Kreisen auf, sowohl in Berlin als auch in Italien. Dort entstanden römische
Landschaften, herausragend die „Grotte der Egeria“, „Agrigent mit Hera-Tempel“
(Sizilien, Tempio di Hera, 550 v.Chr., irrtümlich als Junotempel bezeichnet),
das „Forum Romanum“ und „Momento mori“, ein Motiv aus den Sabinerbergen, heute
im Besitz der Dresdener Gemäldegalerie. Der Künstler betätigte sich nicht nur
als Lehrer seiner kaiserlichen Hoheit Viktoria, seit 1. März 1877 vertrat er
Prof. Albert Hertel als Leiter der Landschaftsklasse an der Berliner Akademie
der Künste, die ihm ab 1. April 1878 in alleiniger Verantwortung übertragen
wurde.
Als
herausragender Kenner der antiken Architektur begleitete er 1879 den Direktor
der Berliner Antikensammlung Prof. Alexander Christian Leopold Conze nach
Pergamon, wo dieser 1888 mit Carl Humann systematische Grabungen begonnen hatte
und den großen Altarfries freilegen konnte (heute fragmentarisch in Berlin).
Wilberg fertigte zahlreiche Zeichnungen und Skizzen zu den Gemälden „Blick auf
die Akropolis“ und „Ansicht der Basilika zu Pergamon“ an und fixierte
Situationen des Grabungszustands. Es ist nicht ausgeschlossen, dass der Maler
bei dieser Gelegenheit mit Conze auch die archäologischen Untersuchungen in
Troja begleitete, wo der Berliner Architekt Wilhelm Dörpfeld Heinrich
Schliemanns Arbeit fortsetzte. Dörpfeld unterstützte Conze auch mit seinen
neuen Grabungsmethoden in Pergamon. Der 1902 herausgegebene Plan der
Grabungsschichten Trojas wurde nach Vermessungen von W. Dörpfelds von seinem
Mitarbeiter, dem Architekten und Archäologen Dr. Wilhelm Wilberg, Sohn
des Buchhändlers und deutschen Konsuls in Athen Karl Wilberg gezeichnet. (s.u.)
Die
umfassende Kenntnis antiker Architekturdenkmäler ermöglichten es Wilberg auch
frei erfundene Motive zu gestalten, wie etwa römische Bauten, die er für die
Fresken im Berliner Café Bauer oder die im Hof des Palais Tiele-Winkler – wo
der Kaiser oft zu speisen pflegte - und des Pringheimschen Hauses in Berlin
schuf. Durch ein „Panorama des Golfs von Neapel“ für die Fischereiausstellung
im Jahr 1880 wurde sein Name weithin bekannt. Für die Aula der königlich
technischen Hochschule zu Charlottenburg entwarf er 1881 die Vorlagen zu fünf
Lünetten, in denen er die bekanntesten Bauwerke verschiedener Stilepochen in
landschaftlicher Umgebung schildert. Das große Panorama der Thermen des
Caracalla zu Rom für die Hygieneausstellung in Berlin 1883 sollte nicht nur
unerwartet sein letztes Werk sein, es wurde zudem bei dem Brand des
Präsentationsgebäudes vom 12. Mai 1882 völlig zerstört. Nur einige Zeichnungen
und Skizzen konnten gerettet werden. Für das geplante Historienbild „Die
Schlacht von Sedan“ den Originalschauplatz zu skizzieren, reiste Christian
Wilberg schon wenige Tage darauf mit Historienmaler Anton von Werner und dem
Zeichner und Kunstkritiker Ludwig Pietsch vom Verein Berliner Künstler nach
Frankreich, besuchte aber zunächst Paris, wo er plötzlich erkrankte und zwei
Tage darauf, am 3. Juni 1882 verstarb.
Zum Gedenken
des Malers Christian Johannes Wilberg veranstaltete die Nationalgalerie
Berlin im Oktober und November des Jahres 1882 eine Sonderausstellung mit
insgesamt 677 Werken. Das Gemälde „Villa Mondagrone bei Frascati“ erwarb die
Berliner Galerie mit einer Anzahl Aquarellen, Ölskizzen und Zeichnungen, eine
großformatige „Griechische Landschaft“ (178 x 277) sicherte sich mit Hilfe des
Heineschen Vermächtnisses die Kunsthalle Hamburg. Die Entwürfe der
Charlottenburger Lünettenbilder blieben im Besitz der Berliner
Kunstsammlungen.
*
Der volkstümliche Genremaler:
Wilberg,
Ludwig Martin, geboren 11. 10. 1853 in
Havelberg (Vetter des Christian J. Wilberg, s.o.), Maler. Ludwig Martin Wilberg
war Schüler der Professoren Gussow, Baur und Verlat an der Akademie der Künste
in Weimar, später an der Berliner Kunstakademie. Von 1880 bis 1883 lehrte er
selbst an der Akademie zu Leipzig und wurde anschließend Leiter des
Kunstgewerbemuseums in Berlin. Wilberg lebte in Neubabelsberg bei Potsdam und
starb dort im Jahr 1912.
Im Gegensatz
zu Christian Wilbergs vom südländischen Licht beeinflussten leuchtendem Kolorit
historischer Landschaften, neigte Martin L. Wilberg zum niederländischen
Interieur-Stil des 17. Jahrhunderts mit leichter Tendenz zu Jan Vermeer van
Delft, blieb aber der Romantik verpflichtet, wie Vermeer diese voraus nahm. Er
bevorzugte volkstümliche Motive mit Dominanz des ästhetisch Gefälligen.
*
Wilberg in Westfalen
„Zu praktizieren ist eine Autorität,
die gleich fern ist vom Sklavensinn und
von der Freiheit, die an Frechheit
gränzt.“ (J. F. Wilberg)
Wilberg, Dr.
Johann Friedrich, geboren am 5. November 1766 in Ziesar, wird nach
seiner Ausbildung in Reckahn und Berlin als Lehrer an die neue „Dorfschule“ in
Overdiek/Hamme – heute Stadtteil von Bochum – berufen. (Vergl. oben: Wilberg
in Brandenburg). Das Schulhaus ist noch nicht vollendet, so dass der
erste Unterricht im Hause Overdiek, dem Sitz des Stifters der Schule, Graf von
der Recke, stattfinden muss. Im Zuge der allgemeinen preußischen Schulförderung
ist von der Recke dem Beispiel seines Vetters in Reckahn (Brandenburg) gefolgt
und stiftete mit Approbation König Friedrich Wilhelm II. in der preußischen
Grafschaft Mark ein Landschulhaus mitsamt dem Gehalt eines Lehrers, „so daß
die Eltern den Schulunterricht für ihre Kinder ganz frei hatten.“ Die
Schulgeldfreiheit verführte anfangs zu der polemischen Bezeichnung
„Armenschule“.
Es gibt für
Wilberg diverse schmerzliche Erfahrungen zu meistern, etwa die für ihn
unverständliche westfälische Mundart (Plattdeutsch) der Landjugend oder das
Misstrauen der hiesigen Bauern und spürbare Desinteresse der Eltern gegenüber
dem Schulwesen. Hinzu kommt das Fremdartige der Umgebung. Dem ungeachtet
entwickelt Wilberg unermüdlich sein Bildungsprogramm mit geeignetem
Lehrmaterial durch Beobachtung der unterschiedlichen Begabungen und Defizite in
der Ausdrucksfähigkeit seiner Landkinder im Alter von ca. 8 bis 16 Jahren, für
die lediglich zwei Klassen zur Verfügung stehen. Sein Hauptanliegen aber ist
es, über das gewöhnliche Schreiben, Rechnen und Lesen mit dem einzigen
Lesestoff, der Bibel, hinaus, das Lehrprogramm der „Elementarschule“ umfassend
zu erweitern. Geometrie, Geographie, Geschichte, Natur- und Heimatkunde aber
sind als „blähender Dünkel“ und „törichter Wissensübermut“
unbeliebt. Gegen alle Widerstände versteht es Wilberg sich durchzusetzen und
der bald spürbare Erfolg ruft den Regierungspräsidenten von Rohr auf den Plan
mit dem Ergebnis, dass Lehrer aus anderen Ortschaften aufgefordert werden, in
der Schule von der Reckes bei Wilberg zu hospitieren, was den Grafen von der
Recke schließlich veranlasst, eine „Gesellschaft der Lehrer und
Kinderfreunde“ als Träger der „Schulmeisterschule“ in Hamme ins
Leben zu rufen.
Kritisch
sieht Johann Friedrich Wilberg die zu jener Zeit um sich greifenden
Revolutionsparolen mit deren blutigen Ausschreitungen in Frankreich, nicht
zuletzt angesichts ihrer Auswirkungen auf den Schulunterricht:
„Der
sogenannte Zeitgeist, den die französische Revolution erzeugt hatte,
verbreitete sich schnell. Freiheit und Gleichheit, das Losungswort der Zeit,
ertönte überall. Man sprach, nicht daß der aus armen Stande gehoben, sondern
daß der Hohe herabgesetzt und so die Gleichheit herbeigeführt werden müsse; man
sprach von Rechten, ohne der Pflichten zu gedenken, dehnte jene für sich aus,
um desto mehr Anspruch an Besitz und Genuß der Art und der Zahl nach machen zu
können, und nannte es strafbare Kränkung und Beeinträchtigung der
Menschenrechte, wenn man jene Willkürlichkeiten nicht gelten lassen, nicht gut
heißen wollte.“
Am 18. Juli 1797 heiratet Johann Friedrich Wilberg in Hamme
Johanna Luberg[10] aus
Herdecke an der Ruhr. „Als sein kleines Hauswesen den Bedürfnissen gemäß und
freundlich eingerichtet war, dachte er darauf, seinen eigenen Hausstand zu
gründen“, schreibt Wilberg in der dritten Person und verweist bescheiden
auf sein ausreichendes Einkommen, von dem er gern seiner „Lieblingsneigung“
folgend, der Armenkasse mit profitieren lässt bis hin zu eigener Verschuldung.
Ein Jahr nach der Vermählung, am 19. Juli 1798, wird sein Sohn Friedrich
Wilhelm in Hamme geboren.
Hatte Wilberg
bisher allen – wenn auch besser dotierten – Angeboten schulischer Einrichtungen
benachbarter Städte zugunsten seines Freundes und Gönners von der Recke
widerstanden, so häufen sich bald unangenehme Situationen und Widerstände, die
ihn veranlassen, eine ihm von Elberfelder Verehrern angetragene und seinen
besonderen Neigungen entsprechende „Stelle als Lehrer und Inspektor“ der
dortigen gemeinnützigen Armenanstalt und deren Internat anzunehmen. So wie er
im Frühjahr 1802 vom Haus Overdiek und Freunden in Hamme mit Bedauern
verabschiedet wird, so empfängt man ihn in Elberfeld mit hohen Erwartungen und
Vorschußsympathien. Im Juli des Jahres findet die Einweihung der von Kaufleuten
gestifteten Schule statt, deren Aufgabe es ist, Hilfsbedürftige zu unterrichten
und die Integration in sozial gesicherte Verhältnisse zu fördern. Nach dem
damaligen frühliberalistischen Gesellschaftskonzept hielt man die Armut für
einen Tatbestand des subjektiven Unvermögens, das mit der schwunghaften
Industrialisierung besonders in Erscheinung trat. Wilberg erkennt früh den
Irrtum der in Rede stehenden revolutionären Umgestaltung des „feudalistischen
Gesellschaftssystems“ u.a. etwa durch Abschaffung der Religion, wie denn
überhaupt des suggestiven Traums von der Gleichschaltung aller Menschen als Konfliktprävention und setzt
stattdessen auf Intensivierung der Allgemeinbildung und
Aufwertung des sozialstrukturellen Niveaus.
Bildungsprogramme für Minderbemittelte auf der Basis
christlich-religiöser Ethik, somit der „Religionslehre“, sind für ihn
unverzichtbar. Wilberg nimmt im Ansatz vorweg, was bald darauf Johann Hinrich
Wichern im „Rauen Haus“ zu Hamburg umsetzt.
Erscheinen
auch die „zur Empfehlung der Schule“ eingeladenen honorablen
Persönlichkeiten der Stadt nicht, so rettet Wilberg die Eröffnungsfeierlichkeiten
mit eigener Rede und Selbsteinsetzung in sein neues Amt im Vertrauen auf Gottes
Hilfe. Dergestalt gesellschaftlicher Dünkel motiviert dagegen sein „reges
Streben“, dem Armenwesen in Elberfeld umso engagierter entgegen zu treten.
Als Inspektor der Armenverwaltung bereits hinreichend belastet, obliegt ihm
zudem der Unterricht im Armeninternat sowie in der Elementar- und neuen
Bürgerschule. In schneller Erkenntnis des Mangels, bestellt er Hilfslehrer
jeden Samstag zu sich, um mit ihnen
über „Lehrmethoden, Lehrmaterial, Schulerziehung und Lehrerklugheit“
zu debattieren. Gespräche über Tagesereignisse sind nicht erwünscht. Über diese
„Lehrerkonferenzen“ in Elberfeld gut unterrichtet, lässt sich der Pädagoge
Adolph Wilhelm Diesterweg (1790-1866) vernehmen, dass manche Ideen in ihm
geweckt und „Wilberg ihm Lehrer gewesen sei“. In Religionsfragen aber
dürften sie sich nicht ganz einig gewesen sein. Diesterweg lehrte zeitweilig in Elberfeld und war seit 1820
Seminardirektor in Moers, 1832 in Berlin.
Auch in
Elberfeld bleibt Wilberg von Missgunst und übler Nachrede nicht verschont,
obwohl er sich der Protektion einflussreicher Kaufleute sicher sein darf. Für
manche unverzeihlich ist seine Missachtung gesellschaftlicher Umgangsformen, er
wisse sich nicht zu benehmen, sei unhöflich und unbescheiden. „Jeder Bürger
sei überzeugt“, so wird ihm hinterbracht, „er, Wilberg, habe der Stadt
die Schulen aufgebürdet, dadurch der Kommune eine bedeutende jährliche Ausgabe
verursacht, sei Schuld an der Schulsteuer und dem Schuljammer der Eltern und
Lehrer“. Aber es handelt sich um Personen, „die eher zu Geld als zu
Verstand gekommen sind“, kontert Wilberg lapidar. „Der Weisheit
Anfang ist, gegen vieles anzuklagen, der Weisheit Ende ist: sich mit Allem zu
vertragen.“ Er findet Gönner und Freunde, mit deren Unterstützung seine
Pläne zur Erweiterung des Schulprogramms und der Armenversorgung Gestalt
annehmen, von der Einrichtung einer Witwen- und Waisenkasse (!), von der Schul-
und Armenspeisung bis hin zum Aufbau einer „Vorschule für Lehrlinge des
bürgerlichen Berufs“, die sich als „Berufsschule“ auf Dauer durchsetzte.
Zudem konzipiert Wilberg bereits das Modell einer „Kinderbewahranstalt“
für Vorschulkinder als Vorläufer des modernen Kindergartens, wobei auch das
Land Lippe ins Blickfeld gerät. Wilberg erinnert: „Die Fürstin Pauline zu
Lippe-Detmold gab hierin ein schönes Exempel, sie gründete zur Förderung einer
besseren Armenpflege die erste deutsche Bewahranstalt für Kinder, in welcher
zugleich Mädchen zu Wärterinnen angestellt und ausgebildet werden.“ Besonders
gefragt sind aus damaliger Sicht „die Tugenden der gebildeten
Personen weiblichen Geschlechts“ zur speziellen Betreuung solcher
„Kleinkinderschulen“.
Endlich wird
unter Johann Friedrich Wilbergs Leitung in Elberfeld ein „Bürgerinstitut“
eröffnet mit dem Leitsatz im Siegel: „Der Mensch erzieht im Kinde den Menschen“.
Zum Thema „Verbesserung des Schulwesens“ schreibt er unermüdlich
Aufsätze, Lese- und Lehrbücher, sowohl für Schüler als auch für Lehrer.
Dem Inspektor
der Armenverwaltung wachsen im Kielwasser des Befreiungskrieges vorübergehend
neue Aufgaben zu. Mit Sach- und Geldspenden Elberfelder Bürger ausgerüstet,
eilt er über Aachen, Lüttich und Namur zum Schlachtfeld bei Waterloo, wo „die
Trümmer Fußhoch liegen“, besucht Lazarett um Lazarett in Brüssel, Löwen und
Maastricht, in Aachen und Köln, seine Gaben an Bedürftige zu verteilen und
Verwundeten Hilfe zu leisten. Seine Berufung als Lehrer lässt ihn dabei nicht
versäumen, die Prüfungen an einer Brüsseler Lehranstalt zu besuchen. Mit
Genugtuung nimmt er die Nachricht vom Einmarsch der „Alliierten“ in Paris zur
Kenntnis im Gedenken an die Leiden, die des Korsen „große Armee“ seiner Heimat
Potsdam und mit ihr seinem dort weilenden Bruder zugefügt hatte.
Wieder in
Elberfeld, überrascht ihn die Nachricht, dass die Universität Tübingen eine
seiner Arbeiten, die dem Institut von Freund Diesterweg ohne sein Wissen
eingereicht worden war, angenommen und die Doktorwürde verliehen habe.
Derweil
gelangt das „Bürgerinstitut“ zu landesweitem sowie internationalem Ansehen und
Internatszöglinge können infolge Überfüllung nur begrenzt aufgenommen werden.
1814 wir Wilberg vom bergischen Schulrat in Düsseldorf zum Schulpfleger des
Kreises ernannt und die evangelische Synode der Stadt Elberfeld bestellt ihn
1815 zum Präses der Armenverwaltung, was im Rheinland und in Westfalen dem Rang
eines Kirchenpräsidenten gleichkommt. Von Johann Hinrich Pestalozzi
(1746-1827), der selbst in Iferten (Yverdin) am Neuenberger See (Lac de
Neuchatel, Schweiz) ein Erziehungsinstitut gegründet hatte, treffen
Anerkennungsschreiben ein mit der Bitte um Zusendung weiterer Schriften. Mit
Pestalozzi und Fröbel hatte auch Wilberg „im mütterlichen Wirken“
der Familie „die Urform aller erzieherischen Bestrebungen“ erkannt und
sich vehement gegen die Zerstörung der ehelichen Gemeinschaft durch die „moderne
Industriegesellschaft“ gewandt. Entschlossen verteidigte er u.a. die in
jener freiheitlichen Aufbruchstimmung bereits heftig attackierte „Familie
als Wurzelboden für Persönlichkeitsentfaltung und Gemeinschaftssinn“. Musik
(Gesang) und Schönheitsgefühl seien Grundlagen für die Elemente der Anschauung
und von den Elementen her müsse die Elementarbildung gegen die
Auflösungserscheinungen des „Zeitgeistes“ aufgebaut werden. Im Jahr 1818
wird Johann Friedrich Wilberg eine besondere Würdigung seiner Majestät des
Königs von Preußen zuteil, dem bald darauf die Verleihung des Roten Adlerordens
folgt.
Im Jahr 1829
gelingt Wilberg die Gründung einer „Höheren Bürgerschule“ in Elberfeld, der er
Anfangs skeptisch gegenüber stand. Zur Linderung sozialer Missstände fordert er
die allgemeine Schulgeldfreiheit und eine feste Besoldung für Lehrkräfte um
sogleich auch der Nachteile zu gedenken: Niedergang des Leistungswillens auf
beiden Seiten angesichts gesicherter Verhältnisse. Wilberg kritisiert
unablässig Lehr- und Schulsysteme, Vernachlässigung der Elementarschulen
und Überheblichkeit der
Gelehrtenschulen, wo man „mit Stroh schwanger geht und Stoppeln erntet“.
Es solle nicht der Geist für den Geist arbeiten, sondern für die Bewältigung
der „äußeren Welt“.
Als am 29,
August 1835 seine Gattin Johanna stirbt, hat er soeben seine Schrift „Stoff zum
Nachdenken über Armenversorgung“ veröffentlicht. Ihm bleiben seine vier Kinder,
ein Schwiegersohn (Carl Hecker, Ehemann seiner Tochter Johanna Theodora
Wilberg) und eine Schwiegertochter (Louise Baedeker, Tochter des Verlegers
Gottschalk Diederich Baedeker und Ehefrau seines Sohnes Prof. Friedrich Wilhelm
Wilberg) sowie seine Töchter Mathilde und Marie einziger Trost. Trotz
öffentlich bekundeter Sympathien zahlreicher Gönner und Freunde, sieht er sich
veranlasst, 1837 von allen Ämtern zurückzutreten und auf seine Pension zu
verzichten um dann im November 1839 seinen Wohnsitz in die Koblenzer Straße
nach Bonn zu verlegen, wo er am 17. Dezember aus einem bewegten Leben scheidet.[11]
Supplememtum:
Am 17. April 2004 übergab Frau Renate Wilberg-Bretnütz aus
Braunschweig dem am 3. August 2001 neu eröffneten „Friedrich Eberhard von Rochow
Schulmuseum“ zu Reckahn (Brandenburg, s.o.) einen silbernen Ehrenpokal als
Dauerleihgabe. Diesen Pokal hatten 127 Elberfelder Schüler und Schülerinnen,
deren Namen im Sockel eingraviert sind, im Jahr 1829 ihrem verehrten Lehrer Dr.
Johann Friedrich Wilberg gewidmet. In seiner Festrede entwarf Prof. Dr. Hanno
Schmitt, Dekan der humanwissenschaftlichen Fakultät an der Universität Potsdam,
einen biographischen Überblick des Dr. Wilberg in Brandenburg, erfasste aber
das Wesen sowie die geistige Ausrichtung seiner Person und seines Wirkens nur
unzureichend. Der Referent beschränkte sich auf die Jugend- und Ausbildungszeit des Lehrers Johann Friedrich
Wilberg in Brandenburg bis zu seiner Berufung nach Hamme (heute Stadtteil von Bochum)
und charakterisierte ihn als „Aufklärer“ in seiner Zeit. Wenn Dr. Wilberg,
gleich Fröbel, Pestalozzi oder Diesterweg u. a. sich um eine differenzierte
Behandlung unterschiedlicher Begabungen der Schuljugend bemühte und über Bibel
und Katechismus hinaus geeigneten Lesestoff verfasste um den Schulprogrammen
einen breiter gefächerten Wissensbereich zu erschließen, mag dies
fortschrittlich und „aufklärend“ erscheinen, übergeht jedoch die sehr kritischen,
von klarem Durchblick geprägten und in die Zukunft weisenden Anmerkungen Wilbergs
zu den revolutionären Ereignissen seiner Epoche, blendeten die vom christlichen
Ethos durchdrungenen, moralischen Grundthesen des zutiefst religiösen Lehrers
weitgehend aus, obwohl seine durchaus progressiven Erziehungsmethoden Inhalte
und Dogmen der Aufklärung wie Vernunft, Toleranz, Gerechtigkeit, eigenständiges
kritisches Denken usw. unideologisch in
sich aufnahmen („Bibel und Fibel“!).
Schmitt
zitiert in seiner Rede Friedrich Adolf Diesterweg, der offenbar von Johann
Friedrich Wilbergs „pädagogischem Charisma schlichtweg begeistert“ war:
„Die Natur
– was vermag man ohne sie und was wird einer ohne sie? – hatte ihn herrlich
ausgestattet: kräftige Leibesgestalt (…), feste Haltung bis über das 70ste
Lebensjahr hinaus trotz ungeheurer Anstrengung, edles Antlitz und Haupt mit
herabwallendem Haar (…). Seine Bewegungen, Schritt und Gang waren rasch und
sicher, er sprang die Treppen mehr hinauf als er ging. (…) Seine Stimme war
klangvoll und durchdringend (…). In Verbindung mit dem Blick aus dem großen
blauen Auge gehörte mehr als Kühnheit dazu, ihm zu widerstehen. Aber wie will
ich darstellen, wie Wilberg war, wenn er erzählte was ihn erfreut hatte, wenn
er sich in Witz und Humor oder scharf eindringlicher Rede erging, oder wenn er
von lieblichen, geist- und gemüthvollen Aeußerungen seiner Schüler und
Schülerinnen erzählte, (…) oder wenn er sich über die Leiden, die die Menschen
drücken, erging und sich über den Luxus der vornehmen Leute, ihre oft maaß- und
sinnlose Verschwendung im Angesicht des Elends Anderer, die auch Menschen
seien, äußerte!“ Diesterweg bescheinigte ihm „ausgezeichnete
Geistesgaben: ein eminentes Gedächtnis, (…) dass ihm Alles, was er wusste und
erfahren hatte, stets zu Gebote stand, einen auf das Praktische gerichteten Verstand
(…), rascher Entschluß und nachhaltige Tatkraft (…). – Er war ein Lehrer! Seines
Gleichen habe ich nicht wieder gesehen. (…) Ich habe auch von keinem gehört oder gelesen, der ihn in
dieser elementaren Virtuosität erreicht hätte.“[12]
Der Pädagoge, Schriftsteller und Übersetzer:
Wilberg,
Prof. Dr. Friedrich Wilhelm, ist am 19. Juli 1798 zu Hamme/ Bochum als
erstes Kind des Dr. Johann Friedrich Wilberg und der Johanna Luberg (s.o.). geboren. Im Jahr 1802 übersiedelt
die Familie nach Elberfeld und Friedrich Wilhelm nimmt hier am Unterricht der
von seinem Vater geleiteten Elementarschule und später an der von ihm
gegründeten Bürgerschule teil, wobei er – das Versäumnis seines Vaters
beherzigend – frühzeitig am Fremdsprachenunterricht (Latein, Griechisch)
teilnimmt. Nach zweijährigem Aufenthalt im Internat von Moritz Diesterweg zu
Mannheim (1813 – 1815) besucht er das Gymnasium in Düsseldorf und besteht im
Herbst 1816 die Abiturprüfung mit dem Zeugnis „ersten Grades“. Mit besten Referenzen
ausgestattet reist Wilberg nach Berlin und nimmt dort das Studium der
Philologie, Geschichte und Mathematik auf. Die Professoren F. A. Wolf, Böckh
und Buttmann in Philologie, die Professoren Rühs und Wilken in Geschichte und
Grüsen für Mathematik sind bestens renommierte Lehrer der Universität. Hier
begegnet er einem hochbegabten Schüler seines Vaters aus der Mark: Friedrich
Wilhelm Tönnies. Mit dem jugendlichen Übersetzer der „Germania“ des Tacitus
pflegt Wilberg freundschaftliche Beziehungen, bis dieser, schwer erkrankt, von
Vater und Sohn Wilberg über Frankfurt heimgeleitet wird und am 31 August 1817
stirbt.
Friedrich Wilhelm Wilberg leistet darauf in Köln seine
Militärpflicht ab und geht 1818 zur neuen Universität Bonn, wo er u.a. am philologischen
Seminar der Professoren Heinrich, Näke und Welker teilnimmt. Während er noch in
der Universitätsbibliothek tätig ist, übernimmt er bereits den Unterricht in
Mathematik an den unteren Klassen des Bonner Gymnasiums bis zu seinem Examen
für das höhere Lehramt. Im Jahr 1822 erreicht ihn der Ruf an das königliche
Gymnasium zu Essen und hier erhält er 1824 seine erste „ordentliche
Lehrerstelle“ als Studienrat.
In Essen
ehelicht Friedrich Wilhelm Wilberg am 21. Oktober 1825 Louise Baedeker, geb. am
8. März 1805 als Tochter des Verlagsgründers Gottschalk Diederich Baedeker (13.
7. 1778 – 23. 3. 1841) und der Marianne Gehra (1. 3. 1781 – 15. 12. 1847),
Tochter des Buch- und Musikalienhändlers Johann Ludwig Gehra aus Neuwied.
Als „erster
Oberlehrer“ (seit 1829) und Direktor (seit 1845) des Essener königlichen
Gymnasiums setzt Wilberg die Arbeit im Geist seines Vaters Johann Friedrich
fort mit dem Vorteil einer auf dessen Erfahrungen begründeten und dem neusten
Wissensstand angemessenen Ausbildung. Beim Lehrerkollegium sowie bei den Eltern
und Schülern genießt er besonderes Ansehen und Vertrauen, was sich auf die
Frequentierung des Lehrinstituts bis hin zur Verdoppelung der Schülerzahl
auswirkt:
„Vermöge
seiner gründlichen und vielseitigen Kenntnisse, seiner Lehrbegabung und
namentlich auch vermöge des vorteilhaften Einflusses, den er auf die sittliche
Entwicklung der Jugend ausübte, gehörte Wilberg zu den vorzüglichsten
Schulmännern, die das Rheinland zu seiner Zeit besaß.“ (Allgemeine Deutsche
Bibliographie, Leipzig 1897)
Von den
wissenschaftlichen Arbeiten Wilbergs ist zweifelsohne die große kritische
Ausgabe „Claudii Ptolomaei Geographiae libri octo“, erschienen in Essen
bei Baedeker 1838, besonders hervorzuheben, für die er die bedeutendsten
Pariser und Mailänder Handschriften in griechischer und lateinischer Sprache
heranzieht. Ferner schreibt er beachtenswerte Aufsätze und Kommentare für
verschiedene Zeitschriften, dazu Beilagen zu Schulprogrammen und ist
Mitherausgeber des „Museum des rheinisch- westfälischen Schulmännervereins“,
ferner Gründer und Vorsitzender des „Literarischen Vereins“ und mehrere Jahre
Redakteur der „Allgemeinen politischen Nachrichten“. In Anerkennung seiner
verdienstvollen wissenschaftlichen Tätigkeit wird ihm von der obersten
Schulbehörde der Professoren-Titel zuerkannt und die philosophische Fakultät
der Universität Tübingen verleiht ihm – wie einst seinem Vater – die
Doktorwürde.
Im Frühjahr
des Jahres 1852 trifft ihn ein Schlaganfall, von dem er sich nicht wieder
erholt. Prof. Dr. Friedrich Wilhelm Wilberg stirbt am 11. Juni des Jahres 1852
in Essen. Der König von Preußen hatte ihn noch kurz vor seinem Tod zum „Ritter
des Hohenzollernschen Hausordens“ ernannt. Er hinterlässt seine Ehefrau Louise
Wilberg, geb. Baedeker (gest. 1883, 5. Dezember in Essen), sowie sieben von
ursprünglich zehn Kindern. Unter ihnen Sohn Friedrich Carl mit Ehefrau Antonie
von Poyda, Buchhändler und deutscher Konsul in Athen mit Enkelkindern, von
denen Wilhelm 1898 Direktor des Österreichischen Archäologischen Instituts
wird, (s.u. Prof. Dr. Wilhelm Wilberg), Tochter Klara, geb. 1837, 29. März, am
21. August 1859 den Mitinhaber des Verlags G. D. Baedeker in Essen Julius
Baedeker ehelicht und Katharina, geb. 2. Nov. 1844, sich am 27. Mai 1873 mit
Moritz Pfeffer, dem Gründer der „Pfefferschen Buchhandlung“ in Bielefeld
vermählt.
*
Der Architekt und Archäologe:
Wilberg,
Prof. Dr. Wilhelm, (1. 12. 1872 – 14. 8. 1956), Enkel des vorigen, seit
1898 Architekt, 1912 bis 1922 Direktor des Österreichischen Archäologischen Instituts
in Athen, Mitglied des Deutschen Archäologischen Instituts daselbst und Inhaber
des goldenen Verdienstkreuzes des Franz Joseph Ordens mit der Krone (s.o.
Christian Johannes Wilberg) geriet als Mitausgräber Trojas ins Rampenlicht.
Neben zahlreichen Schriften gilt seine topographische Karte der prähistorischen
und historischen Schichten von Ilion/Troja von 1870 bis zur Grabungskampagne
von 1894 als sein bedeutendstes Werk. Der nach den Grabungs- und
Vermessungsergebnissen mit Wilhelm Dörpfeld kartographisch erarbeitete und von
beiden Forschern 1902 veröffentlichte Plan blieb bis heute unübertroffen.
Anlässlich seines 80. Geburtstages am 1. Dezember 1952 würdigte die „Wiener Presse“ seine
beachtlichen Verdienste:
Architekt
Dr. Wilhelm Wilberg 80 Jahre. In dem ihm von seiner Wohnung, Mozartgasse 4,
im Jahre 1945 belassenen Zimmer begeht Dr. Wilhelm Wilberg am 1. Dezember
seinen 80. Geburtstag. Das „feiert“ würde nicht am Platze sein, denn Wilberg
ist seit Jahren fast völlig erblindet und es ist, da sein einziger Sohn
auswärts lebt, recht einsam um ihn geworden. Aber die Wissenschaft und im
Besonderen das Archäologische Institut haben alle Ursache, des Mannes, der sein
schweres Los ohne Klage trägt, an diesem Tage zu gedenken.
Als Sohn des
Buchhändlers und kaiserlich deutschen Konsuls Karl Wilberg 1872 in Athen
geboren und von dem Altmeister der griechischen Architektur und
Ausgrabungstechnik Wilhelm Dörpfeld herangebildet und bei den Grabungen in Athen, Troja und Priene bewährt, wurde Wilberg
1898 von Otto Benndorf als Architekt in den Dienst des Österreichischen
Archäologischen Instituts genommen. In
dieser Stellung hat er namentlich als Teilnehmer an den Ausgrabungen in
Ephesus, aber auch an anderen Grabungsplätzen Hervorragendes geleistet und in
schönen Publikationen veröffentlicht. Im Jahr 1912 zum ersten Sekretär der
Athener Abteilung des Instituts ernannt, hat Wilberg diesen Posten infolge des
ersten Weltkrieges nur kurz versehen können, und im Jahre 1922 hat der Abbau
dem Institut auch seinen unersetzlichen Architekten weggenommen.
Es muss als
ein Glück betrachtet werden, dass Wilberg seine umfangreichen Aufnahmen
unversehrt bewahren und dem Institut übergeben konnte. Dieses Material wird
auch weiterhin Zeugnis ablegen von der ausgezeichneten wissenschaftlichen
Leistung
des Jubilars.[13]
J.K.
*
Wilberg im Kreis Lippe (ehemals Fürstentum), Nordrhein-Westfalen
So wenig auch
über das spätmittelalterliche Wilberg am Teutoburger Wald bekannt ist, so hat
sich im mündlichen Überlieferungsprozess, etwa analog zur Tradition in der Schweiz,
auch hier die Sage des Namens bemächtigt und mit mehr oder minder legendären
historischen Ereignissen verflochten. Weniger aber als in der Schweiz sind es
Raubritter und düstere Burgen, vielmehr wird eine blühende Natur, die unter
sich in der Tiefe einen über alles erhabenen Reichtum verbirgt und durch dessen Erschließung das Wunder der
Erlösung von allen Lebensqualen Ereignis werden soll, zur Kulisse eines Sagenmotivs,
dass in Norddeutschland in mancherlei Gestalt verbreitet ist und die Befreiung
des Befreiers, eines historischen Helden, zumeist mit einschließt: Die
Wunderblume als Schlüssel zum Geheimnis dieser Erde.
Es ist den
Brüdern Jacob und Wilhelm Grimm zu danken, dass sie die Geschichte „Das
Fräulein vom Wilberg“ in Bökendorf aufzeichneten und im ersten Band ihrer
„Deutschen Sagen“, der im Jahr 1816 erstmals im Druck erschien, einen Platz
einräumten. Bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts findet sie sich noch
gelegentlich in Schulbüchern, scheint aber seither fast vergessen.
Wie bereits hinreichend bekannt, liebten es
Rezipienten und Volksmund, anstelle von „Wilberg“ das sinndeformierende „Wildberg“
einzusetzen, in diesem Fall mit der Folge, dass die von der Familie Metternich
als Gewährsleute überlieferte Sage leichthin am „Wildberg“ und im Dorf
„Wehrden“ an der Weser verortet wurde. Unzweifelhaft aber nennt die Grimmsche
Urschrift „Wilberg“ und „Wehren“, das Mühlendorf an der oberen Werre und das
Bauerndorf um die Werrequelle, die das heutige Bad Meinberg flankieren. Auch der
Osterberg befindet sich in unmittelbarer Nähe werreabwärts.
„Die Sage
kann, wenn sie verpflanzt wird, Namen und Gegend völlig verändern oder
vertauschen: erkennt sie verpflanzt in der Fremde die Heimat noch, so liegt
darin ein großer Beweiß ihrer Abkunft“, stellte schon Jacob Grimm fest und
fügte hinzu: „…es ist jedem Volke zu gönnen und als eine edle Eigenschaft
anzurechnen, wenn der Tag seiner Geschichte eine Morgen- und Abenddämmerung der
Sage hat.“ An die Grimmsche Kurzfassung orientiert sich die folgende
Nacherzählung.
Das Fräulein vom
Wilberg.
Vor Zeiten
fuhr ein Bauer aus Wehren zur Mühle im Wilberge um Korn mahlen zu lassen. Auf
dem Rückweg ließ er an der Furt die Pferde ein wenig rasten und setzte sich
selbst ins junge Ufergras, denn es war Maienzeit.
Da schritt
vom nahen Wilberg ein Fräulein in weißem Gewand herab, trat vor den
verwunderten Bauer hin und sprach:
„Willst du
mir zwei Eimer Wasser auf den Wilberg tragen? Du sollst reichlich dafür belohnt
werden.“
Der Bauer
erhob sich und schöpfte zwei Eimer Wasser aus dem Werrebach. Das Fräulein aber
ging voran den Wilberg hinauf, und der Bauer folgte ihm mit den Wassereimern
bis zu der hohen Linde, die seit uralten Zeiten auf dem Wilberg steht. Dort
hielt das Fräulein an, bedankte sich und sagte:
„Komm morgen
um die gleiche Stunde wieder an diesen Ort und bring die Blumen mit, die der
Schäfer vom Osterberg an seinem Hute trägt. Aber du musst sie in Güte gewinnen!“
Der Bauer,
befangen angesichts dieser merkwürdigen Erscheinung, versprach es.
Am folgenden
Tag machte er sich auf den Weg zum Osterberg, das sind dreiviertel Stunden
werreabwärts beim Dorf Schmedissen. Hier traf er richtig den Schäfer an. Der
stand regungslos auf seinem Stab gestützt und schaute wie gebannt in die Ferne,
hinüber zu den verhangenen Waldbergen des Osning, als sähe er dort etwas
Bestimmtes. Der Bauer sprach ihn an und verlangte die Blumen welche jener am
Hute trug. Doch alle Redekunst schien vergeblich bis er sich aufs Bitten
verlegte. Da endlich löste der Schäfer wortlos die Blumen von seinem Hut,
reichte sie dem Bauern mit ernster Mine und schaute wieder gebannt in die
Ferne.
Der Bauer
aber kehrte mit den Blumen zurück zum Wilberg und fand sich zur verabredeten
Zeit unter der Linde ein. Sogleich erschien das weiße Fräulein und hinter der
Linde gewahrte er ein eisernes Tor, das er vordem niemals dort gesehen hatte.
Das Mädchen schritt auf das Tor zu und sprach:
„Berühre mit
den Blumen das Schloss!“
Kaum hatte er
den Rat befolgt, sprang das Tor auf und ein düsterer Gang führte in die Tiefe
des Berges hinab. Das Fräulein ging hinein und der Bauer folgte zögernd. Nach
einer Weile tat sich eine weite Halle auf, an deren Wänden es zu glitzern und
zu funkeln begann. Im Nähertreten erkannte er unermessliche Schätze, wie sein
Auge sie nie zuvor erblickt hatte. Inmitten des großen Saals saß an einem
breiten steinernen Tisch eine greise Gestalt in gleißendem Licht, deren Bart
durch den Tisch bis in den Boden gewachsen war. Unter dem Tisch lag drohend ein
schwarzer Hund, der sich beim Anblick der Blumen in der Hand des Bauern alsbald
beruhigte.
Der
einfältige Bauer, geblendet vom Glanz des Goldes, bemerkte den alten Weking
nicht, der seit Jahrhunderten hier saß und der Wiederkehr seines Reiches
harrte.
Das Fräulein
aber sah den Bauern an und sagte schließlich:
„Nimm dir von
allem, so viel du tragen kannst!“
Er legte die
Blumen auf den Tisch und griff eiligst in Kisten und Kasten, raffte Gold und
Edelsteine und füllte seine Taschen.
„Vergiss das
Beste nicht“, rief das Fräulein. Er sah sich um, was denn das Beste sein könnte
und raffte noch mehr Gold.
„Vergiss das
Beste nicht“, hörte er die Stimme des Mädchens wieder. Über dem Tisch hing ein
prächtiger Leuchter, den riss er in blindem Eifer herab so dass er am Boden
zerschellte und der schwarze Hund erhob sich drohend.
„Vergiss das
Beste nicht“, hallte es zum dritten Mal durch den Saal.
In
wahnsinniger Hast griff der Bauer nochmals in die Schatztruhen, brach
Edelgestein von den Wänden und stürzte zum Ausgang.
Ans
Tageslicht gelangt, schlug die eiserne Pforte mit entsetzlichem Krachen hinter
ihm zu und der Eingang war verschwunden.
Nun wollte er
seine Beute besehen, aber aus den schweren Taschen fielen nur Kieselsteine zur
Erde, nicht anders als jene, die der Werrebach mit sich führte. Nun erst, da er
an Rückkehr dachte, fiel ihm der Blumenstrauß ein, mit dem er den Berg zu
öffnen vermocht hatte. Zu spät erkannte der Bauer, was das Beste gewesen war
und begab sich zurück zu seinem Pflug.
Da er aber
die seltsame Geschichte nicht für sich behalten konnte, so wussten es bald die Leute
im Land. Und wenn zur Maienzeit die tiefgrünen Wiesen der Mesche am Werrebach
mit den gelben Blüten der Primel wie Gold übersät waren, dann sprachen sie wohl
frommen Wunsches von der Schlüsselblume. Wieder andere behaupteten, der alte
Mann im Wilberg sei der Cheruskerheld selbst gewesen, der hier einst gesiegt
habe und wiederkommen werde als weißer Fürst zur letzten Schlacht.
*
Die Dorfschaft
Wilberg, seit 1970 Ortsteil der Großgemeinde Horn-Bad-Meinberg im
südöstlichen Bereich des Kreises Lippe sowie die hier beheimatete Familie
Wilberg werden gern als Ausgangsbasis für die Verbreitung des Namens
angesehen. Wenn diese Annahme auch erheblich einzuschränken ist, so stellt sich
dennoch unausbleiblich die Frage, unter welchen Umständen er sich gerade hier
im oberen Werretal in seiner doppelsilbigen Urform ansiedelte und welche
„Bedeutung“ ihm zukommt. Das früheste schriftliche Zeugnis aus der Zeit um 1392
weist zwar ebenfalls den bekannten, aber verfehlten „t“-Einschub auf und
schreibt “wiltberge“, was jedoch in allen folgenden Dokumenten ausnahmslos
unterbleibt. Ist aber die oben dargelegte, an geschichtliche Daten orientierte
Entstehungstheorie auch hier anwendbar? Zwei Hypothesen lassen sich
konstruieren:
I a) Um das
Jahr 1115 setzt Abt Erkenbert (von Homburg) zu Corvey an der Weser u. a. einen
Ministerialen (höheren Beamten) namens Wilburg ein, womit in der Regel die
Erhebung in den niederen Adelsstand sowie die Verleihung eines Meierhofes
verbunden ist. Gleichzeitig wird bezeugt, dass Corvey in Meinburg eine Kurie
(Meierhof mit administrativen Befugnissen im Auftrag des Klosters) unterhält,
sowie eine weitere, nicht näher bezeichnete „Manse“ (Hof) besitzt, deren
Abgabepflichten an die Kurie Meinburg zu entrichten sind. Nicht nachgewiesen,
aber nahe liegend ist, dass der „Ministeriale“ von Wilburg diesen Hof zu Lehen
erhielt.
Mit der
Vereinnahmung der Güter durch die Edelherren zu Lippe im Verlauf des 13. Jahrhunderts
wurde der Corveyer Besitzer Wilburg zwangsläufig seines Lehens verlustig,
während sein Name nach überkommener Regel als einmal für Hof und Flur
redensartlich naturalisiert, erhalten blieb und von seinen Nachfolgern
übernommen wurde.
Mit Datum vom
4. Dezember 1440 verkaufen Johann und Grete Wilberg aus Herrentrup die Hälfte
ihres freien Landes an Johann Rodewig, Priester zu Horn und Betreuer des St.
Johannes-Altars in der Kapelle zu Wilbasen. (Siehe unten: 1440, älteste
Beurkundung des Familiennamens). Demnach muss Johann Wilberg befugt gewesen
sein, ohne landesherrlichen Konsens Grundstücke zu verkaufen, was weder
leibeigenen Meiern noch Köttern zustand. Sollte es sich um einen Nachfahren des
einstigen Corveyer Ministerialen Wilberg handeln? Entsprechende Überlegungen
unterstützen immerhin die These I a).
I b) Von
„Oldendorp“ bis „Wilberg zum Wilberge“: Die Besetzung des ehemaligen
Corveyischen Hofes zu Meinberg nach der Übernahme durch die neuen Herren zur
Lippe ist namentlich nicht überliefert. Erst nach Belehnung des Vogtes Heinrich
Waltering zu Lemgo, genannt Quaditz, „Finanzier“ der Lippischen Edelherren, mit
der so genannten Flemeschen Hove vor Horn und einem Hof zu Meinberg laut einer
(nur in Abschrift erhaltenen) Urkunde vom Jahr 1384, taucht als Bewirtschafter
der Name NN Oldendorp (ebenfalls um 1400 in Lemgo nachgewiesen) auf und ist um
1392 mit dem ersten schriftlichen Nachweis der Ortschaft, als „Hinke
(Heinrich) Oldendorp tom Wilberge“ fassbar und bleibt zunächst mit
größerem zeitlichen Abstand, sodann aber kontinuierlich bezeugt.
In einer
Strafsache wegen Landfriedensbruchs gegen Hans Knapp zu Meinberg hat dieser
laut Gerichtsbeschluss vom 29. April 1472 für den Wiederholungsfall vierzehn
Bürgen zu benennen, sämtlich Besitzer von Meierhöfen. Unter ihnen befindet sich
„Hanße Auldendorps tom Wilberge“. In Persona sind die Oldendorps erst nach der
Hofteilung (Zerschlagung) um 1500 wiederholt (als Altenteiler, Leibzüchter?) in
den Meinberger Landschatzregistern zu finden, nicht aber der Hof „tom
Wilberge“. Die Hofbezeichnung „Oldendorp“, auch „Oldentruppes“ wird nach dem
Aussterben derer von Quaditz im Jahr 1529 und dem damit erfolgten Rückfall des
Erblehens an den Landesherrn in Detmolder Abgaberegistern noch analog zu den
tatsächlichen Hofansässigen einige Jahre fortgeführt, bis in Nachfolge von Hans
Hagemeister, spätestens aber seit 1535 „Hanß Benninck“, auch „Benekenn“
oder „Beneking“, (vom Beinker-Hof zu Meinberg) den Hof bezogen hat und,
erstmals schriftlich belegt im Jahr 1548, „Hans zum Wilberge“
genannt wird.
Nach
Hinzuziehung weiterer urkundlicher Belege (u.a. Hexenprozess um 1600) dürfte
Hans Beneken oder Beinker, jetzt genannt Wilberg zum Wilberge, als
Stammvater der Familie Wilberg in Lippe hinreichend abgesichert sein.
II. Der zweiten These liegt allein die
„Bedeutung“ des Begriffs Wilberg zugrunde ohne archäologischen Befund mit Bezug
auf die Namengebung, wie etwa im Fall des schweizerischen Dulliken (s.o.).
Dennoch ist es wiederum das lateinische „villare“ = Gehöft, das im Althochdeutschen als „wilari“ übernommen und vom
mittelhochdeutschen „wiler“ zum neuhochdeutschen Begriff „Weiler“ umgelautet
wird. Der Weiler bezeichnet einen abgelegenen, außerhalb der geschlossenen
Gemeinde angesiedelten Hof mit geringen Zubauten.
Die
geographische Situation des Werrequellgebiets um die geschlossene Dorfgemeinde
Meinberg mit dem „Weiler“ ca. 2 km westlich und aus Meinberger Sicht hinter
einem Hügel versteckt, lässt die Vorstellung zu, dass sich für den jenseits des
Berges gelegenen, aber zur Gemeinde gehörigen „Weiler“, dem „Wiler im Berge“,
laut örtlichem Umgangston die bis heute gebräuchliche Redensart „im Wilberge“,
(1392: „to de Wiltberge“), seltener auch „uff´m Wilberge“ (obwohl im Tal
gelegen), einbürgerte. Demzufolge wäre also der Name aus der geographischen
Situation sowie der entsprechenden Siedlungspraxis zu erklären und der
sprachlichen Ingeniosität der hiesigen Bewohnerschaft zuzuschreiben.
Die weitere
Entwicklung entspricht dem bereits oben unter I b) nach schriftlichen Quellen
dargelegtem.
Welche der
beiden vorgeschlagenen Entstehungshypothesen der Vorzug größerer
Wahrscheinlichkeit einzuräumen ist, bleibt unbeantwortet. Überdies existiert
für die Dorfschaft Wilberg weder ein Gründungstermin noch ein
Entstehungsmythos.
Auch ein
Paradigmenwechsel vom rationalen zum astrologischen Weltbild weckt allemal
lebhaftes Interesse, scheint jedoch wenig hilfreich. Die Tatsache, dass zwar
kartographisch nachvollziehbar eine axial gedachte Linie von den Externsteinen
über Wilberg zum Fissenknicker Mühlenberg verläuft und den Punkt des Horizonts
markiert, an dem zur Sommersonnenwende am 21. Juni das aufgehende Gestirn
sichtbar wird, ist wohl weder mit dem Ursprung noch mit der Bedeutung des
Namens Wilberg vereinbar. Vom mittelhochdeutschen „wil“ ausgehend (aus der Zeit
vom 11. bis Mitte 14. Jahrhundert !) die Umlautung auf „weil“, und schließlich
vom Konjunktiv zum Substantiv „Weile“, einem auf unbestimmte Dauer von Ruhe
oder Rast zielenden Zeitbegriff zu riskieren, wird kaum hinreichen, ihn einer
Ortschaft oder einer Person beizulegen. Auch sind „auf dem Wilberge“ bisher
keine Spuren von „Sonnensteinen“ oder „Orientierungssäulen“ antiker
astronomischer Vermessungen gefunden worden, womit denn diese bemerkenswerte
Theorie entfallen dürfte.
Dass sich der
Name von Ortschaft und Familie Wilberg in Lippe seit dem 16. Jahrhundert
sehr wohl weithin verbreitet hat, ist offenkundig, auch bis in die so genannte
„Neue Welt“ (Argentinien, dorthin auch deutsche Russland-Emigranten dieses
Namens). Seine Geschichte entbehrt allerdings bis dato einer detaillierten
Erforschung. Selbst der bereits erstellte genealogische Apparat kann bei aller
Präzision diesem Anspruch (noch) nicht gerecht werden.
*
1440: älteste Beurkundung des Familiennamens Wilberg in
Lippe
Textwiedergabe
eines Kaufvertrags vom 4. Dezember 1440, abgeschlossen vor einem eigens zu
diesem Zeck einberufenem Gogericht (zu Horn?) durch den landesherrlich
Geschworenen Richter Hermann Ottinghausen (herman Otinghusen).
Verhandlungs-
und Vertragsgegenstand ist der Verkauf der Hälfte ihres Landes im Feld von
Wilbasen (velde to willebodessen) durch Johann Wilberg (wilberch)
und seiner Ehefrau Grete (syne echte husfrowen) aus Herrentrup an den
Priester Johann Rodewig (Johanne Rodewiges), Pastor der ersten
und zweiten Pfarre zu Horn sowie Verwalter (vorwarer) der Kapelle zu
Wilbasen und Betreuer (Regerer, bestellt zum terminierten Messelesen)
des dortigen St. Johannes-Altars.
Johann Wilberg
verkauft die Hälfte des Landes, das er gemeinsam mit Beneke Klasing (Beyne
Clawesing) von Heinrich Düvel (duuelhenke) zu Lemgo erworben hat und
vordem Bertold dem Dänen (Bartoldez dez denen), Bürger zu Blomberg
gehörte. Das sonst freie Land bringt der herrschaftlichen Burg in Blomberg
jährlich 1 Scheffel Gerste und 2 Metzen Hafer (twe methen hauer).
Verkäufer Johann Wilberg überlässt das Grundstück zum Wohle der Kapelle von
Wilbasen (stede to willebodessen) mit allen Rechten und Pflichten dem
Käufer Johann Rodewig und seinen Erben gegen Zahlung von 13 Lemgoer
Mark-Pfennige, was er mit dieser Urkunde ohne Arglist (sunder argelist)
bestätigt und verspricht. Mit Einwilligung beider Parteien gesiegelt und beurkundet
vom Gografen Hermann Ottinghausen, bezeugt von Cord Hardersen, Bürgermeister zu
Horn, Hans Ottinghausen zu Horn und anderer verlässlicher Personen (bederner
lude).
Text:
Ik herman Otinghusen nu tor tyd eyn gesworen Gogreue der
Eddelen myn(es) gnedigen leuen Junchere /2/ Junchern Berndez vnd Junchern
Symons heren to der Lippe bekenne vnd betuge apenbar in duss(en) /3/ breue vor
all den jenen de ene seen horen efte lesen dat vor my gekome(n) is an eyn
gegrichte dat dar /4/ sunderlix to geheget wart johan wilberch wonaftig to
herentorpe vnd bekande vor sek grete(n) syne echten husfrowen vnd vor ere
rechten erue(n) dat se eynez rechten erfliken kopez verkoft hebbet vnd /6/ verkopet
in vnd myt duss(en) breue deme ersamen preste(re) hern Johanne Rodewigez
vorstender vnd /7/ vorwarer der Stede to willebodessen vnd Regerer sunte
joh(ann)is Altaresz in der Capellen dar suluez /8/ de helfte dez landez dat se
vnd Beyne Clawesing semettliken gekoft hebbet van duuelhenke vnd /9/ so dat
wann was seligen Bertoldez dez denen borgers to Blomberge vnd so dat geleg(en)
in den /10/ velde to willebodes(sen) vor(genomt) vor vrig wikbelde gud
vtgeseget eyn schepell gerste(n) vnd twe methen /11/ hauer(n) de dat land all
gift myne(n) leue(n) Junchern vp er hues tom Blomberge vor /12/ drittheyn mark
pennige to Lemgo ginge vnd geue sind de er to ere(n) willen woll betalet hett
/13/ vnd de genante wilberch let dat vor(genomt) land als de helfte vor(genomt)
dem vor(genomt) hern to horne to behoff /14/ der stede to willebodessen vnd
synez leyuez vor(genomt) vnd syner nakomelinge da suluez in ewige /15/ were sek
dez to gebrukende vorweliken vnd vordeliken to syn(e) vnd syn(en) nakomlingez
in deme /16/ leyue vnd stede vor(genomt) mit vnd behoeff he louede eme dez
landez rechte warschup to /17/ doende wenne were vnd he vaken eme dez not is sunder argelist in
orkunde vorder bekant(-) /18/ nisse hebbe ik Gogreue bouenge(nomt) myn
ingesegell eme bede willen beyder partigge an duss(en) /19/ breff gehang(en)
hyr wen(n) an vnd on de tyd gogerichte besennden Cort Hardersen Borg(er)mester
vnd Hans Ottinghus(en) to Horne vnd ander(n) bedern(er) lude getoich
Datu(m) dm millimo ccccxl
d(o)m(ini)ca secunda in Adventu dm.
Pergamnet, gesiegelt von Hermann
Ottinghausen. [14]
Die Familie
Johann Wilberg zu Herrentrup/Reelkirchen und die erst hundert Jahre später neu
benannte Familie Wilberg zum Wilberge sind genealogisch nicht identisch. Allein
die unmittelbare Nähe ihrer Wohnorte zu Bad Meinberg, Wilberg 2 km westlich,
Herrentrup ca. 2 km nordöstlich, lassen einen Zusammenhang vermuten, der
notwendig zu Spekulationen anregt. Auch mag der 1315, am 7. September
beurkundete Verkauf von Ländereien (auch des Kirchspiels Meinberg?) an das
Marienkloster zu Lemgo ein Glied in der Kette – gedachter – Indizien sein, zumal dieser Vertrag vom Meinberger
Pfarrer Gottfried mit unterzeichnet wurde, (siehe oben „Die Wehrkirche“).
Hierher gehört auch die Frage nach dem Verbleib des Corveyer Ministerialen und
Ritters Wilberg nach der Lippischen Eroberung. Die oben zitierte Urkunde steht
zunächst singulär im Raum, findet auch mit den für diese Zeit sehr lückenhaft
erhaltenen Steuerregistern keine Unterstützung. Allein die Geschichte des
Hauses Mengerssen zu Reelkirchen könnte hier greifen, wäre sie denn erforscht
und stünde zur Verfügung.
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S t a t i s t i s c h e s
Wilberg als Ortsnamen
im deutschsprachigen Raum, nach aktueller
Standard-Orthographie zumeist mit dem für die Onomatologie leicht irreführenden
d-Einschub. Dieser erweist sich allerdings als äußerst unsicher. Nach älteren
Quellen finden sich stattdessen „Willberg“ und „Wilberg“, selten „Wiltberg“. Es
handelt sich, – mit Ausnahme von Wil(d)berg an der Nagold - gewöhnlich um
kleinere bis sehr kleine (Kirch-)Dorfschaften oder Weiler:
Wil(d)berg, westlich Altentreptow, Neubrandenburg/Vorpommern
Wil(d)berg, südwestl. Neuruppin im Temnitztal, Brandenburg (Burg: Wüstung)
Wil(d)berg, bei Klipphausen an
der Elbe, Radebeul/Dresden
Wil(d)berg, Reichshof, Waldbröl
(Wildbergerhütte)
Wil(d)berg, Baden-Württemberg, Herrschaft und Schloss. 1440, 10. 8.
„Wilpperg“,
1573 „Wilberg“, 1595
„Wilperg“. 1945 von US-Bombern zerstört.
Wil(d)berg, Weiler östl.
Kempten, erreichbar über Görisried
Wil(d)berg, südwestl.
Turbenthal, Kanton Zürich, Schweiz (Burg: Wüstung)
Wil(d)berg, bei Unterweißbach,
Niederösterreich
Willberg, bei Neukirchen am
Teisenberg, östl Traunstein, Bayern
Wilberg, in
Horn-Bad-Meinberg, Kreis Lippe; NRW
Wilberg,
Burgen ohne gleichnamige Ortschaften:
Wil(d)berg, Burgruine
bei Sulzfeld, südwestlich Königshofen, Unterfranken, 453 m, Naturpark Hassberge. Geschecht derer
von Wilperc, mehrfach bezeugt, Hochstift Würzburg, Verbindungen nach Paderborn
und Grafschaft Everstein (Weser).
Wil(d)berg,
Burgreste bei Ulsenheim, östl. Uffenheim, Mittelfranken. Sitz der Herren von
Durne. 1525 im Bauernkrieg zerstört
Wil(d)berg,
Burgruine bei Treis-Karden, Mosel. Ehem. Sitz derer von Wilpurc (Wilperk)
Wil(d)berg,
Burg bei Messern, 2 km nördl. Brunn a.d. Wild, 15 km nordwestl, Horn, 485 m,
Bergland „die Wild“, Niederösterreich (Waldviertel). Die von Wilberg gen. um
1135 bis zweite Hälfte 14. Jahrhundert. Seit 1767 zu Stift Altenburg,
Steinbrücke mit Torturm, z. T. abgetragener fünfseitiger Bergfried,
unregelmäßige Bebauung um Innenhof mit dreigeschossigen Wohntrakten und
Treppenturm.
Wil(d)berg, bei
Kirchschlag am Haselgraben, 10 km nördl. Linz/Donau, Oberösterreich. Schloss
und Burgruine, 1665 durch Brand zerstört. Genannt 1198 für die von Starkenberg,
später von Hunsberg. Hochburg mit erhaltenem Bergfried aus dem 14. Jahrhundert,
stattl. Reste des Palas erhalten mit gotischem Kern und Ergänzungen der Renaissance,
Vorburg mehrfach erneuert.
Wilberg, ehem. Burgen
in der Schweiz: 1) bei Gündisau, nördl. Pfäffikon, 820 m, Kanton Zürich, 2)
Bronschhofen, 2 km nördl. Wil, 3) Oberrindal, ca. 12 km südl. Wil, beide Kanton
St. Gallen, 4) Wil(d)berg, Burg heute über- oder umgebaut, südl. Turbenthal,
Kanton Zürich. (11.-12 Jh., siehe oben: Salve regina und Meinrads
Rache).
Wildegg, Schloss in Mörikon, 11. Jahrhundert, Kanton Aargau,
Schweiz.
Wilanów, Schloss in
Villa Nova/Warschau, erbaut 1677-96. (Vorbehaltlich).
Wiligrad, slav.
„Wiligród“, auch slav.- apolabisch „Wiligard´c“, = bewehrte Siedlung. (… gród
und …gard´c = … berg oder …burg),
Schloss in Lübstorf am Westufer des oberen Schweriner Sees. Wiligrad soll auch
mittelalterl. slavischer Name für „Michelenburg“, dem heutigen „Dorf
Mecklenburg“ südlich von Wismar gewesen sein.
Wilbergstraßen:
Berlin, 13125: Wiltbergstraße. (Nr. 50 Medical-Center,
Helios-Klinikum)
Bochum-Riemke, 44807: Fröbelstraße, 1975 Wilbergstraße.
(Nr. 3: 1875 Volksschule, Neubau 1957, ab 1969 Gemeinschaftsgrundschule. Seit
1975 Wilbergschule.)
Darfeld/Rosendahl, 48720: Wilbergstraße. (Schloss Darfeld)
Dresden-Briesnitz, 01157:
Wilbergstraße.
Dortmund-Aplerbeck, 44269: Wilbergstraße
Düsseldorf-Hilden, 40723: Wilbergstraße. (Nach Joh. Friedr. Wilberg,
s.o.Bochum.)
Innsbruck: Josef
Wilbergstraße. (Johanniter-Schulungsheim).
Linz/Donau, Wilbergstraße. (Nr. 18,
Bruckner-Konservatorium).
Wil, Schweiz, Kanton St. Gallen, 9500: Wilbergstraße.(Div.
Institutionen, Firmen).
Witten-Herbede,
58456: Wilbergstraße. (Nach Hof Wilberg-Hackert)
Wuppertal, 42107 (Elberfeld): Wilbergstraße. (Nach Johann Friedrich
Wilberg, s.o.)
Zell/Rikon a. d. Töss, 8486, Kanton Zürich, Schweiz: Wilbergstraße
(Klösterliches Tibet-Institut).
Orthographische
Varianten:
Williperc – Willeberc – Williperga – Williberga – Willipirc – Willibirg
– Williberga – Williberg – Williperch – Wiliperc – Wileberga - Wiliperce –
Wilipergh – Wiliburch – Wilburg – Wilpurc - Wiliburgis – Wiliburg – Wiliburga –
Wilburgis – Wilburg – Willburger - Wilberga - Wilperghe – Wildtberge –
Wiltperghe – Wiltberger - Wildberge – Wils - Wilsperc – Wilperct –
Wilpperg - Wilpberg - Wilbernus –
Wilberk – Wilbern – Wilber – Wildberg – Wilpergh – Wilnperc – Wilbergh – Wilberger
– Wilberg – Willberg - Wilborn –
Wilmann – Wilfeld – Wilhof – Wilbur – Wilbauer
u.a. Wilbault (fr.), Vilbiörg,
Vilborg, Vilberg, Wilberg (skand.), Vilburgh (agls.)
Bedeutungsrelevant sind Verbindungen von zwei Substantiven, während
solche mit suffixoiden Adjektiven oder Verben in diesem Kontext entfallen. Seit
Erlass des Standesregisters von 1876 ist die derzeit praktizierte Orthographie
verbindlich.
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Nicht Form und Inhalt des Namens
bestimmen Würde und Ansehen
einer Familie, sondern wie sie ihn in der Geschichte adelt.
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Postludium
Wenn Eingangs von Provenienz und Semantik die Rede war, so
ist mit dem oben nachgewiesenen,
frühmittelalterlichen alemannischen Begriff „Williperc“ – der „villa“
(Ortschaft, Siedlung) auf einem „perc“ - sowohl eine geographische Situation
als auch eine aus dieser hergeleitete Vorstellung der Geborgenheit ein
historischer Bestand erfasst, dem jedoch durchaus zu misstrauen wäre, da
„Wahrheit“ als Faktum in unzählige Details zerfällt, die als
Sprachkompilationen mit bewusster oder unbewusster Sinnumwandlung bis zum
Bedeutungsverlust den Ablauf von „Geschichte“ säumen. Doch ohne existentielle
Verortung ist der Mensch seiner Lebenswelt orientierungslos und
handlungsunfähig ausgeliefert, ohne sprachliche Fixierung seiner Wahrnehmungen
von Ereignissen, Gegenständen und Personen sowie deren Anhäufung zu Gruppen und
Gattungen, ohne „nomen“ (lat.) oder „onoma“ (griech.) wäre ein Erkennen und
Unterscheiden nicht möglich.
Sowohl
Eigennamen (nomina proprium) als auch Geschlechternamen (nomina gentilicum)
stellen eine Identität fest und grenzen sie gegen andere ab. Sprachliche
Definitionen für Einzelwesen, Objekte oder deren Gruppierungen – Ortsnamen,
Personennamen, Geschlechternamen usw. -
werden jedoch wechselseitig vergeben und tradiert, so dass ihre Herkunft
und Bedeutung dem Wissen leicht entfremdet und nicht mehr identifizierbar oft
wirren Spekulationen anheim fallen. Ihre Bindung an Traditionen ist deshalb
unerlässlich, erlaubt sie doch historische Verortung, soziologische Wertung und
Wirkung sowie Identitätsfindung. Willkür hingegen bricht mit der
geschichtlichen Kontinuität, ist manipulierbar und schafft Konfusionen im
Verständnis von Inhalten, sind Ursache für Irrtümer, Verfälschungen und oft
gefährlichen Missverständnissen. Verständigung kann folglich nur durch
vernünftige Sprachregelungen erzielt werden, die visuell in Schriftzeichen und
Symbolen ihren Ausdruck finden.
Die sehr
frühe Ausbreitung des rätischen „Williperc“ oder „Wilberg“ im germanischen
Sprachraum schließt jedoch keinesfalls aus, dass sich prägende geographische
Situationen, wie etwa das österreichische Waldviertel „die Wild“, als
Begriffseinheit mit gleichen Lauten aber ortsbezogener Aussage als Namengeber
erweisen können. Die heterogene Provenienz, auch infolge epochaler kultureller Verschiebungen,
erfordert in jedem Einzelfall ein präzises Quellenstudium.
Die
gewissenhafteste Genealogie verliert unter solchen Gesichtspunkten an Boden,
sie wird zur Paralleldisziplin der Onomasiologie. Ihre „Linien“ – bilden ein
immenses Netzwerk um den willkürlich in den Mittelpunkt gestellten „Namen“.
Burgen und Höfe wurden einst mit Namen markiert, deren Bedeutungen oft schwer
oder gar nicht mehr erkennbar sind. Ihre jeweiligen Eigentümer, oft auch nur
Bewohner, identifizierten sich mit dem Namen ihres Besitztums oder Wohnsitzes.
So versteht sich etwa ein „Geschlecht“ von Bundorf als Erwerber oder Eroberer
der Burg Wilberg (Franken) mit deren Besitz als Grafen oder Ritter zu Wilberg
und ihre biologische und juristische Nachkommenschaft führt den Namen fort. Die
Methode greift zumeist flächendeckend auch im Bauernstand und nach der
Größenordnung mit sinkender Tendenz bis hin zu Kleingrundbesitzern. Hans
Benecke zu Meinberg wird um 1535 Hofeigentümer in Wilberg und nennt sich
Wilberg zum Wilberge (1548). Seine Nachfahren, sowohl angeheiratete als auch
adoptierte (juristische) Personen identifizieren sich mit diesem Namen, also
auch wenn keine genetische Beziehung vorliegt. „Das wahre Wesen der
Genealogie ist allein der Drang nach Erkenntnis der Grundlagen unseres
gesellschaftlichen Lebens“ meint J.G.Gatterer. Sie ist aber auch von
anthropologischem Interesse und höchst eminent für die Erbsubstanzforschung und
die Medizin. Nicht zu übersehen ist aber auch, dass sich Materie und Form mit
der Historie decken und damit eine wesentliche Komponente der Geschichte selbst
darstellen. Allerdings gerät der beliebte „Stammbaum“ angesichts solcher
Perspektiven nicht unbedenklich ins wanken. Der Ort seiner „Wurzel“ verfällt
der Beliebigkeit, der „Proband“ und sein „Name“ ist fixierte Willkür.
An welcher
Stelle sind nun genetische und nominale „Linien“ in diesem Netzwerk
verknüpfbar? Mit dieser Frage erst gewinnt die dritte Kategorie, die „Familie“
Konturen. Die Familie ist die Urform des menschlichen Gemeinschaftslebens
überhaupt. Sie wurde einmal „als engster Gemeinschaftskreis eines
Blutsverbandes“ bezeichnet (Hermann Mitgau), mithin auch als „kleinste
Zelle des Staatswesens“. Allein der genealogische Zugriff wirkt verengend
und wird ihr nicht gerecht, denn ihre Grenzen sind fließend. Dennoch verdichtet
sie sich zu einer massiven Kraft im kulturellen und gesellschaftlichen Kontext.
Sie wird gern von einem „Leitnamen“ verortet obwohl sich zahlreiche
Geschlechter unter ihr vereinigen. Letztlich stellt wiederum ein Name den Identifikationswert
fest für alle die ihr angehören.
Der
natürliche eheliche Zusammenschluss zweier Individuen unterschiedlichen
Geschlechts und verantwortlich für die Ausformung des Ideals der Liebe als
Raison d´etre menschlicher Existenz – ein typisch christlich-abendländisches
Leitbild (mystische Liebe = Seele und Christus) - bildet den Kern jeder Familie
und gilt als Voraussetzung zur Verhinderung einer ethischen und moralischen
Verwahrlosung. Sie ist die erste und älteste soziale Organisation aller
Kulturvölker. Ahnenkult und Religion sind aus ihr hervorgegangen, Kultur und
Zivilisation, das unmittelbare Verhältnis zwischen Individuum und Staat als
organisierte Gesellschaftsform wäre ohne sie nicht denkbar. Ihre naturgesetzliche
Verankerung wurde zum Fundament eines gesunden Staatswesens. Mit Fröbel und
anderen Erziehungskapazitäten verwies Johann Friedrich Wilberg - gewiss nicht
grundlos in jener freiheitlichen Aufbruchstimmung der französischen Revolution
und der damit ausgelösten Emanzipationsbewegung – mahnend auf „die Familie
als Wurzelboden für Persönlichkeitsentfaltung und Gemeinschaftssinn“. Konnte er ahnen, dass 200 Jahre
später deutsche Politiker Ehe und Familie als „repressives
gesellschaftliches Auslaufmodell“ diskreditieren werden und gar der Literat
und Ex-Präsident Vaclav Havel sich vernehmen lässt, sie seien nichts als „ein
Kuhstall, in den man die Frauen wie Kühe hereinführt um zu kalben“,
demgemäß einer modernen „hochkulturellen Gesellschaftsform unwürdig“?!
Ein Ersatzmodell, dem Familie und Religion bedenkenlos zu opfern wären, liegt
indessen nicht vor und die „Familienforschung“ sieht sich vor einer immensen
Herausforderung.
Immerhin hat der Name Wilberg – unsere Problemfrage vereinfachend
– wohl über anderthalb Jahrtausend unverändert Orte, Personen und Familien
benannt, Geschlechter nicht nur unterschieden, sondern auch verbunden. Er wurde
von Adelshäusern angenommen und tradiert, die sämtlich – ob nun in der Schweiz,
in Franken, in der Pfalz oder in Brandenburg – das Mittelalter nicht
überdauerten, aber den Namen bis in die lebendige Gegenwart weiterreichten.
Spärlich erhaltene Dokumente auf Pergament oder Epitaphien, wenige Orte ihrer
einstigen Niederlassungen oder auch nur die Sagenwelt bewahrten ihre Spuren, so
dass der Name in regional unterschiedlicher Dichte greifbar ist.
Von den
Burgen stiegen sie herab und mit auffälliger Kontinuität hat sich „Wilberg“
seit dem fernen Mittelalter behauptet: Vom bereits genanntem „Williperc“ und
dem Geschlecht derer von Wilberg in der Schweiz (853), von „Wiliburg“ aus dem
sächsischen Adel der Billunger (870), von „Wilburga“, der Mutter eines Tidi,
Landbesitzer in „Bilivelde“ (1015 bis 1036), die ihr Eigentum an die Kirche zu Paderborn
überträgt, über den Ministerialen „Wilburg“ von Corvey, der verdächtigt wird,
seinen Namen nach „Meynburgh“ im südöstlichen Lippe transferiert zu haben
(1115) wo dann ein Dorf und eine Familie nach ihm benannt werden, oder der
frommen „Wilburgis“, die sich als Reklusin in St. Florian um 1230 einmauern
ließ bis das Gebäude einstürzte, ferner dem gleichnamigen Hof in Osterode, von dem 1248 drei Pfennig und
ein Maß Roggen für die Gräfinnen Sophia und Tochter Jutta von Vechta zur Unterhaltung
des ewigen Lichts im Kloster Bersenbrück geliefert werden sollen, bis hin zu
„Wilbergis“, Äbtissin des Klosters zu Lemgo (!). 1277 amtiert im
Württembergischen der „Vicepleban Friedericus Wilperc“ und 1281 zeugt ein
Wilperk in Wolferne. In der Neuzeit treten Wilbergs im Bildungsbereich und auf
dem Gebiet der Kunst hervor, sie besetzen schließlich Lehrstühle an
Universitäten oder man findet sie unter Kaufleuten, wie etwa Franz Julius
Wilberg aus Berlin in Hamburg und Rio de Janeiro. Im Gesichtskreis der
Gegenwart schließlich findet sich scheinbar seine Wiederentdeckung als männlicher
Rufname: Im Jahr 1991 wird in Dessau der 12 Wochen alte Wilberg Grusser
entführt und kann erst zwei Jahre später seinen Eltern zurückgebracht werden,
nicht ohne empfindliche Bestrafung der Entführer (NBK, 8. 94.).
Das räumliche
Vorkommen des Namens konzentriert sich derzeit vor allem auf Ballungszentren
wie Dortmund, Düsseldorf, Berlin, Essen, Hamburg, Magdeburg und Köln, während
sich verstreutes Auftreten relativ in Grenzen hält. Wilberg zählt nicht zu den
häufigen Namen, selbst Fachlexika kennen ihn nicht. Er ist kein Name von Helden
und Heiligen, deren Eigenschaften und Wirken man etwa zu transmittieren
wünscht. Er gehört jedoch zu den ältesten geschichtlichen Denkmälern nominaler Identifikation im nördlichen Mitteleuropa,
die bis heute überlebt haben.
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Martin Ludwig Wilberg
(1853-1912)
Der Brief (Privatbesitz)
Martin Ludwig Wilberg (1853-1912)
Landsknecht mit Krug (Privatbesitz)
Christian Johannes Wilberg (1839-1882)
Eseltreiberin in italienischer Landschaft
Christian Johannes Wilberg (1839-1882) Christian Johannes Wilberg (1839.1882)
Motiv aus Sorrent,
1881.
Agrigent, Templo di Hera
Aquarellierte Zeichnung,
12,5 mal 19 cm Fälschl.
Juno-Tempel. 113 mal 189 cm, Öl.
Prof. Dr. Wilhelm
Wilberg (1872 – 1956)
Sohn des Buchhändlers
und Deutschen
Konsuls Friedrich Carl
Wilberg in Athen,
Enkel des Essener
Gymnasialdirektors
Prof. Dr. Friedrich
Wilhelm Wilberg,
von 1898 bis 1922
Architekt und Direktor des
Österreichischen
Archäologischen Instituts.
Folgende Seite:
Topographischer Plan der
Burg von Ilion (Troja)
nach den
Grabungskampagnen von 1870 bis
1894. Nach den
Vermessungsgrundlagen von
Prof. Dr. Wilhelm
Dörpfeld erstellt von
Prof. Dr. Wilhelm
Wilberg.
Bis heute ist dieser der
einzige umfassende Plan
des Burgberges von
Troja, im Jahr 1902 von
Wilhelm Dörpfeld und
Wilhelm Wilberg publiziert.
Er blieb mit seinem 20
m-Raster und der
Farbgebung für die
Hauptsiedlungsperioden
einzigartig.
Obgleich der Plan
Ergebnisse nachfolgender
Grabungskampagnen nicht
enthält, ist er dank
seiner übersichtlichen
Gestaltung der
informativste geblieben
und 1992 neu
aufgelegt worden.
Dr. Johann Friedrich
Wilberg
Federzeichnung nach
einem
Stich von Buchhorn, 1842
Haus Reckahn des
Domherrn
Eberhard von Rochow bei
Krahne In Brandenburg.
Hier
Empfing Johann Friedrich
Wilberg maßgebliche
Impulse
für seine künftige
Laufbahn
als Pädagoge. Foto von
1922.
PARTA TUERI
Wilberg zum
Wilberge
Quod non est in litteris
non est in mundo
[1] Vergl. hierzu Adolf Bach, Dt. Namenkunde, 5 Bd. 1942, ff., M. Gottschald, Dt. Namenkunde 1954, Familiennamenbuch der Schweiz, 2 Bd. 1940, E. Schwarz, Dt. Namenforschung, 2. Bd. 1949, u.a.
[2] An der Töss findet sich der Ort Lippe und es könnten durchaus sächsische Deportierte und Exilanten aus dem Gebiet der „Lupia“ (Lippe) den Ort Lipperswil im Kanton Thurgau gegründet haben.
[3] Nach Jacob Kuoni, Sagen des Kantons St. Gallen, 1903, Nr. 486, S. 285 f.
Torkelhütte: Von ahd. torcula, Gehäuse der hölzernen Weinpressen (Kelter).
Wil: Bezirksstadt im Kanton St. Gallen, heute ca. 16 000 Einwohner. Nach 1150 gegründet vom Gra fen von Toggenburg, Doppelreihensiedlung auf einem Bergrücken mit Laubenhäusern aus dem 15.
bis 17. Jahrhundert. Burg „Hof“ angebl. Sitz der Stadtgründer, später Sommersitz der Fürstäbte von St. Gallen. Kirche St. Nicolaus im 15. Jahrhundert erneuert, um 1990 restauriert. Alte Glocke neben
der Kirche als Denkmal aufgestellt.
[4] Zu den Inschriften: Keller, Vorsitzender eines zwölfköpfigen Gerichtsstabs für Stadt und Amt. Bei Blutgerichtsverfahren (seit der peinlichen Halsgerichtsordnung Karl V. von 1532) oblag dem Keller die Anklage und den Vorsitz übernahm der Bürgermeister. Keller waren auch in der Rheinpfalz gebräuchlich.
[6] Schon bei Ernst Kunik, Die Berufung der schwedischen Rodsen durch die Finnen und Slaven, zur Entstehungsgeschichte des russischen Staates, St. Petersburg 1844: Wilberg = erzgermanisch.
[8] Die Durchsicht der nicht vollständigen Aktenbestände des Hauses zur Lippe im NRW-Staatsarchiv Detmold zu dieser Frage blieb bis dato leider erfolglos.
[10] Johanna Luberg, in Dt. Geschlechterbuch, Bd. 130, 38. allg. Band; Joh. Lesberg, in Geneal. Hdb. Bd. 4, 1896. Laut Abschrift a. d. Geburtsregister des Kirchenbuchs der Größeren evangel. Kirchengemeinde Hagen v. 14. Dez. 1939: Johanna Louisa Francisca Margaretha Suberg; Laut Abschrift a. d. Trauregister der evangel. Kirchengemeinde Bochum v. 8.Dez. 1939: Johanna Theodora Suberg. Unsicher! Lese-, Schreib- oder Druckfehler bei Vor- und Nachnamen !
[11] Nach Johann Friedrich Wilberg, Erinnerungen aus meinem Leben, Essen 1836 (Baedeker), Zitate Kursiv., ders. Stoff zum Nachdenken über Armenversorgung, Elberfeld 1838 (Büscher); Märkisch-Bergische Zeitung vom 8. 12. 1937; Täglicher Anzeiger, Elberfeld, 21. November 1839. Für wertvolle Hinweise dankt der Verf. Frau Renate Wilberg-Bretnütz, Braunschweig.
[12] Aus Mitteilungsblatt des Förderkreises für Bildungsgeschichtliche Forschung e.V., 15 (2004) 2, Kursiv.
Mathilde Wirth, geb. Wilberg, Hsg. J. F. Wilberg, Nachlass eines Verstorbenen, 399 S., Essen 1843 (Baedeker), 2. Auflage 1854, 454 S. M. W. = Ehefrau des Dr. phil. August Wirth, Elberfeld/Erfurt.
1847 konstituierte sich in Elberfeld auf Betreiben von Diesterweg, Heuser und Fuchs die Wilberg-Stiftung. (Tochter Marie W., s.o., ehel. Musikdir. Leander Posse. Gest. Charlottenburg 19. 9. 1901)
[13] Abschrift aus der Wiener Presse 1. 12. 1952 von Dr. Ernst Eberhard Wilberg, via Renate Wilberg-Bretnütz, Braunschweig.
[14] NRW-Staatsarchiv Detmold, L 1 D Kl. Blomberg VI. 10.