„AUF DEM WILBERGE”

 

                                              Provenienz und Semantik,

                       geographische Präsenz, Historie, Sage und Personalia

 

     Sowohl das alte mundartliche „uff´m Wilberge“, als auch das späterhin häufiger angewandte „im Wilberge“ waren einst die gängigen und schriftlich überlieferten Formeln für das Dorf Wilberg im Südosten des ehemaligen Fürstentums Lippe, heute Kreis Lippe. Nun ist das Dorf jedoch keineswegs auf einem Berg gelegen, wie diese Ausdrucksform suggeriert, sondern im Tal der Werre und hatte sich im Verlauf seiner Geschichte nur sehr langsam am Hang des Nordufers, einem Siek folgend, dann auch den ehemaligen Hudekamp „Maßbruch“ der Bauerschaft Schönemark vereinnahmend, als Streusiedlung entwickelt. „Auf dem Wilberge“ selbst aber wurde seit Jahrhunderten nicht gesiedelt. Erst im 20. Jahrhundert sind hier am damaligen Grünen Weg „auf dem Berge“ nur wenige Häuser errichtet worden. Auch ist die leichthin vertretene Ansicht, das Dorf sei nach hier vorhandenen „wilden Bergen“ benannt worden ebenso abzuweisen wie die in fast jedem etymologischen Nachschlagewerk zu lesende Deutung „Wil“, ahd. Wille, der einem Ortsnamen wohl schwerlich beizulegen ist. Zu hinterfragen bleibt, ob der zweigliedrige Name eine örtliche geographische Situation beschreibt oder als Personenname (Anthroponym) fremder Herkunft in diese Region eingewandert ist. Nur eine umfassende Erkundung onomastischer und historischer Hintergründe kann akzeptablere Kriterien zur Frage nach Herkunft, Bedeutung und Verbreitung des Namens zutage fördern.

 

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Wilberg in der rätischen Schweiz – historische Fakten zur Nominaldefinition

 

      Die Gemeinde Dulliken im Kanton Solothurn, 3 km östlich von Otten und 10 km westlich von Aarau am nördlichen Hang des Engelberges gelegen, schließt in sich ein die Flur „auf dem Wilberge“ mit dem heutigen Ortsteil Wil. Hier fanden sich Reste einer Siedlung aus römischer Zeit, einer „Villa Rustica“, offenbar mit Ummauerung. Die Villenanlage (Siedlung) auf dem Berg wurde vermutlich von den Alemannen um 260 nach christl. Zeitrechnung erobert und zerstört. Fraglos sind von den sich zurückziehenden Römern lateinische Sprachreste vom Alemannischen aufgenommen worden und nachvollziehbar ist deshalb, wenn die zumeist suffixoid eingesetzte Silbe „wil(l)“ als Wortstamm von „Villa“ in zahllosen Ortsnamen der rätisch-romanischen (alemannischen) Schweiz auftritt. Die Silbe wird auch vorgesetzt, seltener eingeschoben, steht aber auch in einigen Fällen allein. Leicht lässt sich „Wil“ mit „Berg“ (Burg) zum Begriff „Wilberg“ verbinden, womit sich offensichtlich die neuen alemannischen Siedler der ehemaligen römischen „Villa auf dem Berg“ identifizierten. Zwei Stammsilben gegenstandsbezogener unterschiedlicher Objekte und Sprachen, dar lat.-romanische Stamm „vil“ (Landgut, Bauernsiedlung, Gebäudekomplex) einerseits, sowie das germanisch-deutsche „berg“ als geographische Situation andererseits funktionieren als Begriffskombination „prosprial“, sie bilden ein „Anthroponym“ (Eigen- oder Personennamen), das erblich eingesetzt die damit individualisierte Personengruppe als Familie oder Sippe konturiert und von anderen, gleichartigen „Objekten“ abgrenzt. Frühe Orts- und Familiennamen sind vielfach bereits ursprünglich identisch. Ein erster Stammesführer soll sich Wilebert genannt haben. Die Herren „vom Wilberge“ unterwarfen benachbarte gleichartige „Objekte“, dehnten solchermaßen ihre Herrschaft aus und legten zur Sicherung der vereinnahmten Territorien  Burgen an. 

      Im Stiftsarchiv des weltberühmten Klosters St. Gallen wird eine Pergamenturkunde aus dem Jahr 853 aufbewahrt, wonach Abt Grimald den Edlen Wolfried mit drei „Gemarchen“ innerhalb einer der frühesten christlichen Gemeinden, Wila im Tal der Töss gegen einen Zins von vier Denaren belehnt: Herichunmaracha (Ehrikon), Scalchunmaracha (Schalchen) und Willipercsmaracha (Wilberg, später fälschlich Wildberg). Auch der alemannische Begriff „Maracha“ enthält mit „margo“ eine lateinische Spur, wird althochdeutsch zu „marcha“ und beschreibt den Grenzbereich eines Territoriums, die Gemarkung, hier die Gemarkung Williperc bei Gündisau und Turbenthal an der Töss. Die Stankt Gallener „Urschrift“ weist somit zweifelsfrei die Begriffskombination „wil“ und „berg“ nach, die den später aus Unkenntnis in Sprach- und Schriftumgang gattungsverfremdend eingeflossenen „d“     oder „t“- Einschub nicht kennt. Dagegen darf die orthographische „ll“-Version, also „Willberg“, im Wechsel für das gleiche Objekt ohne Abweichung vom Denotat, da ursprünglich verbürgt, für legitim gelten. Desgleichen bleibt die Denotation auch von den Varianten  „perc“, „burg“ oder „borg“ unbeeinflusst.

      Im Süden und im Südwesten des mitteleuropäischen Sprachraums  fand die erste Unterscheidung von Personengruppen und deren einzelnen Angehörigen unter einem erblichen Namen statt, eine Methode, die den sich verändernden kulturellen, wirtschaftlichen und sozilogischen Bedingungen entsprach. Die Stammsilben der Topoi menschlichen Wirkens (Bauwerke) und die einer geographischen Situation verbanden sich zum Anthroponym „Wilberg“. Die These scheint mithin kaum abweisbar, wonach diese Begriffsbildung als erblicher Familien- und Personenname mit den frühesten Ausbildungen von Geschlechteridentifikationen im Raum der romanisch-alemannischen Sprachgrenze der heutigen Schweiz ursprünglich in Gebrauch kam.[1]               

      Nach längerer Informationspause, etwa zu Beginn des dreizehnten Jahrhunderts wird dokumentiert, dass der Edle Walter I. von Wilberg, Vogt des St. Gallener Besitzes im Marien-Kirchspiel Wila, in seinem „Dorf“ Wilberg, südwestlich der Burg Tössegg gelegen, eine neue Burg errichtet. Nur wenige Jahrzehnte später erbaut Rudolf von Wilberg einige Kilometer entfernt, oberhalb vom Dorf Gündisau, eine noch prächtigere Burg. Scheinbar nutzten die von Wilberg die kaiserlose Zeit um die Mitte des 13. Jahrhunderts und unterwarfen weitere Siedlungen der Umgebung, unter anderen Gündisau, Ehrikon oder Schalchen bis hin nach Irikon und machten die Bauern zu Hörigen. Die zahlreichen „Wil“-Orte in dieser Region dürften jedoch zumeist Relikte der ehemaligen römischen Herrschaft sein: Neschwil, Lüdetswil, Hermatswil, Machetswil, Bitterswil, Wilen, Wilhof, usf.[2]

      Bereits kurze Zeit nach der Erbauung, um 1320, brannte die Burg der Ritter von Wilberg im Dorf Wilberg (heute Wildberg) bei Turbenthal nieder und ein Sohn, erst etwa acht Jahre alt, ertrank im Mühlenbach bei der Bläslimühle. Für dessen Seelenheil unternahm Johann von Wilberg einen Pilgerritt nach Rom und stiftete 1329 der christlichen Gemeinde zu Wil(d)berg eine neue Kirche, die Liebfrauenkapelle. Auf den Grundmauern der zerstörten Burg soll später das Pfarrhaus erbaut worden sein.        

      Die Ritter von Wilberg saßen aber auch auf ihrer Burg Wilberg bei Bronschhofen, einem kleinen Ort ca. 3 km nördlich der auf einem Berggrat gelegenen Stadt Wil im Kanton St. Gallen. Eine weitere Burg Wilberg befand sich ca. 12 km südlich von Wil zwischen den Dörfern Oberrindal und Unterrindal. Sie wurde 1290 zerstört, wieder aufgebaut und ist später auf die von Grießenberg und Eppenberg übergegangen. Die Burg ist heute Wüstung und bis auf die Spuren eines Wallgrabens nahezu unkenntlich. (Grabungs- und Ruinenfeld Burgwies?)

     Der Ritter Hans von Wilberg, Herr zu Rapperswil, auch genannt der „Tössegger“  nach seinen Besitzungen bei Gündisau, in Wilberg und Tössegg südlich Turbenthal, vermählt mit Ursula von Rambach (gest. 1371 oder 73), Tochter des Otto von Rambach und der Elisabeth Biberli, fiel in der Schlacht von Näfels am 9. April 1388.

     Bei Näfels, Kanton Glarus am Walensee, besiegten die Glarener mit ihren Verbündeten ein österreichisches Reiterheer und sicherten sich damit die Zugehörigkeit zur Eidgenossenschaft, die 1291 auf dem Rütli von den drei Ständen Uri, Unterwalden und Schwyz zum Kampf gegen die Herren von Habsburg beschlossen wurde. Die Gedächtniskapelle soll bereits ein Jahr darauf, 1389 errichtet worden sein, wo noch heute jährlich eine Erinnerungsfeier, die „Näfelser Fahrt“ stattfindet.

     Das Bronschhofener Schloss Wilberg derer von Wilberg bei Wil ist der Schauplatz folgender Sage:

                                                      S a l v e   R e g i n a

 

     Der Ritter Hans von Wilberg zog mit den Glarenern aus in die Schlacht bei Näfels. Seine einzige Tochter Gutta litt unter schlimmen Ahnungen und bat ihn, er solle nur diesmal dem blutigen Ringen fern bleiben. Doch ihr Bitten war vergeblich, denn die Wilbergs kannten keine Furcht.

     Am folgenden Abend aber, zur Zeit als Gutta zur Himmelskönigin betete, erklang die Glocke am Burgtor von selbst, das Tor öffnete sich und herein sprengte der Ritter Hans als ein Toter mit klaffender Wunde. Er segnete seine Tochter und verschwand wie er gekommen war. - Mit ihm war das Geschlecht der Wilbergs erloschen.

     Gutta vermachte ihr Besitztum der Kirche zu Wil und bat, dass man jeden       Abend um sechs Uhr die Glocke läute und ein „Salve Regina“ singe, zu dem sie sich selbst einfand. Der Küster war angewiesen, die Glocke zu läuten, bis das fromme Fräulein die Kirche betrat. Dann schwieg das Geläut und die Andacht begann. Aber eines Abends tönte die Glocke lange über die gewohnte Zeit hinaus, aber das Fräulein erschien nicht und erschien auch niemals wieder. Mit dem Schlag zur sechsten Stunde war ihr Lebensabschied sanft hereingetreten und die Salve-Glocke zu Wil ihr Sterbeglöcklein geworden. Sie lag tot in der nun verlassenen Burg ihrer Väter und war in die Schar der Seligen aufgenommen. Der Bericht ihrer alten Dienerin, das Marienbild über dem Haupte der Sterbenden habe ein mildes Licht über das brechende Auge ergossen, fand allgemein willigen Glauben. Die Burg selbst aber wurde von den Appenzellern 1408 zerstört und vergebens sucht man heute ihre Spuren.

      Die Bronschhofer aber maßten sich die Gegend des Schlosses nun widerrechtlich als Allmende an, aber Abt Ulrich von St. Gallen behauptete das Land im Rechtsstreit gegenüber den Bronschhofern und führte den Weinbau ein. Wahrscheinlich mussten die Steine der Burg zum Gemäuer der Torkelhütten dienen. Im Jahr 1505 sah man noch einige Trümmer „am Wege, da man gat nach Bronschhofen“, dem jetzigen Weg durch die Rebgärten. Diese Trümmer waren einst die Burg Wilberg.   Jetzt sind

auch diese verschwunden. Aber über ihnen aber wächst ein Wein, der Feuer und Kampflust jener Ritter geerbt zu haben scheint und den Namen der Wilbergs alle Ehre macht.[3]                                                                         

         Die Sage stützt sich also durchaus auf geschichtliche Ereignisse. Allerdings muss der Behauptung widersprochen werden, mit dem „dramaturgisch geschickt“ erzählten letzten Auftritt des Geisterritters Hans von Wilberg sei das Geschlecht der Wilbergs erloschen. Nach genealogischen Quellen hatten Hans von Wilberg und seine Gemahlin Ursula von Rambach, (gest. 1371 oder 1372. Von Wilberg soll nach deren Tod um 1372 eine zweite Ehe mit Brida von Hinwil eingegangen sein), einen Sohn, gleichfalls Hans von Wilberg genannt. Von diesem ist überliefert, dass er 1385 eine Pilgerfahrt nach Jerusalem unternahm und mit Amalia von Gösgen (gest. um 1436), Tochter des Johannes von Gösgen und der Adelheid Strieber vermählt war. Hans von Wilberg starb 1406, demnach zwei Jahre vor der sagenhaften Zerstörung ihrer Burg bei Wil. Beider Sohn Heinrich von Wilberg wiederum ehelichte Ursula von Rigggenberg, Erbin der Herrschaft von Brienz und Riggenberg, nördl. Interlaken, Kanton Bern. Der „Tössegger“ Heinrich von Wilberg wird 1406 als Bürger (?) von Rapperswil und 1415 desgl. Von Aarau genannt. Hierzu zwei Regesten:

        1430/1432: Akta: Im Streit der Riggenberger  Herrschaftsleute  Heinrich  und Ursula von Wilberg, Brienz und Riggenberg und das Kloster Interlaken um die Handhabung der Vogtrechte, bestätigt Bern, dass die Herrschaften ihre Amtmänner selbst wählen dürfen. Heinrich von Wilberg stirbt 1438.

        1439: Akta: Ursula von Riggenberg, Witwe des Heinrich von Wilberg, verkauft ihren Anteil an der Herrschaft  Riggenberg um 4.600 Rheinische  Gulden dem Kloster  Interlaken, das damit in den vollen Besitz der Riggenbergschen Vogtei gelangt. 

        Ursula von Wilberg und Riggenberg  stirbt um 1440 und  hinterlässt eine Tochter  Beatrix. Diese vermählt sich mit Friedrich von Hinwil und beide haben eine Tochter Elisabeth. Beatrix von Wilberg geht eine zweite Ehe ein mit Hugo von Hegi (gest. um 1450).

        Aber der Einflussbereich derer von Wilberg im hohen Mittelalter wird wesentlich im Dreieck zwischen Winterthur, Rapperswil und Wil östlich Zürich zu suchen sein. Bekanntlich besitzen sie ein Schloss im Dorf Wil(d)berg, sind Herren auf Burg Tösseg (heute Ruine) bei Turbenthal, Kanton Zürich und um 1250 baut Rudolf von Wilberg wenige Kilometer südlich zwischen den Dörfern Gündisau und Madetswil, unweit vom Weiler Steinland auf einem bewaldeten Hügel eine neue Burg. (s.o., beurkundet 1257). In unmittelbarer Nachbarschaft befindet sich einer der höchsten Wasserfälle des Kantons Zürich, der Steinlandgießen. Noch in unseren Tagen wird der ehemalige Burgberg „Schlosshügel“ genannt, von der Burg selbst aber zeugen zwar noch zahlreiche Steine, jedoch keine kompakten Mauerreste. Zwei auffällige Erdhügel und der ehemalige Burggraben erinnern an vergangene Größe. Auch diese Burg der Herren von Wilberg, verwaltet von einem adelsständigen Hofbeamten Dietmar, lebt in einer finsteren Sage fort:

 

M e i n r a d s  R a c h e

 

        In der zweiten Hälfte des dreizehnten Jahrhunderts hauste auf Burg Wilberg bei Gündisau der gewalttätige Raubritter Diethelm von Grießenberg und plünderte seine hörigen Bauern nach Belieben aus. Nur gegenüber den Herren von Wilberg und Schalchen, die sich friedlich verhielten, vermied er sorgsam jede Konfrontation aus Furcht, diese könnten sich auf Seiten der Bauern gegen ihn wenden.

        Unweit des Dorfes Steinland am Steinlandgießen wohnte derzeit ein Bauer Meinrad Bünzli und seine Familie. Im Sommer des Jahres 1291 flüchtete dessen jün-

gere Schwester Ida in der Blüte ihrer Mädchenjahre vom Elterlichen Hof bei Tur-benthal und verbarg sich bei ihrem Bruder Meinrad, da ihr der Freiherr von Breitenlandenberg nachstellte. Aber auch hier wurde die Schöne bald aufgespürt. Der rauhe Diethelm von Grießenberg überfiel Meinrads Hof, raubte das hilflose Mädchen und überschüttete den Bauern mit Hohn und Spott. In wildem Zorn setzte Meinrad dem Räuber nach, riss ihn vom Pferd und beide gerieten in ein Handgemenge, währenddem es Ida gelang, zu fliehen. Diethelm ließ von seinem Gegner ab und eilte wutentbrannt der Flüchtenden nach, konnte aber nur noch zusehen, wie diese sich in den Gießen hinabstürzte. Fluchend wandte er sich gegen Meinrad, doch ehe er sich´s versah, stieß ihn der Bauer in die Tiefe, in das höllische Brautbett des Wasserfalls.

        Meinrad stieg in die Schlucht hinab und fand seine Schwester tot. Nicht weit entfernt, am Nagelfluhfelsen beim Gießen, lag auch der Ritter Diethelm mit zerschmetterten Gliedern. Im glühenden Rachedurst entriss ihm Meinrad sein Schwert und erschlug ihn mit der eigenen Waffe. Schmerzerfüllt trug er den Leichnam seiner Schwester heim und machte sich sodann besorgt auf den Weg zum Bruggetwald, wo der Einsiedler Bruder Josef lebte. Der sonst fromme Dulder aber riet ihm, die Situation zu nutzen, das herrenlose Raubnest ohne Blutvergießen auszunehmen und den roten Hahn aufzusetzen.

        Eiligst begab sich Meinrad nach Gündisau zum riesenhaften Kriegsmann Lorenz Gubler, der seit langem große Lust verspürte, das Raubgesindel auf der Burg mit dem Strick zu erhöhen. Zunächst schien es ihm unglaubhaft, dass Diethelm drunten im Tobel von Meinrad erschlagen liege. Dann aber hielten sie Rat und riefen aus Schalchen und Gündisau wehrhafte Männer mit Sensen, Spießen, Äxten und sonstigen Waffen zusammen und umstellten unter Führung von Bünzli und Gubler heimlich das Eulennest.

        Auf der Burg hielt man indessen Rat ob ihres zu lang ausbleibenden Herrn und die Wehrhaften beschlossen, sich auf die Suche zu begeben. Die Brücke wurde herabgelassen und mit Fackelschein verließen die Kriegknechte das Schloss. Ohne Verzug stürmten darauf die Bauern hervor, überrannten die Burg und ließen sie in Flammen aufgehen.

        Ritter Diethelm soll in der Nähe begraben worden sein und da er ohne Manneserben starb, wurde die Burg nicht wieder aufgebaut. In den Gewölben aber, so will es die Sage wissen, haust noch heute der Ritter und bewacht seine geraubten Schätze:

                        Im düsteren Gewölbe bannt ihn die Verdammungspein,

                      kein süßer Mondschein dringt in die dunkle Nacht hinein,

                        wo der letzte Raubgenoss haust im Gündisauer Schloss. 

 

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        Auch in diesem Fall darf die Sage sich irren, denn das Schloss Wilberg bei Gündisau wurde erst im alten Zürichkonflikt im Jahr 1443 zerstört. Dennoch – ohne geschichtsphilosophischen Diskurs - auch hier muss die Sage eintreten für das, was die Historie verschweigt. Von der Herrschaft Wilberg sinkt bereits im Mittelalter der Name über die niedere Adelskategorie in das Bürgertum ab. Im Jahr 1114 ist das                                                                              „Herrengeschlecht“ von Wilberg in Muri im Aargau bezeugt, 1197 „Wilperc“ im Engelberger Urbar, Kanton Obwalden. Aber bereits 1383 wird ein Hermann von Wilperc als Bürger von Luzern genannt und nur wenig später, 1390, Johannes von Wilberg als Bürgermeister und Rat in Zürich. Im Jahr 1391 folgen Heinrich Manesse und Burckhard von Wilberg. Um 1401 vermählt sich Hans von Meiß (gest.in Zürich 1410, Pest) mit Verena von Wilberg, Tochter des „Ratsherrn und SeckelmeistersBurckhard von Wilberg in Zürich und seiner Ehefrau Catharina Brennschinck.

 

 

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   Wilberg in Baden-Württemberg

 

     Es ist anzunehmen, dass „Wilberg“ bereits lange vor der Jahrtausendwende als Personen und Geschlechtername mit dem Christentum seine Wanderung nach Norden antrat. Mit einigen Niederlassungen in germanischen Stammländern und mit territorialem Gewinn bildeten sie – wenn auch historisch weitgehend unbedeutende – neue Herrschaftsräume.

         Ins Auge fällt zunächst die Ortschaft Wildberg in Schwaben, die siedlungsstrategisch geschickt auf dem Höhenrücken einer Nagoldschleife angelegt wurde. Nicht nur die Ähnlichkeit mit der Anlage von Wil in der Schweiz ist auffällig, auch das Wappen der Stadt, ein Antiqua-W auf rotem Grund, gleicht dem, wenn auch vor hellem Hintergrund (herald. Silber), eines farbigen Fensters (sign. AD 1933) der Stadtkirche St. Nikolaus in Wil.

         Die Burg Wilberg an der Nagold soll auf die Regierungszeit Rudolfs I., Pfalzgraf von Tübingen zurückgehen oder - etwa um 1200 - bereits vorhanden gewesen sein. Der Erbauer ist jedoch unbekannt  Erstmals bezeugt ist sie mit einer Urkunde aus dem Jahr 1237, wonach es einen „pincerna de wilpberg“, einen Hofbeamten im Adelsstand (eigentlich Mundschenk) auf der Burg Wilberg gab. Ferner wird in der gleichen Urkunde (Hauptstaatsarchiv Stuttgart) ein „Pleban von Wildorf“ genannt. 1303 regiert auf dem Schloss „Burghard de Wilpperg“. Die Herrschaft Wilpberg wird im Jahr 1355 unter den Brüdern Burkhard VII. und Konrad I. geteilt, wobei „Schloss Wilpperg Burg und Stadt“ im gemeinsamen Besitz verbleiben. Laut Urkunde vom 14. Juli 1363 verkaufen Burkhard von Hohenberg, Herr zu Wilperg, und seine Frau Anna von Brauneck ihre Hälfte an Burg und Stadt sowie Kloster Reuthin an den Wittelsbacher Pfalzgrafen Ruprecht I. bei Rhein. Nach beständigem Streit um Machtansprüche und  Rechte verkauft der Pfalzgraf 1440 das Besitztum Wilpperg an die Württemberger, womit der herrschaftliche Name erlischt, für Schloss und Stadt jedoch fortbesteht.    

          Die orthographische Verunsicherung wird auch hier in allen erhaltenen Urkunden deutlich. Nach „Wilpberg“ und „Wilpperg“ erscheint dennoch neben „Wiltberg“ und „Wildberg“ immer wieder die Urform Wilberg. Drei Epitaphien aus der Zeit des ausgehenden Mittelalters in der Martinuskirche zu Wildberg mögen dies belegen:                                                 

       

 

   1561

   Bandinschrift: GOTTES  WORT  BLEIBT  IN EWIGKEIT  BESTAHN

   

    ANO DOMINI  MDLXI  AM  TAG  ELISABETHAE  STARB  DIE ERBAR UND

TUGENDSAME  FRAU ELISABETA  KELERIN VON SCHWEBISCHE GMIND

MATHEI  HELERS  KELLERS  ZU  WILTBERG  EHELICHE  HAUSFRAU

DER GOT AIN FRELLICHE UFERSTEHUNG GEB.  AMEN

 

 

   1573

        ANNO  DMINI   1573  DEN 23. TAG DES MONATS MAI UM 12 UHR VOR

      MITTAG  HET  DER  ALMECHTIGE GOT AUS  DISEM  ZERGENGLICHEM

      LEBEN UND JAMMERTAL ZU SEINEN GETLICHEN GNADEN SELIGLICH

     ERFORDERT  DEN  EHRENFESTEN UND ACHTBAREN ALTEN  MATHEUS

     HELLER GEWESENEN KELLER  ZU  WILBERG  DER  AHLHI  BEGRABEN

              DEMSELBEN  WELE SEIN  GOTLICHE  ALMECHTIGKEIT  SEIN

      FREHLICHE  AUFERSTEUNG  MIT  ALLEN  AUSERWELTEN VERLEIHEN

                                                                 AMEN    

 

    1595

             ANNO  DOMINE  1595   DEN  25. TAG  NOVEMBRIS  UMB  12  UHR

                   VORMITTAG  HAT  DER  ALMECHTIGE  GOT  AUS  DISEM

     ZERGENCKLICHEN LEBEN UND JAMMERTHAL ZU SEINEN GÖTTLICHEN

                GNADEN SELIGLICHEN ERFORDERT DEN ERNHAFTEN UND

            ACHTBAREN GEÖRG BEREN GEWESENEN BÜRGERMEISTER ZU

             WILPERG DER ALLHIE BEGRABEN. DEN SELBEN WÖLLE SEIN

         GÖTTLICH ALLMACHT EIN FRÖHLICHE UFERSTEHUNG MIT ALLEN

                                    ANERWELTEN  VERLEIHEN.     AMEN.

 

         Letztlich fährt man sich orthographisch fortan auf das stereotype „Wildberg“ ein (seit 1876 amtlich) und akzentuierte damit unsterblich die erklärende „viel Wild in den Bergen“- oder „Wilde-Berge“-Theorie“. Das Schloss überdauert seine bewegte Geschichte, wenn auch mit einigen Veränderungen - -  bis  1945. Am 22. Februar dieses Jahres wird der unbewehrte Gebäudekomplex grundlos von vier US-Ame-rikanischen Bombern angegriffen und zerstört. Es beherbergte ein Müttergenesungsheim, 53 Menschen werden getötet.[4]   

 

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   Wilberg in Unterfranken

 

         Das Geschlecht derer von Wilberg in Unterfranken findet sich im Jahr 1123 erstmals beurkundet, die Burg Wil(d)berg bei Sulzfeld / Königshofen tritt 1164 als Besitztum des Mangoldus de Wilperc ins Licht der Geschichte. (Heute Ruine).

         1155, Akta: Gyso von Hildenburg übergab zum Heil seiner Seele sein Gut in Frickenhusen mit der Advokatie und allem Zubehör, bebaut oder unbebaut durch seine Stellvertreter Adalbert von Hildenburg und Berthold von Wilperc der Kirche zu Wechterswinkel als ewiges Besitztum.          

         1233, Akta: „Graf Mangold von Wilberg“ überträgt dem 1231 gegründeten Kloster Himmelpforten zu Himmelstadt, südlich Karlstadt am Main, einen Weinberg von 8 Morgen.

         1243, Akta: „Graf Konrad von Wil(d)berg“ vermählt sich mit Margarethe, der jüngsten Tochter des Grafen Poppo VII. von Henneberg (vordere Rhön) und vermacht seiner Gemahlin das Städtchen Hofheim (als Morgengabe).

         1246, Akta: Lugduni, November 22., Innozenz IV. gewährt dem „Grafen Mangold von Wilperc“, Würzburger Bistums, und seinen Söhnen Mangold und Marquard, dass sie ohne besonderen päpstlichen Befehl nicht gebannt werden dürfen.

         1246, Akta: August 19. Zu den mit Unterstützung des päpstlichen Subdiakons „Hermann von Wilperc, Sohn des Grafen Mangold von Wilperc“ erhörten Fürbitten Weltlicher aus der Zeit bis zum Tode Heinrich Raspes zählen die des Grafen Ulrich von Pfirt und des Grafen von Everstein und Waldeck (!) um Aufnahme eines Paderborner Geistlichen als Stiftsherrn in Nigenkerken (Neuenkirchen).

1298, Akta: „Graf Konrad von Wilberg“ verschenkt die Hälfte seines Schlosses Wil(d)berg dem Herren von Bundorf (nördl. Hofheim). Nach dem Tod des Nachfolgers Konrad von Wil(d)berg im Jahr 1453  wird Hofheim Hennebergisch.

Es ist nicht ausgeschlossen, dass der Name über das Bistum Würzburg in den nordwestdeutschen Raum einsickerte. (Vergl. Everstein u. Waldeck, 1246). Die romanische Burg Wil(d)berg (auch Wildenberg) derer von Wilberg bei Ulsenheim, östl. Uffenheim in Mittelfranken, eine Hauptburg der staufischen Epoche, beherrschten einst (um 1271) u. a. die Herren von Durne. Hier soll Wolfram von Eschenbach einen Teil seines „Parzival“-Epos verfasst haben. Die Burg wurde im Bauernkrieg 1525 zerstört, weinige architektonisch eindrucksvolle Reste zeugen von einstiger Größe.

 

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   Wilberg in der Rheinpfalz

 

        Auch im Rhein-Moselland liegt der Ursprung derer von Wilberg (auch Wiltburg oder Wildberg) und ihrer Stammburg im Soonwald bei Kloster Ravengiersburg im Dunkeln. Erst 1239 siegelt Volker von Wiltberg eine Urkunde, die dem Kloster die Freiheiten seines Klosterhofs in Enkirch sichert. Im Jahr 1241, am 23. Oktober, sind es Volker von Wilberg und sein Bruder, Ritter (castellani) Philipp, die eine Urkunde unterzeichnen. 1333 werden die Brüder Haugh und Johann von Wil(t)berg vom Grafen Johann III. von Sponheim-Starkenberg mit Gütern in Enkirch belehnt. Man nimmt an, dass es sich um die Erneuerung eines bereits bestehenden Lehens handelte. Das Lehngut zu Enkirch wird laut Vertrag 1389 am Fest Beate Remigi unter den Brüdern Heinrich und Johann von Wilberg geteilt.

     Spätestens zur Zeit der Reformation beginnt das Geschlecht zu verarmen. 1549 ist „Freyherr“ Heinrich von Wil(d)berg Amtmann in Münstermaifeld und sein Bruder Nicolaus besitzt ein „großes adliches Haus“ in Enkirch, Haugh dagegen behält Alken. Es handel sich offenbar um drei Söhne des Hans von Wilberg, der laut Epithaphinschrift in Enkirch 1572 stirbt, (siehe unten). 

      Die alte evangelische Kirche von Enkirch (urkundl.von 908) an der Mosel nördl. Traben-Trarbach war einst die Grablege der Herren von Wilberg, die dort auf einigen Epithaphien ihr Wappen und Inschriften aus dem 16. Jahrhundert hinterließen. Sie sind zum Teil in das Landesmuseum Bonn überführt worden.

 

 

1538

   ANNO MDXXXVIII DEN 16. DAG FEBRUARII IST GESTORBEN DER

              ERNFEST JUNCKER HANS VON WILTBURG HERR ZU ARENDAL

                                               DER SEELEN GOTT GENA

 

   1553

            ANNO MDLIII AUF DEM SUNDAG OCULI ZU MITTAG IST IN GOTT

              VERSCHIEDEN DIE EDLE TUGENDSAME FRAU VERONICA VON

                 WILDBURG GEBORENE VON PRAUBACH DER SEEL GOT  IN

                                                   EWIGKEIT GENAT

 

1572

          ANNO DOMINI MDLXXII DEN ERSTEN DAG DES MONATS OCTOBRIS

               IST IN GOT VERSTORBEN UND ALLHIER BEGRABEN DER EDEL

                UND EHRNFEST HANS VON WILBERG SEINES ALTERS 57 JAR

    DESSEN SEELEN DER HERR GNADIG UND BARMHERZIG SEIN

          WILL.   ANNO 1679 IST DAS EPITAPHIUM AUFGERICHT

         

 

         Über der Kanzel befindet sich ein Totenschild mit Wappen und Inschrift für

 Hans, dem  Alten von Wiltburg.   

         Die Burg verfällt. Im Jahr 1783 heißt es in einem Kellereibuch von Trarbach, „der Freyherr von Wiltberg zu Coblenz (!) … besitzt einen sehr beträchtlichen Hof dahier, wozu viel Renten von Leibeigenen, Zehenden und Güthern aus der Nachbarschaft kommen und worüber zu allen Zeiten ein eigener Amtskeller bestellt ist.“ Im Jahr 1832 verlieren die Freiherren von Wil(d)berg ihre restlichen Güter und werden bürgerlich. [5]

                                                                 

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    Wilberg in Brandenburg

 

        Wil(d)berg, Burg (Zeit unbekannt) und Dorf aus dem 14. Jahrhundert südwestlich von Neuruppin im Temnitztal. Bis 16. Jahrhundert adlige Familie von Wilberg. Burg Wil(d)berg archäologisch nachgewiesen seit 1874, ergraben wurden u.a. die Grundmauern eines quadratischen Turms.

        Auf Burg Ziesar (948: „civitas ezeri“), seit 1214 Brandenburgische Bischofsresidenz, sollen, nach Heinrich Pridik, die von Wilberg als Burgvögte gedient haben.  Adel erloschen, der Name lebt im bürgerlichen Stand fort.

 

        Wil(d)berg, Dorf westlich Altentreptow, seit 1249 dokumentiert. Kein Adel nachgewiesen. Besonderheit: Kirchturm aus dem Spätmittelalter in Fachwerk und verbrettert.

 

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        In der karolingischen wie auch in der nachkarolingischen Epoche ist es also den Wilbergs gelungen, sich auf dem Weg nach Norden bestimmte, wenn auch relativ bescheidene Ressourcen zu sichern und bis in die Zeit des Ersten deutschen Reiches zu behaupten. Über Ministeriale und Patrizier bis hin zu Bürgern und Großbauern setzt sich die Namenstradition fort, bleibt jedoch konzentrisch weitgehend auf kulturelle Reliktgebiete im westlichen Deutschland beschränkt. Mundartliche Entstellungen sind im kulturgeographisch zerrissenen „Reich“ hinzunehmen, richten jedoch kaum Schaden an. Zu hartnäckig hat sich die vertraute, da uralte, in der indogermanischen Sprachtradition wurzelnden Dyade (Zweigliedrigkeit) von Personennamen nicht nur behauptet, sondern auch als Zweit- oder Familienname etabliert und erhält, auf Hof- und Ortsbezeichnungen übergehend, sein ursprüngliches Denotat (begriffl. Inhalt) als Toponym zurück. Zudem lässt sich der Name zur Unterscheidung der Geschlechter als feminines „nomen proprium“ (Eigenname) spezifizieren und taucht als „Wilburga“, „Wilburgis“, „Wilbergis“ oder „Wilberga“ urkundlich neben dem „nomen gentilicum“ (Zweit- oder Familienname) bereits im hohen Mittelalter auf. Erst sehr spät, am Ende des 18. Jahrhundertes, überzeugt der Gebrauch eines Familiennamens auch die friesischen Bewohner der Nordseeküste und endlich erreicht „Wilberg“ auch den Süden Norwegens, wo der Name gelegentlich in „Vilborg“ oder „Vilboerg“ übersetzt wird. Das mehrheitliche Vorkommen der Urform „Wilberg“ daselbst bezeugt jedoch, dass er, obgleich typologisch leicht als germanisch verortet, in Skandinavien nicht ursprüglich ist.[6]    

        Im mitteldeutschen Sprachraum, an der Unterelbe und schließlich auch ostelbisch konstatiert man nur eine dünnschichtige Streuung des Namens zwischen Thüringerwald und Ostsee, die wohl schwerlich eine Hinterlassenschaft des frühzeitig erloschenen Wilberg -Adels in Brandenburg darstellt. Vielmehr wird die christliche Ostkolonisation mit ihren zahlreichen Einzelhöfen und ihrer Berührung mit der slavischen Kultur für diese Erscheinung verantwortlich sein. Eine Slavisierung des Namens ist jedoch kaum erkennbar, die geistigen Kräfte missionarischen Eifers setzen sich deutschsprachig durch und die Kirche bietet ausreichend Gelegenheit, den Kolonisten nicht nur Höfe, sondern ihren Interessen gemäße, daher höchst notwendige Bildungsmöglichkeiten über die ehrbare Geistlichkeit zu vermitteln.

         In Mittel- und Ostdeutschland sind nachreformatorisch „Wilbergs“ auffallend häufig als Küster, Organisten, Prediger, später auch Maler bezeugt und schließlich, „neuzeitlich“, als Lehrer, einem derzeit noch unausgereiften „Beruf“. Hier greift nun auch das preußische Staatswesen ein und sucht durch noch im Entwicklungsprozess befindliche Institutionen intensiv die allgemeine Bildung zu fördern. Geeignete Persönlichkeiten rekrutieren sich mehrheitlich aus dem oben genannten Umfeld, oft gar aus deren Unterschichten (Küster, Kirchendechen).

         Folgende Auswahl biographischer Skizzen vermittelt beeindruckend den damit einhergehenden mühsamen sozialen Aufstieg einiger Persönlichkeiten des Namens Wilberg sowie ihr pädagogisches und künstlerisches Wirken.               

 

    Wilberg, die Lehrerdynastie,

   Bildungsengagement zwischen Absolutismus und Aufklärung:

 

        Wilberg, Johann Friedrich, Reformpädagoge, geboren am 5. November 1766 im brandenburgischen Ziesar als Sohn eines preußischen Unterbeamten, wuchs in armen dörflichen Verhältnissen auf und seine Schulbildung war weitgehend autodidaktisch geprägt. In der Schlacht bei Torgau (3. 11. 1760) verwundet, konnte Vater Sebastian Wilberg (geb. 9.8.1741 in Karow) seine vierköpfige Familie nie ausreichend versorgen, so dass Johann Friedrich zum Großvater, dem Kantor und Küster – in welcher Eigenschaft er auch „Schule zu halten hatte“ – Leopold Wilberg in das benachbarte Dorf Karow gegeben wurde. Die Lebenswelt um Dorfschule und Kirche sollte seinen künftigen Werdegang entscheidend prägen. „Der religiöse Sinn“, so schreibt er später, „ist das eigentliche Unterscheidungsmerkmal des Menschen (gegenüber anderen Wesen), worauf sich ein festes Gebäude der Bildung, des Verstandes und des Wissens aufrichten lässt.“    

          Eine Anstellung des Vaters bei der Bauverwaltung führt ihn 1778 mit der Familie für kurze Zeit nach Potsdam, aber die kleine Besoldung kann die Armut kaum lindern, so dass die Mutter „mit Spinnen des Flachses“ aushelfen muss. Die Schule in Potsdam wird von einem „schön gebildeten Soldaten“ (!) gehalten, wobei er zwar „gar zierlich schreiben“ lernt, aber auch erfährt, dass „in der Schule der Stock der Präzeptor klassikus, die Ruthe Kulturmaschine, und Feigen einer gewissen Art ausgetheilt wurden, ohne dass jemand verlegen darum war“.

          Mit Ausbruch des bayerischen Erbfolgekriegs 1778 wird das „Königliche Baukomtoir“ in Potsdam aufgelöst und Sebastian Wilberg mit dem „Kriegskommissariat“ nach Sachsen verlegt. Infolge seiner alten Beinverletzungen - im Lazarett von Torgau vergeblich behandelt - stirbt er dort, wo er vor 18 Jahren gekämpft hatte.

       Johann Friedrichs Mutter kehrt zurück nach Potsdam, während er selbst wieder nach Karow geschickt wird, wo derweil ein Bruder seines Vaters als Hilfslehrer angestellt ist. Durch Bekanntschaft mit der Grundherrin Gräfin von Wartensleben bekommt er „manches nützliche Buch in die Hand“, erhält Unterricht beim Ortspfarrer und wird am 25. März (1781?) konfirmiert. Familienzwist treibt ihn wieder in die Armut seiner Mutter, worauf er sich „wohl sechs Wochen über siebzig Meilen“ auf die Suche nach einer Lehrstelle und einer neuen Bleibe begibt. Ein Bekannter seiner Großmuter in Karow, der Seifensieder Bredow, nimmt ihn schließlich mit nach Brandenburg und vermittelt ihn als Schneiderlehrling bei Meister Lake. Hier gefällt ihm weniger das Schneiderhandwerk, als vielmehr die Bekanntschaft im Hause des Meisters verkehrender Personen „gehobenen Standes“ und die Lektüre von „Heinrich Stillings Jünglingsjahre und Wanderschaft“. Bildungsbedarf durch die einen und Trost durch das Schicksal Johann Heinrich Jung-Stillings, das dem seinen zu gleichen scheint, motivieren seine Zukunftshoffnungen als Philologe oder Theologe. Aber die Saldernsche Gelehrtenschule zu Brandenburg bleibt ihm verschlossen, auf der Lafette einer Kanone sitzend betreibt er oft im Freien neben der Arbeitszeit Selbstbelehrung durch Lesestoff, den er endlich aus eigenen Mitteln erwerben oder ausleihen kann. Da ihm als Autodidakt der erträumte Zugang zur Haller Universität versagt bleibt, erteilt er den Handwerksburschen Unterricht im Lesen und Schreiben.

       In beruflicher Angelegenheit als Schneider zum Prediger nach Krahne gesandt, erkennt Pater Rudolph schnell das Talent des jungen Mannes und erwirkt seine Aufnahme in die Schule des Domherrn von Rochow im benachbarten Gut Reckahn. Hier hatte erst wenige Jahre zuvor der Agrar- und Bildungsreformer Friedrich Eberhard von Rochow (1734-1805) auf seinem Gut mit der Entwicklung eines geeigneten Schulsystems mit aufgefächertem Lehrprogramm für die Landjugend begonnen, dazu ein eigenes zweiklassiges Schulhaus bauen lassen und sich u. a. der Mitarbeit des Pädagogen Heinrich Julius Bruns versichert. Eberhard von Rochows erfolgreiche Arbeit wurde schnell zum Vorbild für ähnliche Projekte in Preußen.

       Des Schneiderberufs ledig, besucht Johann Friedrich Wilberg von Dezember 1788 bis Mai 1789 die damals angesehene Schule des Herrn von Rochow und lernt besonders die Methode des Heinrich Julius Bruns schätzen. Beide „väterlichen Freunde“ empfehlen ihn bereits im Frühjahr dem Lehrerseminar zu Berlin. Hier geht er selbstbewusst gern seine eigenen Wege und hospitiert an verschiedenen Schulen Berlins, was nicht immer den Vorstellungen der Seminarleitung entspricht, zumal er sich erdreistet, das Ausbildungsverfahren zu kritisieren. Doch anstelle ihn zu tadeln, bietet man ihm nach tagelanger, scheinbar besonders harter Prüfung eine Lehrerstelle an: In Bialystock oder Westfalen. Ob ersterer Ort ernsthaft in Aussicht  genommen war, bleibt dahingestellt, Wilberg entscheidet sich für Westfalen. Dort hatte ein Vetter von Rochows, Graf von der Recke, zu Overdiek in Hamme bei Bochum eine „Armenschule“ (kostenlose Elementarschule) nach dem Vorbild Reckahns gestiftet und um einen Lehrer aus dem preußischen Berlin nachgesucht. Vertrag und Gehalt eines Quartals ab 1. Oktober 1789 liegen bereits vor. Nochmals besucht Wilberg kurzfristig die Schule zu Reckahn, nimmt Abschied von Freunden und Bekannten in Krahne und Brandenburg, von seiner Mutter in Potsdam, die er nicht mehr wieder sehen sollte, von den Verwandten in Karow und besteigt „in den ersten Tagen des Dezembers abends“ in seinem Geburtsort Ziesar die Postkutsche nach Westen.[7]          

(Fortsetzung: siehe Wilberg in Westfalen)

 

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Der Pädagoge, Historiker, Numismatiker, Heimatkundler und Genealoge:

 

      Wilberg, Prof. Max, geb. 1869, am 8. Juni in Frankfurt an der Oder als Sohn des Pädagogen und Schriftstellers NN Wilberg, studierte nach dem Gymnasialabschluss in Marburg und Berlin Deutsch und Geschichte (Althistoriker) und kehrte 1902 als „Kandidat des höheren Lehramtes“ nach Frankfurt/Oder zurück. Dem dortigen „Königlichen Friedrichs-Gymnasium“ blieb er 31 Jahre als Studienrat verpflichtet. Als Mitglied des „Historischen Vereins für Heimatkunde“ in Frankfurt widmete er sich leidenschaftlich der Numismatik, der Heimatforschung und der Genealogie. Wilberg lebte mit seiner verwitweten Mutter und heiratete erst nach deren Tod. Aber auch seine Ehefrau verstarb früh. Wilberg ersuchte um Aufnahme in die Freimaurerloge „Zum aufrichtigen Herzen“ und durchschritt alle Stufen vom „Lehrling“ bis zum „zugeordneten Meister vom Stuhl“. Als Historiker schrieb er über die Geschichte der Freimaurerei und über Numismatik oder hielt historische und heimatkundliche Vorträge. Auch als Übersetzer altrömischer Lustspiele war der Theaterfreund bekannt. Im Jahr 1915 wurde Max Wilberg wegen seiner herausragenden Verdienste um die Förderung des Schulwesens der Professorentitel „mit dem Rang der Räte 4. Klasse“ verliehen.   

       Bis in unsere Zeit häufig wieder aufgelegt oder nachgedruckt wurde sein Werk „Regenten-Tabellen“, das Max Wilberg ursprünglich nur für seinen Privatgebrauch als Genealoge angelegt hatte. Es erschien erstmals 1906. „Dieses universelle Quellenwerk ist bisher unübertroffen in seiner umfassenden und präzisen Darstellung. Geographisch und chronologisch gegliedert beginnt diese einmalige Genealogie im Jahr 3892 vor der christl. Zeitrechnung und endet mit dem Beginn des 20. Jahrhunderts. Auch geistliche Fürstentümer werden berücksichtigt. Zu den aufgeführten Dynastien sind auch deren Nebenlinien erfasst um einen vollständigen Überblick zu gewährleisten.“ So und ähnlich gepriesen ist diese bis heute singuläre Arbeit „als zuverlässiges Nachschlagewerk für Historiker und Genealogen“ aktuell geblieben. Max Wilberg widmete das Werk dem Fürsten Leopold  IV. zu Lippe (1905 – 1918), der ihn mit dem Orden für Kunst und Wissenschaft „Lippische Rose im Ring“ auszeichnete. (Kursiv: Gerrit Friese).

       Für Kommentatoren und Rezensenten bleibt es indessen ungeklärt, was Professor Max Wilberg mit dem Haus Lippe verband. Weniger rätselhaft scheint diese Frage vielleicht, wenn man darüber in Kenntnis gesetzt wird, dass nachweislich seit dem 14. Jahrhundert im ehemaligen Fürstentum Lippe eine Ortschaft Wilberg existiert und eine gleichnamige Familie seit dem 16. Jahrhundert hier ansässig ist, was dem Heimatkundler und Genealogen Max Wilberg durchaus bekannt gewesen sein dürfte.[8]   

      Professor Max Wilberg schied im Jahr 1932 aus dem Schuldienst aus und starb zwei Jahre darauf, am 14. Juni 1934 in Frankfurt/Oder. Im Nachruf schreibt die Frankfurter Oder-Zeitung: „Sein gütiger Blick, sein fester Händedruck, der warme Ton seiner Stimme werden den Lebenden unvergesslich sein. Er war stadtbekannt und beliebt“.

 

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    Der Reformpädagoge

 

          Wil(d)berg, Johann Friedrich Wilhelm, geboren am 20. Februar 1764 in Parchen, gest. am 16. November 1835 in Parey, erhielt den ersten Unterricht durch seinen Vater, den Kontor Johann Wil(d)berg, und den Pfarrer Daniel Heinrich Pargold in Parchen. Ab 1776 besuchte Wilberg Schulen in Burg (Sachsen-Anhalt) und seit 1779 in Brandenburg. Seine Rekrutierung verhinderte die Aufnahme eines Studiums. Nicht geeignet als Soldat, war er zunächst von 1783 bis 1793 Hauslehrer bei der Familie Marschall von Bieberstein in Magdeburg, danach bis 1835 Kantor in Parey (Elbe). Er befreite sein Lehramt von niederen Küsterdiensten, stellte einen Hilfslehrer auf eigenen Kosten ein, teilte die Schülerschaft ab 4. Januar 1795, also bereits zwei Jahre vor der königlichen Verordnung, nach den Fähigkeiten der Kinder in eine erste und zweite Klasse. Die Einführung des Buches „Der Kinderfreund“ von Friedrich Eberhard von Rochow und anderer Schulbücher sowie des Unterrichts der Realien in den Dorfschulen brachten ihm den Ruf eines Neuerers ein. Er entwickelte eine eigene Unterrichtsmethodik und vermittelte diese an die Lehrer seines Schulkreises, stiftete die Bibliothek für eine pädagogische Arbeitsgemeinschaft und war Leiter einer der Schullehrergesellschaften des Burgschen Schulbezirks. 1810 unterbreitete er einen letztlich nicht bestätigten Vorschlag zur Ernennung von Schulinspektoren für je 12 bis 16 Dorfschulen, die nicht den niederen Gerichtsbehörden, sondern dem Superintendenten unterstehen sollten.[9]

                                                

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   Der Maler historischer Landschaften:

 

         Wilberg, Christian Johannes, geboren 1839, am 20. November in Havelberg, Sachsen-Anhalt (in Grenznähe zu Brandenburg), erlernte zunächst das Maler- und Tapeziererhandwerk, trat dann aber 1861 in das Atelier des Landschaftsmalers Georg Friedrich Pape in Berlin ein. Hier ließ er sich über anderthalb Jahre ausbilden um dann in der Werkstatt des Architektur- und Dekorationsspezialisten Paul Gropius Perspektive und Landschaftsmalerei zu studieren. Hier fiel auch seine besondere Begabung für Architekturdarstellungen auf. 1870 wechselte Wilberg nach Düsseldorf und vollendete seine Ausbildung bei Oswald Achenbach. Von Ausflügen nach Norddeutschland brachte er Ölskizzen, Zeichnungen und Aquarelle mit. Wie die meisten Künstler seiner Zeit erfüllte er sich den Wunsch eines Italienaufenthalts und unter südlichem Licht entstanden erste Darstellungen von Ansichten Venedigs und der Innenarchitektur des Markus-Doms mit verblüffender Widergabe von architektonischen Details und ihres Materials, sei es Marmor, Sandstein, Holz oder Mosaiken mit Goldbesatz. Er gelangte nach Rom und Palermo, wo u.a. das Gemälde der „Capella Palatina“ entstand. Die mystische Dämmerung prachtvoller Innenräume von Domen und Kirchen wusste er mit meisterhafter Führung des durch die Fenster einfallenden Tageslichts in überweltliche Sphären  zu versetzen. Erst nach zwei Jahren kehrte er in die Heimat zurück und wurde 1874 in Berlin ansässig, von wo aus aber immer wieder Italienreisen unternommen wurden.

      Eine Verehrerin seiner Kunst fand er in der selbst malenden Kronprinzessin Viktoria, Gemahlin des Kronprinzen Friedrich Wilhelm von Preußen, später Kaiser Friedrich III. Zweifellos beeinflusste Christian Wilberg die „Künstlerin Kaiserin Friedrich“ und hielt sich oft in ihren Kreisen auf, sowohl in Berlin als auch in Italien. Dort entstanden römische Landschaften, herausragend die „Grotte der Egeria“, „Agrigent mit Hera-Tempel“ (Sizilien, Tempio di Hera, 550 v.Chr., irrtümlich als Junotempel bezeichnet), das „Forum Romanum“ und „Momento mori“, ein Motiv aus den Sabinerbergen, heute im Besitz der Dresdener Gemäldegalerie. Der Künstler betätigte sich nicht nur als Lehrer seiner kaiserlichen Hoheit Viktoria, seit 1. März 1877 vertrat er Prof. Albert Hertel als Leiter der Landschaftsklasse an der Berliner Akademie der Künste, die ihm ab 1. April 1878 in alleiniger Verantwortung übertragen wurde.

       Als herausragender Kenner der antiken Architektur begleitete er 1879 den Direktor der Berliner Antikensammlung Prof. Alexander Christian Leopold Conze nach Pergamon, wo dieser 1888 mit Carl Humann systematische Grabungen begonnen hatte und den großen Altarfries freilegen konnte (heute fragmentarisch in Berlin). Wilberg fertigte zahlreiche Zeichnungen und Skizzen zu den Gemälden „Blick auf die Akropolis“ und „Ansicht der Basilika zu Pergamon“ an und fixierte Situationen des Grabungszustands. Es ist nicht ausgeschlossen, dass der Maler bei dieser Gelegenheit mit Conze auch die archäologischen Untersuchungen in Troja begleitete, wo der Berliner Architekt Wilhelm Dörpfeld Heinrich Schliemanns Arbeit fortsetzte. Dörpfeld unterstützte Conze auch mit seinen neuen Grabungsmethoden in Pergamon. Der 1902 herausgegebene Plan der Grabungsschichten Trojas wurde nach Vermessungen von W. Dörpfelds von seinem Mitarbeiter, dem Architekten und Archäologen Dr. Wilhelm Wilberg, Sohn des Buchhändlers und deutschen Konsuls in Athen Karl Wilberg  gezeichnet. (s.u.)     

       Die umfassende Kenntnis antiker Architekturdenkmäler ermöglichten es Wilberg auch frei erfundene Motive zu gestalten, wie etwa römische Bauten, die er für die Fresken im Berliner Café Bauer oder die im Hof des Palais Tiele-Winkler – wo der Kaiser oft zu speisen pflegte - und des Pringheimschen Hauses in Berlin schuf. Durch ein „Panorama des Golfs von Neapel“ für die Fischereiausstellung im Jahr 1880 wurde sein Name weithin bekannt. Für die Aula der königlich technischen Hochschule zu Charlottenburg entwarf er 1881 die Vorlagen zu fünf Lünetten, in denen er die bekanntesten Bauwerke verschiedener Stilepochen in landschaftlicher Umgebung schildert. Das große Panorama der Thermen des Caracalla zu Rom für die Hygieneausstellung in Berlin 1883 sollte nicht nur unerwartet sein letztes Werk sein, es wurde zudem bei dem Brand des Präsentationsgebäudes vom 12. Mai 1882 völlig zerstört. Nur einige Zeichnungen und Skizzen konnten gerettet werden. Für das geplante Historienbild „Die Schlacht von Sedan“ den Originalschauplatz zu skizzieren, reiste Christian Wilberg schon wenige Tage darauf mit Historienmaler Anton von Werner und dem Zeichner und Kunstkritiker Ludwig Pietsch vom Verein Berliner Künstler nach Frankreich, besuchte aber zunächst Paris, wo er plötzlich erkrankte und zwei Tage darauf, am 3. Juni 1882 verstarb.

      Zum Gedenken des Malers Christian Johannes Wilberg veranstaltete die Nationalgalerie Berlin im Oktober und November des Jahres 1882 eine Sonderausstellung mit insgesamt 677 Werken. Das Gemälde „Villa Mondagrone bei Frascati“ erwarb die Berliner Galerie mit einer Anzahl Aquarellen, Ölskizzen und Zeichnungen, eine großformatige „Griechische Landschaft“ (178 x 277) sicherte sich mit Hilfe des Heineschen Vermächtnisses die Kunsthalle Hamburg. Die Entwürfe der Charlottenburger Lünettenbilder blieben im Besitz der Berliner Kunstsammlungen. 

 

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Der volkstümliche Genremaler:

 

      Wilberg, Ludwig Martin, geboren 11. 10. 1853 in Havelberg (Vetter des Christian J. Wilberg, s.o.), Maler. Ludwig Martin Wilberg war Schüler der Professoren Gussow, Baur und Verlat an der Akademie der Künste in Weimar, später an der Berliner Kunstakademie. Von 1880 bis 1883 lehrte er selbst an der Akademie zu Leipzig und wurde anschließend Leiter des Kunstgewerbemuseums in Berlin. Wilberg lebte in Neubabelsberg bei Potsdam und starb dort im Jahr 1912.

      Im Gegensatz zu Christian Wilbergs vom südländischen Licht beeinflussten leuchtendem Kolorit historischer Landschaften, neigte Martin L. Wilberg zum niederländischen Interieur-Stil des 17. Jahrhunderts mit leichter Tendenz zu Jan Vermeer van Delft, blieb aber der Romantik verpflichtet, wie Vermeer diese voraus nahm. Er bevorzugte volkstümliche Motive mit Dominanz des ästhetisch Gefälligen.

 

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Wilberg in Westfalen

 

„Zu praktizieren ist eine Autorität,

die gleich fern ist vom Sklavensinn und

von der Freiheit, die an Frechheit gränzt.“ (J. F. Wilberg)

 

      Wilberg, Dr. Johann Friedrich, geboren am 5. November 1766 in Ziesar, wird nach seiner Ausbildung in Reckahn und Berlin als Lehrer an die neue „Dorfschule“ in Overdiek/Hamme – heute Stadtteil von Bochum – berufen. (Vergl. oben: Wilberg in Brandenburg). Das Schulhaus ist noch nicht vollendet, so dass der erste Unterricht im Hause Overdiek, dem Sitz des Stifters der Schule, Graf von der Recke, stattfinden muss. Im Zuge der allgemeinen preußischen Schulförderung ist von der Recke dem Beispiel seines Vetters in Reckahn (Brandenburg) gefolgt und stiftete mit Approbation König Friedrich Wilhelm II. in der preußischen Grafschaft Mark ein Landschulhaus mitsamt dem Gehalt eines Lehrers, „so daß die Eltern den Schulunterricht für ihre Kinder ganz frei hatten.“ Die Schulgeldfreiheit verführte anfangs zu der polemischen Bezeichnung „Armenschule“.

      Es gibt für Wilberg diverse schmerzliche Erfahrungen zu meistern, etwa die für ihn unverständliche westfälische Mundart (Plattdeutsch) der Landjugend oder das Misstrauen der hiesigen Bauern und spürbare Desinteresse der Eltern gegenüber dem Schulwesen. Hinzu kommt das Fremdartige der Umgebung. Dem ungeachtet entwickelt Wilberg unermüdlich sein Bildungsprogramm mit geeignetem Lehrmaterial durch Beobachtung der unterschiedlichen Begabungen und Defizite in der Ausdrucksfähigkeit seiner Landkinder im Alter von ca. 8 bis 16 Jahren, für die lediglich zwei Klassen zur Verfügung stehen. Sein Hauptanliegen aber ist es, über das gewöhnliche Schreiben, Rechnen und Lesen mit dem einzigen Lesestoff, der Bibel, hinaus, das Lehrprogramm der „Elementarschule“ umfassend zu erweitern. Geometrie, Geographie, Geschichte, Natur- und Heimatkunde aber sind als „blähender Dünkel“ und „törichter Wissensübermut“ unbeliebt. Gegen alle Widerstände versteht es Wilberg sich durchzusetzen und der bald spürbare Erfolg ruft den Regierungspräsidenten von Rohr auf den Plan mit dem Ergebnis, dass Lehrer aus anderen Ortschaften aufgefordert werden, in der Schule von der Reckes bei Wilberg zu hospitieren, was den Grafen von der Recke schließlich veranlasst, eine „Gesellschaft der Lehrer und Kinderfreunde“ als Träger der „Schulmeisterschule“ in Hamme ins Leben zu rufen.

       Kritisch sieht Johann Friedrich Wilberg die zu jener Zeit um sich greifenden Revolutionsparolen mit deren blutigen Ausschreitungen in Frankreich, nicht zuletzt angesichts ihrer Auswirkungen auf den Schulunterricht:

      „Der sogenannte Zeitgeist, den die französische Revolution erzeugt hatte, verbreitete sich schnell. Freiheit und Gleichheit, das Losungswort der Zeit, ertönte überall. Man sprach, nicht daß der aus armen Stande gehoben, sondern daß der Hohe herabgesetzt und so die Gleichheit herbeigeführt werden müsse; man sprach von Rechten, ohne der Pflichten zu gedenken, dehnte jene für sich aus, um desto mehr Anspruch an Besitz und Genuß der Art und der Zahl nach machen zu können, und nannte es strafbare Kränkung und Beeinträchtigung der Menschenrechte, wenn man jene Willkürlichkeiten nicht gelten lassen, nicht gut heißen wollte.“

      Am 18. Juli 1797 heiratet Johann Friedrich Wilberg in Hamme Johanna Luberg[10] aus Herdecke an der Ruhr. „Als sein kleines Hauswesen den Bedürfnissen gemäß und freundlich eingerichtet war, dachte er darauf, seinen eigenen Hausstand zu gründen“, schreibt Wilberg in der dritten Person und verweist bescheiden auf sein ausreichendes Einkommen, von dem er gern seiner „Lieblingsneigung“ folgend, der Armenkasse mit profitieren lässt bis hin zu eigener Verschuldung. Ein Jahr nach der Vermählung, am 19. Juli 1798, wird sein Sohn Friedrich Wilhelm in Hamme geboren.

      Hatte Wilberg bisher allen – wenn auch besser dotierten – Angeboten schulischer Einrichtungen benachbarter Städte zugunsten seines Freundes und Gönners von der Recke widerstanden, so häufen sich bald unangenehme Situationen und Widerstände, die ihn veranlassen, eine ihm von Elberfelder Verehrern angetragene und seinen besonderen Neigungen entsprechende „Stelle als Lehrer und Inspektor“ der dortigen gemeinnützigen Armenanstalt und deren Internat anzunehmen. So wie er im Frühjahr 1802 vom Haus Overdiek und Freunden in Hamme mit Bedauern verabschiedet wird, so empfängt man ihn in Elberfeld mit hohen Erwartungen und Vorschußsympathien. Im Juli des Jahres findet die Einweihung der von Kaufleuten gestifteten Schule statt, deren Aufgabe es ist, Hilfsbedürftige zu unterrichten und die Integration in sozial gesicherte Verhältnisse zu fördern. Nach dem damaligen frühliberalistischen Gesellschaftskonzept hielt man die Armut für einen Tatbestand des subjektiven Unvermögens, das mit der schwunghaften Industrialisierung besonders in Erscheinung trat. Wilberg erkennt früh den Irrtum der in Rede stehenden revolutionären Umgestaltung des „feudalistischen Gesellschaftssystems“ u.a. etwa durch Abschaffung der Religion, wie denn überhaupt des suggestiven Traums von der Gleichschaltung aller Menschen  als Konfliktprävention und setzt stattdessen  auf  Intensivierung der Allgemeinbildung und Aufwertung des sozialstrukturellen Niveaus.   Bildungsprogramme für Minderbemittelte auf der Basis christlich-religiöser Ethik, somit der „Religionslehre“, sind für ihn unverzichtbar. Wilberg nimmt im Ansatz vorweg, was bald darauf Johann Hinrich Wichern im „Rauen Haus“ zu Hamburg umsetzt.

      Erscheinen auch die „zur Empfehlung der Schule“ eingeladenen honorablen Persönlichkeiten der Stadt nicht, so rettet Wilberg die Eröffnungsfeierlichkeiten mit eigener Rede und Selbsteinsetzung in sein neues Amt im Vertrauen auf Gottes Hilfe. Dergestalt gesellschaftlicher Dünkel motiviert dagegen sein „reges Streben“, dem Armenwesen in Elberfeld umso engagierter entgegen zu treten. Als Inspektor der Armenverwaltung bereits hinreichend belastet, obliegt ihm zudem der Unterricht im Armeninternat sowie in der Elementar- und neuen Bürgerschule. In schneller Erkenntnis des Mangels, bestellt er Hilfslehrer jeden Samstag zu sich, um mit ihnen    über „Lehrmethoden, Lehrmaterial, Schulerziehung und Lehrerklugheit“ zu debattieren. Gespräche über Tagesereignisse sind nicht erwünscht. Über diese „Lehrerkonferenzen“ in Elberfeld gut unterrichtet, lässt sich der Pädagoge Adolph Wilhelm Diesterweg (1790-1866) vernehmen, dass manche Ideen in ihm geweckt und „Wilberg ihm Lehrer gewesen sei“. In Religionsfragen aber dürften sie sich nicht ganz einig gewesen sein.  Diesterweg lehrte zeitweilig in Elberfeld und war seit 1820 Seminardirektor in Moers, 1832 in Berlin.

       Auch in Elberfeld bleibt Wilberg von Missgunst und übler Nachrede nicht verschont, obwohl er sich der Protektion einflussreicher Kaufleute sicher sein darf. Für manche unverzeihlich ist seine Missachtung gesellschaftlicher Umgangsformen, er wisse sich nicht zu benehmen, sei unhöflich und unbescheiden. „Jeder Bürger sei überzeugt“, so wird ihm hinterbracht, „er, Wilberg, habe der Stadt die Schulen aufgebürdet, dadurch der Kommune eine bedeutende jährliche Ausgabe verursacht, sei Schuld an der Schulsteuer und dem Schuljammer der Eltern und Lehrer“. Aber es handelt sich um Personen, „die eher zu Geld als zu Verstand gekommen sind“, kontert Wilberg lapidar. „Der Weisheit Anfang ist, gegen vieles anzuklagen, der Weisheit Ende ist: sich mit Allem zu vertragen.“ Er findet Gönner und Freunde, mit deren Unterstützung seine Pläne zur Erweiterung des Schulprogramms und der Armenversorgung Gestalt annehmen, von der Einrichtung einer Witwen- und Waisenkasse (!), von der Schul- und Armenspeisung bis hin zum Aufbau einer „Vorschule für Lehrlinge des bürgerlichen Berufs“, die sich als „Berufsschule“ auf Dauer durchsetzte. Zudem konzipiert Wilberg bereits das Modell einer „Kinderbewahranstalt“ für Vorschulkinder als Vorläufer des modernen Kindergartens, wobei auch das Land Lippe ins Blickfeld gerät. Wilberg erinnert: „Die Fürstin Pauline zu Lippe-Detmold gab hierin ein schönes Exempel, sie gründete zur Förderung einer besseren Armenpflege die erste deutsche Bewahranstalt für Kinder, in welcher zugleich Mädchen zu Wärterinnen angestellt und ausgebildet werden.“ Besonders gefragt sind aus damaliger Sicht „die Tugenden der gebildeten Personen weiblichen Geschlechts“ zur speziellen Betreuung solcher „Kleinkinderschulen“.

      Endlich wird unter Johann Friedrich Wilbergs Leitung in Elberfeld ein „Bürgerinstitut“ eröffnet mit dem Leitsatz im Siegel: „Der Mensch erzieht im Kinde den Menschen“. Zum Thema „Verbesserung des Schulwesens“ schreibt er unermüdlich Aufsätze, Lese- und Lehrbücher, sowohl für Schüler als auch für Lehrer.

      Dem Inspektor der Armenverwaltung wachsen im Kielwasser des Befreiungskrieges vorübergehend neue Aufgaben zu. Mit Sach- und Geldspenden Elberfelder Bürger ausgerüstet, eilt er über Aachen, Lüttich und Namur zum Schlachtfeld bei Waterloo, wo „die Trümmer Fußhoch liegen“, besucht Lazarett um Lazarett in Brüssel, Löwen und Maastricht, in Aachen und Köln, seine Gaben an Bedürftige zu verteilen und Verwundeten Hilfe zu leisten. Seine Berufung als Lehrer lässt ihn dabei nicht versäumen, die Prüfungen an einer Brüsseler Lehranstalt zu besuchen. Mit Genugtuung nimmt er die Nachricht vom Einmarsch der „Alliierten“ in Paris zur Kenntnis im Gedenken an die Leiden, die des Korsen „große Armee“ seiner Heimat Potsdam und mit ihr seinem dort weilenden Bruder zugefügt hatte.

      Wieder in Elberfeld, überrascht ihn die Nachricht, dass die Universität Tübingen eine seiner Arbeiten, die dem Institut von Freund Diesterweg ohne sein Wissen eingereicht worden war, angenommen und die Doktorwürde verliehen habe.

      Derweil gelangt das „Bürgerinstitut“ zu landesweitem sowie internationalem Ansehen und Internatszöglinge können infolge Überfüllung nur begrenzt aufgenommen werden. 1814 wir Wilberg vom bergischen Schulrat in Düsseldorf zum Schulpfleger des Kreises ernannt und die evangelische Synode der Stadt Elberfeld bestellt ihn 1815 zum Präses der Armenverwaltung, was im Rheinland und in Westfalen dem Rang eines Kirchenpräsidenten gleichkommt. Von Johann Hinrich Pestalozzi (1746-1827), der selbst in Iferten (Yverdin) am Neuenberger See (Lac de Neuchatel, Schweiz) ein Erziehungsinstitut gegründet hatte, treffen Anerkennungsschreiben ein mit der Bitte um Zusendung weiterer Schriften. Mit Pestalozzi und Fröbel hatte auch Wilberg „im mütterlichen Wirken“ der Familie „die Urform aller erzieherischen Bestrebungen“ erkannt und sich vehement gegen die Zerstörung der ehelichen Gemeinschaft durch die „moderne Industriegesellschaft“ gewandt. Entschlossen verteidigte er u.a. die in jener freiheitlichen Aufbruchstimmung bereits heftig attackierte „Familie als Wurzelboden für Persönlichkeitsentfaltung und Gemeinschaftssinn“. Musik (Gesang) und Schönheitsgefühl seien Grundlagen für die Elemente der Anschauung und von den Elementen her müsse die Elementarbildung gegen die Auflösungserscheinungen des „Zeitgeistes“ aufgebaut werden. Im Jahr 1818 wird Johann Friedrich Wilberg eine besondere Würdigung seiner Majestät des Königs von Preußen zuteil, dem bald darauf die Verleihung des Roten Adlerordens folgt.

      Im Jahr 1829 gelingt Wilberg die Gründung einer „Höheren Bürgerschule“ in Elberfeld, der er Anfangs skeptisch gegenüber stand. Zur Linderung sozialer Missstände fordert er die allgemeine Schulgeldfreiheit und eine feste Besoldung für Lehrkräfte um sogleich auch der Nachteile zu gedenken: Niedergang des Leistungswillens auf beiden Seiten angesichts gesicherter Verhältnisse. Wilberg kritisiert unablässig Lehr- und Schulsysteme, Vernachlässigung der Elementarschulen und      Überheblichkeit der Gelehrtenschulen, wo man „mit Stroh schwanger geht und Stoppeln erntet“. Es solle nicht der Geist für den Geist arbeiten, sondern für die Bewältigung der „äußeren Welt“.

      Als am 29, August 1835 seine Gattin Johanna stirbt, hat er soeben seine Schrift „Stoff zum Nachdenken über Armenversorgung“ veröffentlicht. Ihm bleiben seine vier Kinder, ein Schwiegersohn (Carl Hecker, Ehemann seiner Tochter Johanna Theodora Wilberg) und eine Schwiegertochter (Louise Baedeker, Tochter des Verlegers Gottschalk Diederich Baedeker und Ehefrau seines Sohnes Prof. Friedrich Wilhelm Wilberg) sowie seine Töchter Mathilde und Marie einziger Trost. Trotz öffentlich bekundeter Sympathien zahlreicher Gönner und Freunde, sieht er sich veranlasst, 1837 von allen Ämtern zurückzutreten und auf seine Pension zu verzichten um dann im November 1839 seinen Wohnsitz in die Koblenzer Straße nach Bonn zu verlegen, wo er am 17. Dezember aus einem bewegten Leben scheidet.[11]

           

Supplememtum:                                                        

     Am 17. April 2004 übergab Frau Renate Wilberg-Bretnütz aus Braunschweig dem am 3. August 2001 neu eröffneten „Friedrich Eberhard von Rochow Schulmuseum“ zu Reckahn (Brandenburg, s.o.) einen silbernen Ehrenpokal als Dauerleihgabe. Diesen Pokal hatten 127 Elberfelder Schüler und Schülerinnen, deren Namen im Sockel eingraviert sind, im Jahr 1829 ihrem verehrten Lehrer Dr. Johann Friedrich Wilberg gewidmet. In seiner Festrede entwarf Prof. Dr. Hanno Schmitt, Dekan der humanwissenschaftlichen Fakultät an der Universität Potsdam, einen biographischen Überblick des Dr. Wilberg in Brandenburg, erfasste aber das Wesen sowie die geistige Ausrichtung seiner Person und seines Wirkens nur unzureichend. Der Referent beschränkte sich auf die Jugend- und  Ausbildungszeit des Lehrers Johann Friedrich Wilberg in Brandenburg bis zu seiner Berufung nach Hamme (heute Stadtteil von Bochum) und charakterisierte ihn als „Aufklärer“ in seiner Zeit. Wenn Dr. Wilberg, gleich Fröbel, Pestalozzi oder Diesterweg u. a. sich um eine differenzierte Behandlung unterschiedlicher Begabungen der Schuljugend bemühte und über Bibel und Katechismus hinaus geeigneten Lesestoff verfasste um den Schulprogrammen einen breiter gefächerten Wissensbereich zu erschließen, mag dies fortschrittlich und „aufklärend“ erscheinen, übergeht jedoch die sehr kritischen, von klarem Durchblick geprägten und in die Zukunft weisenden Anmerkungen Wilbergs zu den revolutionären Ereignissen seiner Epoche, blendeten die vom christlichen Ethos durchdrungenen, moralischen Grundthesen des zutiefst religiösen Lehrers weitgehend aus, obwohl seine durchaus progressiven Erziehungsmethoden Inhalte und Dogmen der Aufklärung wie Vernunft, Toleranz, Gerechtigkeit, eigenständiges kritisches Denken usw. unideologisch  in sich aufnahmen („Bibel und Fibel“!). 

       Schmitt zitiert in seiner Rede Friedrich Adolf Diesterweg, der offenbar von Johann Friedrich Wilbergs „pädagogischem Charisma schlichtweg begeistert“ war:

       „Die Natur – was vermag man ohne sie und was wird einer ohne sie? – hatte ihn herrlich ausgestattet: kräftige Leibesgestalt (…), feste Haltung bis über das 70ste Lebensjahr hinaus trotz ungeheurer Anstrengung, edles Antlitz und Haupt mit herabwallendem Haar (…). Seine Bewegungen, Schritt und Gang waren rasch und sicher, er sprang die Treppen mehr hinauf als er ging. (…) Seine Stimme war klangvoll und durchdringend (…). In Verbindung mit dem Blick aus dem großen blauen Auge gehörte mehr als Kühnheit dazu, ihm zu widerstehen. Aber wie will ich darstellen, wie Wilberg war, wenn er erzählte was ihn erfreut hatte, wenn er sich in Witz und Humor oder scharf eindringlicher Rede erging, oder wenn er von lieblichen, geist- und gemüthvollen Aeußerungen seiner Schüler und Schülerinnen erzählte, (…) oder wenn er sich über die Leiden, die die Menschen drücken, erging und sich über den Luxus der vornehmen Leute, ihre oft maaß- und sinnlose Verschwendung im Angesicht des Elends Anderer, die auch Menschen seien, äußerte!“ Diesterweg bescheinigte ihm „ausgezeichnete Geistesgaben: ein eminentes Gedächtnis, (…) dass ihm Alles, was er wusste und erfahren hatte, stets zu Gebote stand, einen auf das Praktische gerichteten Verstand (…), rascher Entschluß und nachhaltige Tatkraft (…). – Er war ein Lehrer! Seines Gleichen habe ich nicht wieder gesehen. (…) Ich habe auch von  keinem gehört oder gelesen, der ihn in dieser elementaren Virtuosität erreicht hätte.“[12]

Der Pädagoge, Schriftsteller und Übersetzer:                  

 

      Wilberg, Prof. Dr. Friedrich Wilhelm, ist am 19. Juli 1798 zu Hamme/ Bochum als erstes Kind des Dr. Johann Friedrich Wilberg und der Johanna Luberg  (s.o.). geboren. Im Jahr 1802 übersiedelt die Familie nach Elberfeld und Friedrich Wilhelm nimmt hier am Unterricht der von seinem Vater geleiteten Elementarschule und später an der von ihm gegründeten Bürgerschule teil, wobei er – das Versäumnis seines Vaters beherzigend – frühzeitig am Fremdsprachenunterricht (Latein, Griechisch) teilnimmt. Nach zweijährigem Aufenthalt im Internat von Moritz Diesterweg zu Mannheim (1813 – 1815) besucht er das Gymnasium in Düsseldorf und besteht im Herbst 1816 die Abiturprüfung mit dem Zeugnis „ersten Grades“. Mit besten Referenzen ausgestattet reist Wilberg nach Berlin und nimmt dort das Studium der Philologie, Geschichte und Mathematik auf. Die Professoren F. A. Wolf, Böckh und Buttmann in Philologie, die Professoren Rühs und Wilken in Geschichte und Grüsen für Mathematik sind bestens renommierte Lehrer der Universität. Hier begegnet er einem hochbegabten Schüler seines Vaters aus der Mark: Friedrich Wilhelm Tönnies. Mit dem jugendlichen Übersetzer der „Germania“ des Tacitus pflegt Wilberg freundschaftliche Beziehungen, bis dieser, schwer erkrankt, von Vater und Sohn Wilberg über Frankfurt heimgeleitet wird und am 31 August 1817 stirbt.

       Friedrich Wilhelm Wilberg leistet darauf in Köln seine Militärpflicht ab und geht 1818 zur neuen Universität Bonn, wo er u.a. am philologischen Seminar der Professoren Heinrich, Näke und Welker teilnimmt. Während er noch in der Universitätsbibliothek tätig ist, übernimmt er bereits den Unterricht in Mathematik an den unteren Klassen des Bonner Gymnasiums bis zu seinem Examen für das höhere Lehramt. Im Jahr 1822 erreicht ihn der Ruf an das königliche Gymnasium zu Essen und hier erhält er 1824 seine erste „ordentliche Lehrerstelle“ als Studienrat.

      In Essen ehelicht Friedrich Wilhelm Wilberg am 21. Oktober 1825 Louise Baedeker, geb. am 8. März 1805 als Tochter des Verlagsgründers Gottschalk Diederich Baedeker (13. 7. 1778 – 23. 3. 1841) und der Marianne Gehra (1. 3. 1781 – 15. 12. 1847), Tochter des Buch- und Musikalienhändlers Johann Ludwig Gehra aus Neuwied.

      Als „erster Oberlehrer“ (seit 1829) und Direktor (seit 1845) des Essener königlichen Gymnasiums setzt Wilberg die Arbeit im Geist seines Vaters Johann Friedrich fort mit dem Vorteil einer auf dessen Erfahrungen begründeten und dem neusten Wissensstand angemessenen Ausbildung. Beim Lehrerkollegium sowie bei den Eltern und Schülern genießt er besonderes Ansehen und Vertrauen, was sich auf die Frequentierung des Lehrinstituts bis hin zur Verdoppelung der Schülerzahl auswirkt:

      „Vermöge seiner gründlichen und vielseitigen Kenntnisse, seiner Lehrbegabung und namentlich auch vermöge des vorteilhaften Einflusses, den er auf die sittliche Entwicklung der Jugend ausübte, gehörte Wilberg zu den vorzüglichsten Schulmännern, die das Rheinland zu seiner Zeit besaß.“ (Allgemeine Deutsche Bibliographie, Leipzig 1897)

      Von den wissenschaftlichen Arbeiten Wilbergs ist zweifelsohne die große kritische Ausgabe „Claudii Ptolomaei Geographiae libri octo“, erschienen in Essen bei Baedeker 1838, besonders hervorzuheben, für die er die bedeutendsten Pariser und Mailänder Handschriften in griechischer und lateinischer Sprache heranzieht. Ferner schreibt er beachtenswerte Aufsätze und Kommentare für verschiedene Zeitschriften, dazu Beilagen zu Schulprogrammen und ist Mitherausgeber des „Museum des rheinisch- westfälischen Schulmännervereins“, ferner Gründer und Vorsitzender des „Literarischen Vereins“ und mehrere Jahre Redakteur der „Allgemeinen politischen Nachrichten“. In Anerkennung seiner verdienstvollen wissenschaftlichen Tätigkeit wird ihm von der obersten Schulbehörde der Professoren-Titel zuerkannt und die philosophische Fakultät der Universität Tübingen verleiht ihm – wie einst seinem Vater – die Doktorwürde.

      Im Frühjahr des Jahres 1852 trifft ihn ein Schlaganfall, von dem er sich nicht wieder erholt. Prof. Dr. Friedrich Wilhelm Wilberg stirbt am 11. Juni des Jahres 1852 in Essen. Der König von Preußen hatte ihn noch kurz vor seinem Tod zum „Ritter des Hohenzollernschen Hausordens“ ernannt. Er hinterlässt seine Ehefrau Louise Wilberg, geb. Baedeker (gest. 1883, 5. Dezember in Essen), sowie sieben von ursprünglich zehn Kindern. Unter ihnen Sohn Friedrich Carl mit Ehefrau Antonie von Poyda, Buchhändler und deutscher Konsul in Athen mit Enkelkindern, von denen Wilhelm 1898 Direktor des Österreichischen Archäologischen Instituts wird, (s.u. Prof. Dr. Wilhelm Wilberg), Tochter Klara, geb. 1837, 29. März, am 21. August 1859 den Mitinhaber des Verlags G. D. Baedeker in Essen Julius Baedeker ehelicht und Katharina, geb. 2. Nov. 1844, sich am 27. Mai 1873 mit Moritz Pfeffer, dem Gründer der „Pfefferschen Buchhandlung“ in Bielefeld vermählt. 

 

 

                                                                                                  *

                                                                                                  

  Der Architekt und Archäologe:

 

       Wilberg, Prof. Dr. Wilhelm, (1. 12. 1872 – 14. 8. 1956), Enkel des vorigen, seit 1898 Architekt, 1912 bis 1922 Direktor des Österreichischen Archäologischen Instituts in Athen, Mitglied des Deutschen Archäologischen Instituts daselbst und Inhaber des goldenen Verdienstkreuzes des Franz Joseph Ordens mit der Krone (s.o. Christian Johannes Wilberg) geriet als Mitausgräber Trojas ins Rampenlicht. Neben zahlreichen Schriften gilt seine topographische Karte der prähistorischen und historischen Schichten von Ilion/Troja von 1870 bis zur Grabungskampagne von 1894 als sein bedeutendstes Werk. Der nach den Grabungs- und Vermessungsergebnissen mit Wilhelm Dörpfeld kartographisch erarbeitete und von beiden Forschern 1902 veröffentlichte Plan blieb bis heute unübertroffen. Anlässlich seines 80. Geburtstages am 1. Dezember 1952  würdigte die „Wiener Presse“ seine beachtlichen Verdienste: 

       Architekt Dr. Wilhelm Wilberg 80 Jahre. In dem ihm von seiner Wohnung, Mozartgasse 4, im Jahre 1945 belassenen Zimmer begeht Dr. Wilhelm Wilberg am 1. Dezember seinen 80. Geburtstag. Das „feiert“ würde nicht am Platze sein, denn Wilberg ist seit Jahren fast völlig erblindet und es ist, da sein einziger Sohn auswärts lebt, recht einsam um ihn geworden. Aber die Wissenschaft und im Besonderen das Archäologische Institut haben alle Ursache, des Mannes, der sein schweres Los ohne Klage trägt, an diesem Tage zu gedenken.

       Als Sohn des Buchhändlers und kaiserlich deutschen Konsuls Karl Wilberg 1872 in Athen geboren und von dem Altmeister der griechischen Architektur und Ausgrabungstechnik Wilhelm Dörpfeld herangebildet und bei den Grabungen in   Athen, Troja und Priene bewährt, wurde Wilberg 1898 von Otto Benndorf als Architekt in den Dienst des Österreichischen Archäologischen Instituts  genommen. In dieser Stellung hat er namentlich als Teilnehmer an den Ausgrabungen in Ephesus, aber auch an anderen Grabungsplätzen Hervorragendes geleistet und in schönen Publikationen veröffentlicht. Im Jahr 1912 zum ersten Sekretär der Athener Abteilung des Instituts ernannt, hat Wilberg diesen Posten infolge des ersten Weltkrieges nur kurz versehen können, und im Jahre 1922 hat der Abbau dem Institut auch seinen unersetzlichen Architekten weggenommen.

       Es muss als ein Glück betrachtet werden, dass Wilberg seine umfangreichen Aufnahmen unversehrt bewahren und dem Institut übergeben konnte. Dieses Material wird auch weiterhin Zeugnis ablegen von der ausgezeichneten wissenschaftlichen

Leistung des Jubilars.[13]                                                                                                J.K.

                   

                                                                                *

 

 

Wilberg im Kreis Lippe (ehemals Fürstentum), Nordrhein-Westfalen

 

      So wenig auch über das spätmittelalterliche Wilberg am Teutoburger Wald bekannt ist, so hat sich im mündlichen Überlieferungsprozess, etwa analog zur Tradition in der Schweiz, auch hier die Sage des Namens bemächtigt und mit mehr oder minder legendären historischen Ereignissen verflochten. Weniger aber als in der Schweiz sind es Raubritter und düstere Burgen, vielmehr wird eine blühende Natur, die unter sich in der Tiefe einen über alles erhabenen Reichtum verbirgt und  durch dessen Erschließung das Wunder der Erlösung von allen Lebensqualen Ereignis werden soll, zur Kulisse eines Sagenmotivs, dass in Norddeutschland in mancherlei Gestalt verbreitet ist und die Befreiung des Befreiers, eines historischen Helden, zumeist mit einschließt: Die Wunderblume als Schlüssel zum Geheimnis dieser Erde.  

       Es ist den Brüdern Jacob und Wilhelm Grimm zu danken, dass sie die Geschichte „Das Fräulein vom Wilberg“ in Bökendorf aufzeichneten und im ersten Band ihrer „Deutschen Sagen“, der im Jahr 1816 erstmals im Druck erschien, einen Platz einräumten. Bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts findet sie sich noch gelegentlich in Schulbüchern, scheint aber seither fast vergessen.

      Wie bereits hinreichend bekannt, liebten es Rezipienten und Volksmund, anstelle von „Wilberg“ das sinndeformierende „Wildberg“ einzusetzen, in diesem Fall mit der Folge, dass die von der Familie Metternich als Gewährsleute überlieferte Sage leichthin am „Wildberg“ und im Dorf „Wehrden“ an der Weser verortet wurde. Unzweifelhaft aber nennt die Grimmsche Urschrift „Wilberg“ und „Wehren“, das Mühlendorf an der oberen Werre und das Bauerndorf um die Werrequelle, die das heutige Bad Meinberg flankieren. Auch der Osterberg befindet sich in unmittelbarer Nähe werreabwärts.

      „Die Sage kann, wenn sie verpflanzt wird, Namen und Gegend völlig verändern oder vertauschen: erkennt sie verpflanzt in der Fremde die Heimat noch, so liegt darin ein großer Beweiß ihrer Abkunft“, stellte schon Jacob Grimm fest und fügte hinzu: „…es ist jedem Volke zu gönnen und als eine edle Eigenschaft anzurechnen, wenn der Tag seiner Geschichte eine Morgen- und Abenddämmerung der Sage hat.“ An die Grimmsche Kurzfassung orientiert sich die folgende Nacherzählung.

 

                                           Das Fräulein vom Wilberg.

     

       Vor Zeiten fuhr ein Bauer aus Wehren zur Mühle im Wilberge um Korn mahlen zu lassen. Auf dem Rückweg ließ er an der Furt die Pferde ein wenig rasten und setzte sich selbst ins junge Ufergras, denn es war Maienzeit.

       Da schritt vom nahen Wilberg ein Fräulein in weißem Gewand herab, trat vor den verwunderten Bauer hin und sprach:

       „Willst du mir zwei Eimer Wasser auf den Wilberg tragen? Du sollst reichlich dafür belohnt werden.“

       Der Bauer erhob sich und schöpfte zwei Eimer Wasser aus dem Werrebach. Das Fräulein aber ging voran den Wilberg hinauf, und der Bauer folgte ihm mit den Wassereimern bis zu der hohen Linde, die seit uralten Zeiten auf dem Wilberg steht. Dort hielt das Fräulein an, bedankte sich und sagte:

       „Komm morgen um die gleiche Stunde wieder an diesen Ort und bring die Blumen mit, die der Schäfer vom Osterberg an seinem Hute trägt. Aber du musst sie in Güte gewinnen!“

       Der Bauer, befangen angesichts dieser merkwürdigen Erscheinung, versprach es.

       Am folgenden Tag machte er sich auf den Weg zum Osterberg, das sind dreiviertel Stunden werreabwärts beim Dorf Schmedissen. Hier traf er richtig den Schäfer an. Der stand regungslos auf seinem Stab gestützt und schaute wie gebannt in die Ferne, hinüber zu den verhangenen Waldbergen des Osning, als sähe er dort etwas Bestimmtes. Der Bauer sprach ihn an und verlangte die Blumen welche jener am Hute trug. Doch alle Redekunst schien vergeblich bis er sich aufs Bitten verlegte. Da endlich löste der Schäfer wortlos die Blumen von seinem Hut, reichte sie dem Bauern mit ernster Mine und schaute wieder gebannt in die Ferne.

       Der Bauer aber kehrte mit den Blumen zurück zum Wilberg und fand sich zur verabredeten Zeit unter der Linde ein. Sogleich erschien das weiße Fräulein und hinter der Linde gewahrte er ein eisernes Tor, das er vordem niemals dort gesehen hatte. Das Mädchen schritt auf das Tor zu und sprach:

      „Berühre mit den Blumen das Schloss!“

      Kaum hatte er den Rat befolgt, sprang das Tor auf und ein düsterer Gang führte in die Tiefe des Berges hinab. Das Fräulein ging hinein und der Bauer folgte zögernd. Nach einer Weile tat sich eine weite Halle auf, an deren Wänden es zu glitzern und zu funkeln begann. Im Nähertreten erkannte er unermessliche Schätze, wie sein Auge sie nie zuvor erblickt hatte. Inmitten des großen Saals saß an einem breiten steinernen Tisch eine greise Gestalt in gleißendem Licht, deren Bart durch den Tisch bis in den Boden gewachsen war. Unter dem Tisch lag drohend ein schwarzer Hund, der sich beim Anblick der Blumen in der Hand des Bauern alsbald beruhigte.

       Der einfältige Bauer, geblendet vom Glanz des Goldes, bemerkte den alten Weking nicht, der seit Jahrhunderten hier saß und der Wiederkehr seines Reiches harrte.

       Das Fräulein aber sah den Bauern an und sagte schließlich:

       „Nimm dir von allem, so viel du tragen kannst!“

       Er legte die Blumen auf den Tisch und griff eiligst in Kisten und Kasten, raffte Gold und Edelsteine und füllte seine Taschen.

       „Vergiss das Beste nicht“, rief das Fräulein. Er sah sich um, was denn das Beste sein könnte und raffte noch mehr Gold.

       „Vergiss das Beste nicht“, hörte er die Stimme des Mädchens wieder. Über dem Tisch hing ein prächtiger Leuchter, den riss er in blindem Eifer herab so dass er am Boden zerschellte und der schwarze Hund erhob sich drohend.

       „Vergiss das Beste nicht“, hallte es zum dritten Mal durch den Saal.

       In wahnsinniger Hast griff der Bauer nochmals in die Schatztruhen, brach Edelgestein von den Wänden und stürzte zum Ausgang.

       Ans Tageslicht gelangt, schlug die eiserne Pforte mit entsetzlichem Krachen hinter ihm zu und der Eingang war verschwunden.

       Nun wollte er seine Beute besehen, aber aus den schweren Taschen fielen nur Kieselsteine zur Erde, nicht anders als jene, die der Werrebach mit sich führte. Nun erst, da er an Rückkehr dachte, fiel ihm der Blumenstrauß ein, mit dem er den Berg zu öffnen vermocht hatte. Zu spät erkannte der Bauer, was das Beste gewesen war und begab sich zurück zu seinem Pflug.

       Da er aber die seltsame Geschichte nicht für sich behalten konnte, so wussten es bald die Leute im Land. Und wenn zur Maienzeit die tiefgrünen Wiesen der Mesche am Werrebach mit den gelben Blüten der Primel wie Gold übersät waren, dann sprachen sie wohl frommen Wunsches von der Schlüsselblume. Wieder andere behaupteten, der alte Mann im Wilberg sei der Cheruskerheld selbst gewesen, der hier einst gesiegt habe und wiederkommen werde als weißer Fürst zur letzten Schlacht.   

     

                                                                    *

 

      Die Dorfschaft Wilberg, seit 1970 Ortsteil der Großgemeinde Horn-Bad-Meinberg im südöstlichen Bereich des Kreises Lippe sowie die hier beheimatete Familie Wilberg werden gern als Ausgangsbasis für die Verbreitung des Namens angesehen. Wenn diese Annahme auch erheblich einzuschränken ist, so stellt sich dennoch unausbleiblich die Frage, unter welchen Umständen er sich gerade hier im oberen Werretal in seiner doppelsilbigen Urform ansiedelte und welche „Bedeutung“ ihm zukommt. Das früheste schriftliche Zeugnis aus der Zeit um 1392 weist zwar ebenfalls den bekannten, aber verfehlten „t“-Einschub auf und schreibt “wiltberge“, was jedoch in allen folgenden Dokumenten ausnahmslos unterbleibt. Ist aber die oben dargelegte, an geschichtliche Daten orientierte Entstehungstheorie auch hier anwendbar? Zwei Hypothesen lassen sich konstruieren: 

      I a) Um das Jahr 1115 setzt Abt Erkenbert (von Homburg) zu Corvey an der Weser u. a. einen Ministerialen (höheren Beamten) namens Wilburg ein, womit in der Regel die Erhebung in den niederen Adelsstand sowie die Verleihung eines Meierhofes verbunden ist. Gleichzeitig wird bezeugt, dass Corvey in Meinburg eine Kurie (Meierhof mit administrativen Befugnissen im Auftrag des Klosters) unterhält, sowie eine weitere, nicht näher bezeichnete „Manse“ (Hof) besitzt, deren Abgabepflichten an die Kurie Meinburg zu entrichten sind. Nicht nachgewiesen, aber nahe liegend ist, dass der „Ministeriale“ von Wilburg diesen Hof zu Lehen erhielt.

       Mit der Vereinnahmung der Güter durch die Edelherren zu Lippe im Verlauf des 13. Jahrhunderts wurde der Corveyer Besitzer Wilburg zwangsläufig seines Lehens verlustig, während sein Name nach überkommener Regel als einmal für Hof und Flur redensartlich naturalisiert, erhalten blieb und von seinen Nachfolgern übernommen wurde.

       Mit Datum vom 4. Dezember 1440 verkaufen Johann und Grete Wilberg aus Herrentrup die Hälfte ihres freien Landes an Johann Rodewig, Priester zu Horn und Betreuer des St. Johannes-Altars in der Kapelle zu Wilbasen. (Siehe unten: 1440, älteste Beurkundung des Familiennamens). Demnach muss Johann Wilberg befugt gewesen sein, ohne landesherrlichen Konsens Grundstücke zu verkaufen, was weder leibeigenen Meiern noch Köttern zustand. Sollte es sich um einen Nachfahren des einstigen Corveyer Ministerialen Wilberg handeln? Entsprechende Überlegungen unterstützen immerhin die These I a).        

       I b) Von „Oldendorp“ bis „Wilberg zum Wilberge“: Die Besetzung des ehemaligen Corveyischen Hofes zu Meinberg nach der Übernahme durch die neuen Herren zur Lippe ist namentlich nicht überliefert. Erst nach Belehnung des Vogtes Heinrich Waltering zu Lemgo, genannt Quaditz, „Finanzier“ der Lippischen Edelherren, mit der so genannten Flemeschen Hove vor Horn und einem Hof zu Meinberg laut einer (nur in Abschrift erhaltenen) Urkunde vom Jahr 1384, taucht als Bewirtschafter der Name NN Oldendorp (ebenfalls um 1400 in Lemgo nachgewiesen) auf und ist um 1392 mit dem ersten schriftlichen Nachweis der Ortschaft, als „Hinke (Heinrich) Oldendorp tom Wilberge“ fassbar und bleibt zunächst mit größerem zeitlichen Abstand, sodann aber kontinuierlich bezeugt.

       In einer Strafsache wegen Landfriedensbruchs gegen Hans Knapp zu Meinberg hat dieser laut Gerichtsbeschluss vom 29. April 1472 für den Wiederholungsfall vierzehn Bürgen zu benennen, sämtlich Besitzer von Meierhöfen. Unter ihnen befindet sich „Hanße Auldendorps tom Wilberge“. In Persona sind die Oldendorps erst nach der Hofteilung (Zerschlagung) um 1500 wiederholt (als Altenteiler, Leibzüchter?) in den Meinberger Landschatzregistern zu finden, nicht aber der Hof „tom Wilberge“. Die Hofbezeichnung „Oldendorp“, auch „Oldentruppes“ wird nach dem Aussterben derer von Quaditz im Jahr 1529 und dem damit erfolgten Rückfall des Erblehens an den Landesherrn in Detmolder Abgaberegistern noch analog zu den tatsächlichen Hofansässigen einige Jahre fortgeführt, bis in Nachfolge von Hans Hagemeister, spätestens aber seit 1535 „Hanß Benninck“, auch „Benekenn“ oder „Beneking“, (vom Beinker-Hof zu Meinberg) den Hof bezogen hat und, erstmals schriftlich belegt im Jahr 1548, „Hans zum Wilberge“ genannt wird.  

       Nach Hinzuziehung weiterer urkundlicher Belege (u.a. Hexenprozess um 1600) dürfte Hans Beneken oder Beinker, jetzt genannt Wilberg zum Wilberge, als Stammvater der Familie Wilberg in Lippe hinreichend abgesichert sein.

      II.  Der zweiten These liegt allein die „Bedeutung“ des Begriffs Wilberg zugrunde ohne archäologischen Befund mit Bezug auf die Namengebung, wie etwa im Fall des schweizerischen Dulliken (s.o.). Dennoch ist es wiederum das lateinische „villare“  = Gehöft, das im Althochdeutschen als „wilari“ übernommen und vom mittelhochdeutschen „wiler“ zum neuhochdeutschen Begriff „Weiler“ umgelautet wird. Der Weiler bezeichnet einen abgelegenen, außerhalb der geschlossenen Gemeinde angesiedelten Hof mit geringen Zubauten. 

      Die geographische Situation des Werrequellgebiets um die geschlossene Dorfgemeinde Meinberg mit dem „Weiler“ ca. 2 km westlich und aus Meinberger Sicht hinter einem Hügel versteckt, lässt die Vorstellung zu, dass sich für den jenseits des Berges gelegenen, aber zur Gemeinde gehörigen „Weiler“, dem „Wiler im Berge“, laut örtlichem Umgangston die bis heute gebräuchliche Redensart „im Wilberge“, (1392: „to de Wiltberge“), seltener auch „uff´m Wilberge“ (obwohl im Tal gelegen), einbürgerte. Demzufolge wäre also der Name aus der geographischen Situation sowie der entsprechenden Siedlungspraxis zu erklären und der sprachlichen Ingeniosität der hiesigen Bewohnerschaft zuzuschreiben.    

      Die weitere Entwicklung entspricht dem bereits oben unter I b) nach schriftlichen Quellen dargelegtem.

      Welche der beiden vorgeschlagenen Entstehungshypothesen der Vorzug größerer Wahrscheinlichkeit einzuräumen ist, bleibt unbeantwortet. Überdies existiert für die Dorfschaft Wilberg weder ein Gründungstermin noch ein Entstehungsmythos.

      Auch ein Paradigmenwechsel vom rationalen zum astrologischen Weltbild weckt allemal lebhaftes Interesse, scheint jedoch wenig hilfreich. Die Tatsache, dass zwar kartographisch nachvollziehbar eine axial gedachte Linie von den Externsteinen über Wilberg zum Fissenknicker Mühlenberg verläuft und den Punkt des Horizonts markiert, an dem zur Sommersonnenwende am 21. Juni das aufgehende Gestirn sichtbar wird, ist wohl weder mit dem Ursprung noch mit der Bedeutung des Namens Wilberg vereinbar. Vom mittelhochdeutschen „wil“ ausgehend (aus der Zeit vom 11. bis Mitte 14. Jahrhundert !) die Umlautung auf „weil“, und schließlich vom Konjunktiv zum Substantiv „Weile“, einem auf unbestimmte Dauer von Ruhe oder Rast zielenden Zeitbegriff zu riskieren, wird kaum hinreichen, ihn einer Ortschaft oder einer Person beizulegen. Auch sind „auf dem Wilberge“ bisher keine Spuren von „Sonnensteinen“ oder „Orientierungssäulen“ antiker astronomischer Vermessungen gefunden worden, womit denn diese bemerkenswerte Theorie entfallen dürfte.   

      Dass sich der Name von Ortschaft und Familie Wilberg in Lippe seit dem 16. Jahrhundert sehr wohl weithin verbreitet hat, ist offenkundig, auch bis in die so genannte „Neue Welt“ (Argentinien, dorthin auch deutsche Russland-Emigranten dieses Namens). Seine Geschichte entbehrt allerdings bis dato einer detaillierten Erforschung. Selbst der bereits erstellte genealogische Apparat kann bei aller Präzision diesem Anspruch (noch) nicht gerecht werden.  

 

                                                               *

             

1440: älteste Beurkundung des Familiennamens Wilberg in Lippe

 

      Textwiedergabe eines Kaufvertrags vom 4. Dezember 1440, abgeschlossen vor einem eigens zu diesem Zeck einberufenem Gogericht (zu Horn?) durch den landesherrlich Geschworenen Richter Hermann Ottinghausen (herman Otinghusen).

      Verhandlungs- und Vertragsgegenstand ist der Verkauf der Hälfte ihres Landes im Feld von Wilbasen (velde to willebodessen) durch Johann Wilberg (wilberch) und seiner Ehefrau Grete (syne echte husfrowen) aus Herrentrup an den Priester Johann Rodewig (Johanne Rodewiges), Pastor der ersten und zweiten Pfarre zu Horn sowie Verwalter (vorwarer) der Kapelle zu Wilbasen und Betreuer (Regerer, bestellt zum terminierten Messelesen) des dortigen St. Johannes-Altars.

      Johann Wilberg verkauft die Hälfte des Landes, das er gemeinsam mit Beneke Klasing (Beyne Clawesing) von Heinrich Düvel (duuelhenke) zu Lemgo erworben hat und vordem Bertold dem Dänen (Bartoldez dez denen), Bürger zu Blomberg gehörte. Das sonst freie Land bringt der herrschaftlichen Burg in Blomberg jährlich 1 Scheffel Gerste und 2 Metzen Hafer (twe methen hauer). Verkäufer Johann Wilberg überlässt das Grundstück zum Wohle der Kapelle von Wilbasen (stede to willebodessen) mit allen Rechten und Pflichten dem Käufer Johann Rodewig und seinen Erben gegen Zahlung von 13 Lemgoer Mark-Pfennige, was er mit dieser Urkunde ohne Arglist (sunder argelist) bestätigt und verspricht. Mit Einwilligung beider Parteien gesiegelt und beurkundet vom Gografen Hermann Ottinghausen, bezeugt von Cord Hardersen, Bürgermeister zu Horn, Hans Ottinghausen zu Horn und anderer verlässlicher Personen (bederner lude).

      

Text:

 

Ik herman Otinghusen nu tor tyd eyn gesworen Gogreue der Eddelen myn(es) gnedigen leuen Junchere /2/ Junchern Berndez vnd Junchern Symons heren to der Lippe bekenne vnd betuge apenbar in duss(en) /3/ breue vor all den jenen de ene seen horen efte lesen dat vor my gekome(n) is an eyn gegrichte dat dar /4/ sunderlix to geheget wart johan wilberch wonaftig to herentorpe vnd bekande vor sek grete(n) syne echten husfrowen vnd vor ere rechten erue(n) dat se eynez rechten erfliken kopez verkoft hebbet vnd /6/ verkopet in vnd myt duss(en) breue deme ersamen preste(re) hern Johanne Rodewigez vorstender vnd /7/ vorwarer der Stede to willebodessen vnd Regerer sunte joh(ann)is Altaresz in der Capellen dar suluez /8/ de helfte dez landez dat se vnd Beyne Clawesing semettliken gekoft hebbet van duuelhenke vnd /9/ so dat wann was seligen Bertoldez dez denen borgers to Blomberge vnd so dat geleg(en) in den /10/ velde to willebodes(sen) vor(genomt) vor vrig wikbelde gud vtgeseget eyn schepell gerste(n) vnd twe methen /11/ hauer(n) de dat land all gift myne(n) leue(n) Junchern vp er hues tom Blomberge vor /12/ drittheyn mark pennige to Lemgo ginge vnd geue sind de er to ere(n) willen woll betalet hett /13/ vnd de genante wilberch let dat vor(genomt) land als de helfte vor(genomt) dem vor(genomt) hern to horne to behoff /14/ der stede to willebodessen vnd synez leyuez vor(genomt) vnd syner nakomelinge da suluez in ewige /15/ were sek dez to gebrukende vorweliken vnd vordeliken to syn(e) vnd syn(en) nakomlingez in deme /16/ leyue vnd stede vor(genomt) mit vnd behoeff he louede eme dez landez rechte warschup to /17/ doende wenne were vnd he  vaken eme dez not is sunder argelist in orkunde vorder bekant(-) /18/ nisse hebbe ik Gogreue bouenge(nomt) myn ingesegell eme bede willen beyder partigge an duss(en) /19/ breff gehang(en) hyr wen(n) an vnd on de tyd gogerichte besennden Cort Hardersen Borg(er)mester vnd Hans Ottinghus(en) to Horne vnd ander(n) bedern(er) lude getoich

Datu(m) dm millimo ccccxl d(o)m(ini)ca secunda in Adventu dm.

 

Pergamnet, gesiegelt von Hermann Ottinghausen. [14]           

 

 

      Die Familie Johann Wilberg zu Herrentrup/Reelkirchen und die erst hundert Jahre später neu benannte Familie Wilberg zum Wilberge sind genealogisch nicht identisch. Allein die unmittelbare Nähe ihrer Wohnorte zu Bad Meinberg, Wilberg 2 km westlich, Herrentrup ca. 2 km nordöstlich, lassen einen Zusammenhang vermuten, der notwendig zu Spekulationen anregt. Auch mag der 1315, am 7. September beurkundete Verkauf von Ländereien (auch des Kirchspiels Meinberg?) an das Marienkloster zu Lemgo ein Glied in der Kette – gedachter – Indizien  sein, zumal dieser Vertrag vom Meinberger Pfarrer Gottfried mit unterzeichnet wurde, (siehe oben „Die Wehrkirche“). Hierher gehört auch die Frage nach dem Verbleib des Corveyer Ministerialen und Ritters Wilberg nach der Lippischen Eroberung. Die oben zitierte Urkunde steht zunächst singulär im Raum, findet auch mit den für diese Zeit sehr lückenhaft erhaltenen Steuerregistern keine Unterstützung. Allein die Geschichte des Hauses Mengerssen zu Reelkirchen könnte hier greifen, wäre sie denn erforscht und stünde zur Verfügung.

  

 

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                                                  S t a t i s t i s c h e s

                            

Wilberg als Ortsnamen

 

   im deutschsprachigen Raum, nach aktueller Standard-Orthographie zumeist mit dem für die Onomatologie leicht irreführenden d-Einschub. Dieser erweist sich allerdings als äußerst unsicher. Nach älteren Quellen finden sich stattdessen „Willberg“ und „Wilberg“, selten „Wiltberg“. Es handelt sich, – mit Ausnahme von Wil(d)berg an der Nagold - gewöhnlich um kleinere bis sehr kleine (Kirch-)Dorfschaften oder Weiler:

   Wil(d)berg,  westlich Altentreptow, Neubrandenburg/Vorpommern

   Wil(d)berg,  südwestl. Neuruppin im Temnitztal, Brandenburg (Burg: Wüstung)

   Wil(d)berg,  bei Klipphausen an der Elbe, Radebeul/Dresden

   Wil(d)berg,  Reichshof, Waldbröl (Wildbergerhütte)

   Wil(d)berg,  Baden-Württemberg, Herrschaft und Schloss. 1440, 10. 8. „Wilpperg“,

                       1573 „Wilberg“, 1595 „Wilperg“. 1945 von US-Bombern zerstört.

   Wil(d)berg,  Weiler östl. Kempten, erreichbar über Görisried

   Wil(d)berg,  südwestl. Turbenthal, Kanton Zürich, Schweiz (Burg: Wüstung)

   Wil(d)berg,  bei Unterweißbach, Niederösterreich

   Willberg,      bei Neukirchen am Teisenberg, östl Traunstein, Bayern

   Wilberg,       in Horn-Bad-Meinberg, Kreis Lippe; NRW

 

 

   Wilberg, Burgen ohne gleichnamige Ortschaften:

 

Wil(d)berg, Burgruine bei Sulzfeld, südwestlich Königshofen, Unterfranken, 453 m,          Naturpark Hassberge. Geschecht derer von Wilperc, mehrfach bezeugt, Hochstift Würzburg, Verbindungen nach Paderborn und Grafschaft Everstein (Weser).

   Wil(d)berg, Burgreste bei Ulsenheim, östl. Uffenheim, Mittelfranken. Sitz der Herren von Durne. 1525 im Bauernkrieg zerstört

   Wil(d)berg, Burgruine bei Treis-Karden, Mosel. Ehem. Sitz derer von Wilpurc (Wilperk)

   Wil(d)berg, Burg bei Messern, 2 km nördl. Brunn a.d. Wild, 15 km nordwestl, Horn, 485 m, Bergland „die Wild“, Niederösterreich (Waldviertel). Die von Wilberg gen. um 1135 bis zweite Hälfte 14. Jahrhundert. Seit 1767 zu Stift Altenburg, Steinbrücke mit Torturm, z. T. abgetragener fünfseitiger Bergfried, unregelmäßige Bebauung um Innenhof mit dreigeschossigen Wohntrakten und Treppenturm.

Wil(d)berg, bei Kirchschlag am Haselgraben, 10 km nördl. Linz/Donau, Oberösterreich. Schloss und Burgruine, 1665 durch Brand zerstört. Genannt 1198 für die von Starkenberg, später von Hunsberg. Hochburg mit erhaltenem Bergfried aus dem 14. Jahrhundert, stattl. Reste des Palas erhalten mit gotischem Kern und Ergänzungen der Renaissance, Vorburg mehrfach erneuert.

Wilberg, ehem. Burgen in der Schweiz: 1) bei Gündisau, nördl. Pfäffikon, 820 m, Kanton Zürich, 2) Bronschhofen, 2 km nördl. Wil, 3) Oberrindal, ca. 12 km südl. Wil, beide Kanton St. Gallen, 4) Wil(d)berg, Burg heute über- oder umgebaut, südl. Turbenthal, Kanton Zürich. (11.-12 Jh., siehe oben: Salve regina und Meinrads Rache).

Wildegg,  Schloss in Mörikon, 11. Jahrhundert, Kanton Aargau, Schweiz.

Wilanów, Schloss in Villa Nova/Warschau, erbaut 1677-96. (Vorbehaltlich).

Wiligrad, slav. „Wiligród“, auch slav.- apolabisch „Wiligard´c“, = bewehrte Siedlung. (… gród und …gard´c  = … berg oder …burg), Schloss in Lübstorf am Westufer des oberen Schweriner Sees. Wiligrad soll auch mittelalterl. slavischer Name für „Michelenburg“, dem heutigen „Dorf Mecklenburg“ südlich von Wismar gewesen sein.

 

 

Wilbergstraßen:

 

Berlin, 13125: Wiltbergstraße. (Nr. 50 Medical-Center, Helios-Klinikum)

Bochum-Riemke, 44807: Fröbelstraße, 1975 Wilbergstraße. (Nr. 3: 1875 Volksschule, Neubau 1957, ab 1969 Gemeinschaftsgrundschule. Seit 1975 Wilbergschule.)

Darfeld/Rosendahl, 48720: Wilbergstraße. (Schloss Darfeld)

   Dresden-Briesnitz, 01157:  Wilbergstraße.

   Dortmund-Aplerbeck, 44269: Wilbergstraße

   Düsseldorf-Hilden, 40723: Wilbergstraße. (Nach Joh. Friedr. Wilberg, s.o.Bochum.)

Innsbruck: Josef  Wilbergstraße. (Johanniter-Schulungsheim).

Linz/Donau, Wilbergstraße. (Nr. 18, Bruckner-Konservatorium).

   Wil, Schweiz, Kanton St. Gallen, 9500: Wilbergstraße.(Div. Institutionen, Firmen).

   Witten-Herbede, 58456: Wilbergstraße. (Nach Hof Wilberg-Hackert)

   Wuppertal, 42107 (Elberfeld): Wilbergstraße. (Nach Johann Friedrich Wilberg, s.o.)

   Zell/Rikon a. d. Töss, 8486, Kanton Zürich, Schweiz: Wilbergstraße (Klösterliches Tibet-Institut).

 

   Orthographische Varianten:

 

   Williperc – Willeberc – Williperga – Williberga – Willipirc – Willibirg – Williberga – Williberg – Williperch – Wiliperc – Wileberga - Wiliperce – Wilipergh – Wiliburch – Wilburg – Wilpurc - Wiliburgis – Wiliburg – Wiliburga – Wilburgis – Wilburg – Willburger - Wilberga - Wilperghe – Wildtberge – Wiltperghe – Wiltberger - Wildberge – Wils - Wilsperc – Wilperct – Wilpperg  - Wilpberg - Wilbernus – Wilberk – Wilbern – Wilber – Wildberg – Wilpergh – Wilnperc – Wilbergh – Wilberger – Wilberg – Willberg  - Wilborn – Wilmann – Wilfeld – Wilhof – Wilbur – Wilbauer  u.a.  Wilbault (fr.), Vilbiörg, Vilborg, Vilberg, Wilberg (skand.), Vilburgh (agls.)

         Bedeutungsrelevant sind Verbindungen von zwei Substantiven, während solche mit suffixoiden Adjektiven oder Verben in diesem Kontext entfallen. Seit Erlass des Standesregisters von 1876 ist die derzeit praktizierte Orthographie verbindlich.      

 

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              Nicht Form und Inhalt des Namens bestimmen Würde und Ansehen

                      einer Familie, sondern wie sie ihn in der Geschichte adelt.

 

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   Postludium

 

       Wenn Eingangs von Provenienz und Semantik die Rede war, so ist mit dem     oben nachgewiesenen, frühmittelalterlichen alemannischen Begriff „Williperc“ – der „villa“ (Ortschaft, Siedlung) auf einem „perc“ - sowohl eine geographische Situation als auch eine aus dieser hergeleitete Vorstellung der Geborgenheit ein historischer Bestand erfasst, dem jedoch durchaus zu misstrauen wäre, da „Wahrheit“ als Faktum in unzählige Details zerfällt, die als Sprachkompilationen mit bewusster oder unbewusster Sinnumwandlung bis zum Bedeutungsverlust den Ablauf von „Geschichte“ säumen. Doch ohne existentielle Verortung ist der Mensch seiner Lebenswelt orientierungslos und handlungsunfähig ausgeliefert, ohne sprachliche Fixierung seiner Wahrnehmungen von Ereignissen, Gegenständen und Personen sowie deren Anhäufung zu Gruppen und Gattungen, ohne „nomen“ (lat.) oder „onoma“ (griech.) wäre ein Erkennen und Unterscheiden nicht möglich.

      Sowohl Eigennamen (nomina proprium) als auch Geschlechternamen (nomina gentilicum) stellen eine Identität fest und grenzen sie gegen andere ab. Sprachliche Definitionen für Einzelwesen, Objekte oder deren Gruppierungen – Ortsnamen, Personennamen, Geschlechternamen usw. -  werden jedoch wechselseitig vergeben und tradiert, so dass ihre Herkunft und Bedeutung dem Wissen leicht entfremdet und nicht mehr identifizierbar oft wirren Spekulationen anheim fallen. Ihre Bindung an Traditionen ist deshalb unerlässlich, erlaubt sie doch historische Verortung, soziologische Wertung und Wirkung sowie Identitätsfindung. Willkür hingegen bricht mit der geschichtlichen Kontinuität, ist manipulierbar und schafft Konfusionen im Verständnis von Inhalten, sind Ursache für Irrtümer, Verfälschungen und oft gefährlichen Missverständnissen. Verständigung kann folglich nur durch vernünftige Sprachregelungen erzielt werden, die visuell in Schriftzeichen und Symbolen ihren Ausdruck finden.

       Die sehr frühe Ausbreitung des rätischen „Williperc“ oder „Wilberg“ im germanischen Sprachraum schließt jedoch keinesfalls aus, dass sich prägende geographische Situationen, wie etwa das österreichische Waldviertel „die Wild“, als Begriffseinheit mit gleichen Lauten aber ortsbezogener Aussage als Namengeber erweisen können. Die heterogene Provenienz, auch infolge epochaler kultureller Verschiebungen, erfordert in jedem Einzelfall ein präzises Quellenstudium.

       Die gewissenhafteste Genealogie verliert unter solchen Gesichtspunkten an Boden, sie wird zur Paralleldisziplin der Onomasiologie. Ihre „Linien“ – bilden ein immenses Netzwerk um den willkürlich in den Mittelpunkt gestellten „Namen“. Burgen und Höfe wurden einst mit Namen markiert, deren Bedeutungen oft schwer oder gar nicht mehr erkennbar sind. Ihre jeweiligen Eigentümer, oft auch nur Bewohner, identifizierten sich mit dem Namen ihres Besitztums oder Wohnsitzes. So versteht sich etwa ein „Geschlecht“ von Bundorf als Erwerber oder Eroberer der Burg Wilberg (Franken) mit deren Besitz als Grafen oder Ritter zu Wilberg und ihre biologische und juristische Nachkommenschaft führt den Namen fort. Die Methode greift zumeist flächendeckend auch im Bauernstand und nach der Größenordnung mit sinkender Tendenz bis hin zu Kleingrundbesitzern. Hans Benecke zu Meinberg wird um 1535 Hofeigentümer in Wilberg und nennt sich Wilberg zum Wilberge (1548). Seine Nachfahren, sowohl angeheiratete als auch adoptierte (juristische) Personen identifizieren sich mit diesem Namen, also auch wenn keine genetische Beziehung vorliegt. „Das wahre Wesen der Genealogie ist allein der Drang nach Erkenntnis der Grundlagen unseres gesellschaftlichen Lebens“ meint J.G.Gatterer. Sie ist aber auch von anthropologischem Interesse und höchst eminent für die Erbsubstanzforschung und die Medizin. Nicht zu übersehen ist aber auch, dass sich Materie und Form mit der Historie decken und damit eine wesentliche Komponente der Geschichte selbst darstellen. Allerdings gerät der beliebte „Stammbaum“ angesichts solcher Perspektiven nicht unbedenklich ins wanken. Der Ort seiner „Wurzel“ verfällt der Beliebigkeit, der „Proband“ und sein „Name“ ist fixierte Willkür.  

       An welcher Stelle sind nun genetische und nominale „Linien“ in diesem Netzwerk verknüpfbar? Mit dieser Frage erst gewinnt die dritte Kategorie, die „Familie“ Konturen. Die Familie ist die Urform des menschlichen Gemeinschaftslebens überhaupt. Sie wurde einmal „als engster Gemeinschaftskreis eines Blutsverbandes“ bezeichnet (Hermann Mitgau), mithin auch als „kleinste Zelle des Staatswesens“. Allein der genealogische Zugriff wirkt verengend und wird ihr nicht gerecht, denn ihre Grenzen sind fließend. Dennoch verdichtet sie sich zu einer massiven Kraft im kulturellen und gesellschaftlichen Kontext. Sie wird gern von einem „Leitnamen“ verortet obwohl sich zahlreiche Geschlechter unter ihr vereinigen. Letztlich stellt wiederum ein Name den Identifikationswert fest für alle die ihr angehören.

        Der natürliche eheliche Zusammenschluss zweier Individuen unterschiedlichen Geschlechts und verantwortlich für die Ausformung des Ideals der Liebe als Raison d´etre menschlicher Existenz – ein typisch christlich-abendländisches Leitbild (mystische Liebe = Seele und Christus) - bildet den Kern jeder Familie und gilt als Voraussetzung zur Verhinderung einer ethischen und moralischen Verwahrlosung. Sie ist die erste und älteste soziale Organisation aller Kulturvölker. Ahnenkult und Religion sind aus ihr hervorgegangen, Kultur und Zivilisation, das unmittelbare Verhältnis zwischen Individuum und Staat als organisierte Gesellschaftsform wäre ohne sie nicht denkbar. Ihre naturgesetzliche Verankerung wurde zum Fundament eines gesunden Staatswesens. Mit Fröbel und anderen Erziehungskapazitäten verwies Johann Friedrich Wilberg - gewiss nicht grundlos in jener freiheitlichen Aufbruchstimmung der französischen Revolution und der damit ausgelösten Emanzipationsbewegung – mahnend auf „die Familie als Wurzelboden für Persönlichkeitsentfaltung und Gemeinschaftssinn“.  Konnte er ahnen, dass 200 Jahre später deutsche Politiker Ehe und Familie als „repressives gesellschaftliches Auslaufmodell“ diskreditieren werden und gar der Literat und Ex-Präsident Vaclav Havel sich vernehmen lässt, sie seien nichts als „ein Kuhstall, in den man die Frauen wie Kühe hereinführt um zu kalben“, demgemäß einer modernen „hochkulturellen Gesellschaftsform unwürdig“?! Ein Ersatzmodell, dem Familie und Religion bedenkenlos zu opfern wären, liegt indessen nicht vor und die „Familienforschung“ sieht sich vor einer immensen Herausforderung.  

       Immerhin hat der Name Wilberg – unsere Problemfrage vereinfachend – wohl über anderthalb Jahrtausend unverändert Orte, Personen und Familien benannt, Geschlechter nicht nur unterschieden, sondern auch verbunden. Er wurde von Adelshäusern angenommen und tradiert, die sämtlich – ob nun in der Schweiz, in Franken, in der Pfalz oder in Brandenburg – das Mittelalter nicht überdauerten, aber den Namen bis in die lebendige Gegenwart weiterreichten. Spärlich erhaltene Dokumente auf Pergament oder Epitaphien, wenige Orte ihrer einstigen Niederlassungen oder auch nur die Sagenwelt bewahrten ihre Spuren, so dass der Name in regional unterschiedlicher Dichte greifbar ist.  

       Von den Burgen stiegen sie herab und mit auffälliger Kontinuität hat sich „Wilberg“ seit dem fernen Mittelalter behauptet: Vom bereits genanntem „Williperc“ und dem Geschlecht derer von Wilberg in der Schweiz (853), von „Wiliburg“ aus dem sächsischen Adel der Billunger (870), von „Wilburga“, der Mutter eines Tidi, Landbesitzer in „Bilivelde“ (1015 bis 1036), die ihr Eigentum an die Kirche zu Paderborn überträgt, über den Ministerialen „Wilburg“ von Corvey, der verdächtigt wird, seinen Namen nach „Meynburgh“ im südöstlichen Lippe transferiert zu haben (1115) wo dann ein Dorf und eine Familie nach ihm benannt werden, oder der frommen „Wilburgis“, die sich als Reklusin in St. Florian um 1230 einmauern ließ bis das Gebäude einstürzte, ferner dem gleichnamigen Hof  in Osterode, von dem 1248 drei Pfennig und ein Maß Roggen für die Gräfinnen Sophia und Tochter Jutta von Vechta zur Unterhaltung des ewigen Lichts im Kloster Bersenbrück geliefert werden sollen, bis hin zu „Wilbergis“, Äbtissin des Klosters zu Lemgo (!). 1277 amtiert im Württembergischen der „Vicepleban Friedericus Wilperc“ und 1281 zeugt ein Wilperk in Wolferne. In der Neuzeit treten Wilbergs im Bildungsbereich und auf dem Gebiet der Kunst hervor, sie besetzen schließlich Lehrstühle an Universitäten oder man findet sie unter Kaufleuten, wie etwa Franz Julius Wilberg aus Berlin in Hamburg und Rio de Janeiro. Im Gesichtskreis der Gegenwart schließlich findet sich scheinbar seine Wiederentdeckung als männlicher Rufname: Im Jahr 1991 wird in Dessau der 12 Wochen alte Wilberg Grusser entführt und kann erst zwei Jahre später seinen Eltern zurückgebracht werden, nicht ohne empfindliche Bestrafung der Entführer (NBK, 8. 94.).

       Das räumliche Vorkommen des Namens konzentriert sich derzeit vor allem auf Ballungszentren wie Dortmund, Düsseldorf, Berlin, Essen, Hamburg, Magdeburg und Köln, während sich verstreutes Auftreten relativ in Grenzen hält. Wilberg zählt nicht zu den häufigen Namen, selbst Fachlexika kennen ihn nicht. Er ist kein Name von Helden und Heiligen, deren Eigenschaften und Wirken man etwa zu transmittieren wünscht. Er gehört jedoch zu den ältesten geschichtlichen Denkmälern nominaler    Identifikation im nördlichen Mitteleuropa, die bis heute überlebt haben. 

  

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Martin Ludwig Wilberg (1853-1912)

         Der Brief (Privatbesitz)

 

 

 Martin Ludwig Wilberg (1853-1912) 

Landsknecht mit Krug  (Privatbesitz)

 

 

Christian Johannes Wilberg (1839-1882)

 Eseltreiberin in italienischer Landschaft

 

 

Christian Johannes Wilberg (1839-1882)               Christian Johannes Wilberg (1839.1882)

            Motiv aus Sorrent, 1881.                                        Agrigent, Templo di Hera

Aquarellierte Zeichnung, 12,5 mal 19 cm             Fälschl. Juno-Tempel. 113 mal 189 cm, Öl.

 

 

 

Prof. Dr. Wilhelm Wilberg (1872 – 1956)

Sohn des Buchhändlers und Deutschen

Konsuls Friedrich Carl Wilberg in Athen,

Enkel des Essener Gymnasialdirektors 

Prof. Dr. Friedrich Wilhelm Wilberg,

von 1898 bis 1922 Architekt und Direktor des

Österreichischen Archäologischen Instituts.

 

 

 

Folgende Seite:

Topographischer Plan der Burg von Ilion (Troja)

nach den Grabungskampagnen von 1870 bis

1894. Nach den Vermessungsgrundlagen von

Prof. Dr. Wilhelm Dörpfeld erstellt von

Prof. Dr. Wilhelm Wilberg.

Bis heute ist dieser der einzige umfassende Plan

des Burgberges von Troja, im Jahr 1902 von

Wilhelm Dörpfeld und Wilhelm Wilberg publiziert.

Er blieb mit seinem 20 m-Raster und der

Farbgebung für die Hauptsiedlungsperioden

einzigartig.

Obgleich der Plan Ergebnisse nachfolgender

Grabungskampagnen nicht enthält, ist er dank

seiner übersichtlichen Gestaltung der

informativste geblieben und 1992 neu

aufgelegt worden.     

 

 

Dr. Johann Friedrich Wilberg

Federzeichnung nach einem

Stich von Buchhorn, 1842

 

 

Haus Reckahn des Domherrn

Eberhard von Rochow bei

Krahne In Brandenburg. Hier

Empfing Johann Friedrich

Wilberg maßgebliche Impulse

für seine künftige Laufbahn

als Pädagoge. Foto von 1922.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

PARTA        TUERI

 

 

Wilberg  zum  Wilberge

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

    Quod non est in litteris

       non est in mundo 



   [1] Vergl. hierzu Adolf Bach, Dt. Namenkunde, 5 Bd. 1942, ff., M. Gottschald, Dt. Namenkunde 1954,      Familiennamenbuch der Schweiz, 2 Bd. 1940, E. Schwarz, Dt. Namenforschung, 2. Bd. 1949, u.a.

   [2] An der Töss findet sich der Ort Lippe und es könnten durchaus sächsische Deportierte und Exilanten   aus dem Gebiet der „Lupia“ (Lippe) den Ort Lipperswil im Kanton Thurgau gegründet haben.

    [3] Nach Jacob Kuoni, Sagen des Kantons St. Gallen, 1903, Nr. 486, S. 285 f.

    Torkelhütte: Von ahd. torcula, Gehäuse der hölzernen Weinpressen (Kelter).

Wil: Bezirksstadt im Kanton St. Gallen, heute ca. 16 000 Einwohner. Nach 1150 gegründet vom Gra fen von Toggenburg, Doppelreihensiedlung auf einem Bergrücken mit Laubenhäusern aus dem 15.

bis 17. Jahrhundert. Burg „Hof“ angebl. Sitz der Stadtgründer, später Sommersitz der Fürstäbte von St. Gallen. Kirche St. Nicolaus im 15. Jahrhundert erneuert, um 1990 restauriert. Alte Glocke neben

der Kirche als Denkmal aufgestellt. 

    [4] Zu den Inschriften: Keller, Vorsitzender eines zwölfköpfigen Gerichtsstabs für Stadt und Amt. Bei Blutgerichtsverfahren (seit der peinlichen  Halsgerichtsordnung Karl V. von 1532) oblag dem Keller die Anklage und den Vorsitz übernahm der Bürgermeister.   Keller waren auch in der Rheinpfalz gebräuchlich.

   [5] Nach Immisch-Spier, Anchiriakum-Enkirch 733-1983

   [6] Schon bei Ernst Kunik, Die Berufung der schwedischen Rodsen durch die Finnen und Slaven, zur             Entstehungsgeschichte des russischen Staates, St. Petersburg 1844: Wilberg = erzgermanisch.

    [7] Nach Johann Friedrich Wilberg, Erinnerungen aus meinem Leben, Essen 1836. Zitate kursiv.

    [8] Die Durchsicht der nicht vollständigen Aktenbestände des Hauses zur Lippe im NRW-Staatsarchiv      Detmold zu dieser Frage blieb bis dato leider erfolglos.

    [9] Text: Christiane Wagner.  Via Renate Wilberg-Bretnütz, Braunschweig.

   [10] Johanna Luberg, in Dt. Geschlechterbuch, Bd. 130, 38. allg. Band; Joh. Lesberg, in Geneal. Hdb. Bd. 4, 1896. Laut Abschrift  a. d.  Geburtsregister des Kirchenbuchs der Größeren evangel. Kirchengemeinde Hagen  v. 14. Dez. 1939: Johanna Louisa Francisca Margaretha Suberg;  Laut Abschrift a. d. Trauregister der evangel. Kirchengemeinde Bochum v. 8.Dez. 1939: Johanna Theodora Suberg. Unsicher! Lese-, Schreib- oder Druckfehler bei Vor- und Nachnamen ! 

   [11] Nach Johann Friedrich Wilberg, Erinnerungen aus meinem Leben, Essen 1836 (Baedeker), Zitate Kursiv., ders. Stoff zum Nachdenken über Armenversorgung, Elberfeld 1838 (Büscher);  Märkisch-Bergische Zeitung vom  8. 12. 1937;  Täglicher Anzeiger, Elberfeld, 21. November 1839.                 Für wertvolle Hinweise dankt der Verf. Frau Renate Wilberg-Bretnütz, Braunschweig.

   [12] Aus Mitteilungsblatt des Förderkreises für Bildungsgeschichtliche Forschung e.V., 15 (2004) 2,  Kursiv.

    Mathilde Wirth, geb. Wilberg, Hsg.  J. F. Wilberg, Nachlass eines Verstorbenen, 399 S., Essen 1843 (Baedeker), 2. Auflage 1854, 454 S.  M. W. = Ehefrau des Dr. phil. August Wirth, Elberfeld/Erfurt.

    1847 konstituierte sich in Elberfeld auf Betreiben von Diesterweg, Heuser und Fuchs die Wilberg-Stiftung. (Tochter Marie W., s.o., ehel. Musikdir. Leander Posse. Gest. Charlottenburg 19. 9. 1901)  

[13] Abschrift aus der Wiener Presse 1. 12. 1952 von Dr. Ernst Eberhard Wilberg,  via Renate Wilberg-Bretnütz, Braunschweig.

[14] NRW-Staatsarchiv Detmold, L 1 D Kl. Blomberg VI. 10.